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Belastungstest für Macron

Richard Ferrand, die rechte Hand des französischen Präsidenten, soll seine Partnerin begünstigt haben.

«Verdammt» alle Unterstellungen, etwas Illegales getan zu haben: Richard Ferrand vor dem Elysée. (18. Mai 2017) Foto: Christophe Petit Tesson (EPA, Keystone)
«Verdammt» alle Unterstellungen, etwas Illegales getan zu haben: Richard Ferrand vor dem Elysée. (18. Mai 2017) Foto: Christophe Petit Tesson (EPA, Keystone)

Richard Ferrand ist ein Mann der ersten Stunde. Als Mitbegründer der Bewegung En Marche, so schworen Parteikader noch vor wenigen Tagen, genoss der 54 Jahre alte Abgeordnete bisher «das absolute Vertrauen» von Frankreichs Präsidenten. Ferrand war der Mann fürs Grobe: Schärfer als Emmanuel Macron wetterte er im Wahlkampf über die Skandale des Republikaners François Fillon, energischer als andere forderte Ferrand eine «tiefgreifende Erneuerung» von Frankreichs politischen Sitten und Gebräuchen. Seit zwei Wochen ist er Minister für Wohnung und Städtebau. Und seit sieben Tagen gärt der Verdacht, er predige aller Welt gern Wasser – um sich und den Seinen Wein einzuschenken.

Der «Fall Ferrand» wird zum ersten Belastungstest für den Präsidenten. Zwölf Tage vor dem ersten Durchgang der Parlamentswahlen muss sich Macron entscheiden: Ist er loyal zu einem seiner ersten Getreuen, oder opfert er ihn gemäss den Prinzipien jener «Revolution», die er als «Kandidat gegen das System» seinen Landsleuten im Wahlkampf versprochen hatte?

Jährlich 42'000 Euro Miete

Jeden Tag kommen neue Details über Ferrands Vorleben zutage. Vorige Woche enthüllte das Satireblatt «Le Canard Enchaîné», der langjährige Generaldirektor einer gemeinnützigen Krankenversicherung in der Bretagne habe vor sieben Jahren seiner Lebensgefährtin ein lukratives Immobiliengeschäft zugeschanzt. Demnach erwarb seine Gefährtin 2011 ein extrem preiswertes Gebäude in Brest, für das die Versicherung dann 184'000 Euro Renovierungskosten übernahm und seither jährlich 42'000 Euro Miete zahlt. Ferrand verweist darauf, dass die Staatsanwaltschaft bisher keinen Grund zur Einleitung strafrechtlicher Ermittlungen sieht.

Rechtlich unanfechtbar scheinen auch Ferrands andere Arrangements zu sein, die am Dienstag die Tageszeitung «Le Monde» ausgrub. Nach 14 Jahren als Krankenkassenchef legte der Sozialist 2012 zwar sein Amt nieder, um als Abgeordneter in die Nationalversammlung zu wechseln, aber er blieb seinem Versicherungsverein verbunden: Von seiner Nachfolgerin liess sich Ferrand einen Beratervertrag ausstellen, mit einem Monatssalär von 1250 Euro. Zugleich beschäftigte er den Lebenspartner seiner Nachfolgerin als parlamentarischen Assistenten.

Den eigenen Sohn angestellt

2015 stellte Richard Ferrand wiederum seinen eigenen Sohn an – eine alte Unsitte Pariser Parlamentarier, die En Marche und Ferrand im Wahlkampf fast täglich geisselten. Ferrand wies am Dienstag alle Vorwürfe zurück, und er «verdammt» alle Unterstellungen, etwas Illegales getan zu haben. Obendrein musste sich Europaministerin Marielle de Sarnez des Verdachts erwehren, sie habe als EU-Abgeordnete eine Mitarbeiterin widerrechtlich beschäftigt. Ausgerechnet ­Sarnez hatte am Montag gelästert, Ferrands Gewohnheiten seien «allein seine Sache».

Zu Ferrands Dilemma wird, dass seine Einlassungen verheerend an manche Ehrenerklärung Fillons im Wahlkampf erinnern. Und dass Macron und sein Justizminister François Bayrou nächste Woche ein Gesetz für mehr ­Moral in der Politik vorstellen wollen: Politiker dürften keine Beraterverträge mehr unterschreiben, keine Verwandten mehr als Mitarbeiter anstellen – und maximal dreimal für dasselbe Wahlamt kandidieren.

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