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Boulevard der Anständigen

Wie es dazu kam, dass die deutsche «Bild»-Zeitung für Flüchtlinge wirbt und gegen Fremdenfeinde hetzt.

Wer eines der neuen Gesichter der «Bild» besuchen will, muss in den 16. Stock des goldenen Hochhauses hochfahren, das Verleger Axel Cäsar Springer einst direkt an die Berliner Mauer gestellt hat. Auf der Teppichetage trifft man Julian Reichelt (35), kantiges Gesicht, Designerbrille, Dreitagebart, Jeans. Er raucht (wo darf man das überhaupt noch?) im behelfsmässig eingerichteten Büro mit Blick auf die Stadt, redet ruhig, während sein Handy unentwegt fiept, ohne beachtet zu werden. Reichelt ist der Herr über das Reich von Bild.de, dem Onlineportal der Boulevardzeitung «Bild», auf dem täglich mehr als zehn Millionen Leser vorbeischauen. Für einen Chefredaktor ist er aussergewöhnlich jung, aussergewöhnlich scharfzüngig, unbeirrt und streitlustig. Mit der nur drei Jahre älteren Tanit Koch, die seit Anfang Jahr als erste Frau überhaupt die Zeitung führt und während unseres Gesprächs ab und an den Kopf durch die Tür streckt, und dem langjährigen Chefredaktor und jetzigen Herausgeber Kai Diekmann, der gerade in der Türkei ist, bildet er das Triumvirat, das die «Bild» befehligt.

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