Bootsflüchtlinge der «Ocean Viking» dürfen an Land

In Italien hat das Rettungsschiff 82 Bootsflüchtlinge zum Hafen der Insel Lampedusa gebracht.

Ein geretteter Migrant schaut aus einer Luke der Ocean Viking im Mittelmeer vor Lampedusa. (14. September 2019) Bild: Renata Brito/AP

Ein geretteter Migrant schaut aus einer Luke der Ocean Viking im Mittelmeer vor Lampedusa. (14. September 2019) Bild: Renata Brito/AP

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Die Ausschiffung mit Booten der Küstenwache begann in der Nacht zum Sonntag, bis zum Vormittag hatte die Mehrzahl der Männer, Frauen und Kinder das Schiff verlassen, das vor dem Hafen auf Reede blieb.

Die Seenotleitstelle in Rom, die bei Rettungseinsätzen im zentralen Mittelmeer für die Koordination zuständig ist, hatte die von SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen betriebene «Ocean Viking» am Samstagmorgen angewiesen, Lampedusa als sicheren Hafen anzusteuern.

«Nach 14 Monaten ist die Ocean Viking das erste zivile Rettungsschiff, das autorisiert Menschen an einen sicheren Ort in Italien bringt», schrieb SOS Méditerranée und begrüsste die Entscheidung der neuen italienischen Regierung als ermutigendes Signal. Die im August zerbrochene Regierung aus populistischer Fünf-Sterne-Bewegung und rechter Lega hatte Rettungsschiffe nur in Ausnahmefällen und nach langem Gerangel in italienische Häfen gelassen und die Schiffe dann meist beschlagnahmt. Die deutsche Kapitänin Carola Rackete hatte sich Ende Juni über ein Verbot hinweggesetzt, als sie mit der «Sea-Watch 3» in Lampedusa einfuhr.

Seit Anfang September regieren in Rom die Fünf Sterne mit den Sozialdemokraten, die Spitzenbeamtin Luciana Lamorgese löste Lega-Chef Matteo Salvini im Innenressort ab. «Italien, die Mauer fällt», titelte die Tageszeitung «La Repubblica» am Sonntag zu der Entscheidung zugunsten der «Ocean Viking». Nach italienischen Presseberichten werden Deutschland und Frankreich je 24 der 82 Flüchtlinge übernehmen, weitere 24 bleiben in Italien. Acht gehen nach Portugal und zwei nach Luxemburg.

Uno begrüsst jüngste Entwicklung

Uno-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi begrüsste die jüngste Entwicklung. «Hoffentlich ist dies ein weiterer Schritt hin zu einem dringend benötigten, berechenbaren Ausschiffungsabkommen, das von einer Anzahl europäischer Länder unterstützt wird», schrieb Grandi auf Twitter.

Salvini, jetzt Italiens Oppositionsführer, kritisierte die Entscheidung zur Ausschiffung in Lampedusa scharf. «Die sind verrückt geworden. Das ist eine Kapitulation vor denjenigen, die Italien zum Flüchtlingslager Europas machen wollen», sagte er laut Nachrichtenagentur Ansa.

Lampedusas Bürgermeister Totò Martello bezeichnete die Zuweisung der kleinen Insel als unlogisch, da die «Ocean Viking» viel näher an Porto Empedocle in Sizilien gewesen sei. Ihm sei aber dann vom Innenministerium erklärt worden, dass die «Hotspots» zur Aufnahme von Flüchtlingen auf Sizilien überfüllt seien, sagte er der «Repubblica».

84 Bootsflüchtlinge gerettet

Die «Ocean Viking» hatte am 8. September zunächst 50 Menschen gerettet. Einen Tag später übernahm sie 34 gerettete Bootsflüchtlinge vom Segelschiff «Josefa». Zwei Menschen, eine schwangere Frau und ihr Mann, durften im Laufe der Woche von Bord und wurden nach Malta gebracht.

Am Samstag erreichten laut Ansa 32 Menschen aus Tunesien mit zwei Booten Lampedusa aus eigener Kraft. Am Abend kam ein weiteres Boot mit 78 Menschen - vor allem Tunesier und Kameruner - in Lampedusa an. Die «Ocean Viking» will in Kürze zu einem neuen Rettungseinsatz vor der Küste Libyens auslaufen.

(oli/sda)

Erstellt: 15.09.2019, 23:46 Uhr

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