Bercow: «Der Brexit ist der grösste Fehler seit dem Krieg»

Der frühere Parlamentschef des britischen Unterhauses gibt kurz nach Ende seiner Amtszeit seine Neutralität auf und verurteilt den EU-Ausstieg scharf.

War zehn Jahre lang «Speaker of the House of Commons»: John Bercow. Foto: Keystone

War zehn Jahre lang «Speaker of the House of Commons»: John Bercow. Foto: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Ich denke, dass der Brexit der grösste aussenpolitische Fehler in der Nachkriegszeit ist. Das ist meine ehrliche Meinung.» Der ehemalige britische Parlamentschef kritisierte am Mittwoch beim einem Treffen mit Auslandskorrespondenten in London den EU-Ausstieg scharf. Der Brexit werde sich nicht positiv auf das internationale Ansehen Grossbritanniens auswirken. «Meine ehrliche Antwort ist, dass ich nicht denke, dass dies dem Vereinigten Königreich hilft.»

Bercow sagte: «Ich bin nicht mehr der ‹Speaker›, ich muss nicht mehr unabhängig sein.» Er betonte, dass er sich während seiner Amtszeit stets neutral verhalten und auch die Brexit-Befürworter stets fair behandelt habe. Er respektiere, dass der Premierminister versucht habe, eine Mehrheit für seinen Brexit-Deal zu bekommen.

Brexit-Hardliner hielten Bercow für parteiisch

Vor allem Brexit-Hardliner hatten dem 56-Jährigen allerdings vorgeworfen, sich parteiisch zu verhalten. Mehrmals setzte er sich über Konventionen hinweg, damit die Abgeordneten im Streit mit der Regierung die Oberhand behalten konnten. Bercow rechtfertigte das mit einem immer stärker autoritären Regierungsstil.

Als Parteikollege von Tory-Chef, Premierminister Brexit-Vorkämpfer Boris Johnson hatte Bercow das Amt des «Speaker of the House of Commons» zehn Jahre inne. Am Montag wurde der Labour-Politiker Lindsay Hoyle zu seinem Nachfolger gewählt. (step/sda)

Erstellt: 06.11.2019, 18:14 Uhr

Artikel zum Thema

Bercow-Nachfolger heisst Lindsay Hoyle

Im Londoner Parlament wurde ein neuer «Speaker» gewählt. Der 62-jährige Lindsay Hoyle, der seine Haustiere nach Ex-Politikern benennt, galt als Favorit. red

Er muss den Brexit moderieren

Porträt Lindsay Hoyle, der neue Sprecher des britischen Unterhauses, will wieder Ruhe in die Kammer bringen. Mehr...

Dompteur in Zeiten des Wahnsinns

Er hat das britische Unterhaus zu einem Teil der Popkultur gemacht, in Erinnerung bleiben wird John Bercow aber als Stimme der Vernunft. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Rioja fasziniert mit neuer Vielfalt

Die Winzer aus der Region Rioja glänzen mit stetig zunehmender Finesse und Vielfalt. Neben Weissweinen sind auch Einzellagen, Orts- und Gebietsweine auf dem Vormarsch.

Kommentare

Blogs

Von Kopf bis Fuss Gute Laune trotz Lichtmangels

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Klimawand: Andres Petreselli bemalt in San Francisco eine Hausfassade mit einem Porträt von Greta Thunberg. (8. November 2019)
(Bild: Ben Margot) Mehr...