«Brutale Welle der Islamfeindlichkeit» in Spanien

«Mörder», «Scheiss Nordafrikaner», «ihr werdet das bezahlen»: In mehreren spanischen Städten sind nach den Anschlägen in Katalonien Moscheen verunstaltet worden.

«Ihr werdet sterben»: In Tarragona war die Montblanc-Moschee am Samstag verunstaltet worden. (18. August 2017) Bild: Twitter/bolloroja

«Ihr werdet sterben»: In Tarragona war die Montblanc-Moschee am Samstag verunstaltet worden. (18. August 2017) Bild: Twitter/bolloroja

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Nach den Anschlägen vom vergangenen Donnerstag ist in Spanien die Zahl der antiislamischen Übergriffe drastisch gestiegen. Mindestens vier Moscheen in den Städten Granada, Fuenlabrada, Logroño und Sevilla hätten in den vergangenen Tagen Schändungen und Angriffe gemeldet, berichtete die Zeitung «El País» am Mittwoch. «Wir registrieren dieser Tage eine brutale Welle der Islamfeindlichkeit», zitierte das Blatt den Leiter der Bürgerplattform gegen Islamophobie, Esteban Ibarra.

In Sevilla im Süden des Landes malten zum Beispiel Unbekannte auf die Wände der Hauptmoschee Parolen wie «Mörder, ihr werdet das bezahlen!». Zudem sprayte jemand «Mörder» an die Fassade einer arabischen Metzgerei.

In Tarragona war die Montblanc-Moschee bereits am Samstag verunstaltet worden. «Ihr werdet sterben, ihr Scheiss Nordafrikaner», hatte jemand mehrfach an die Fassade gesprayt. «Moros» meint ursprünglich die «Mauren», also muslimische Berberstämme im Maghreb. Umgangssprachlich wird der Begriff aber weitgehend als Synonym für «Nordafrikaner» oder «Muslim» verwendet.

In Granada attackierten rund ein Dutzend Personen, vermutlich Mitglieder der kleinen rechtsradikalen Organisation «Hogar Social», eine Moschee mit Rauchbomben und Leuchtraketen. Sie sangen dabei antiislamische Parolen.

Jugendlicher angegriffen

Auch im Netz werde ein Anstieg der Attacken und Beleidigungen registriert, hiess es. Ausserdem würden Muslime auf offener Strasse ohne ersichtlichen Grund körperlich attackiert.

Ein 14-jähriger Junge aus Marokko sei etwa in Puerto de Sagunto bei Valencia von einem unbekannten Mann angegriffen, als «Scheiss-Araber» beschimpft und mit dem Tode bedroht worden.

Für Hasskriminalität können in Spanien Haftstrafen von bis zu vier Jahren verhängt werden.

Terrorverdächtiger auf freiem Fuss

Beim Anschlag mit einem Lieferwagen auf Barcelonas Flaniermeile Las Ramblas und einer vereitelten Attacke im ebenfalls in Katalonien liegenden Ort Cambrils wurden am Donnerstag insgesamt 15 Menschen getötet und mehr als 120 verletzt. Die Terrormiliz Islamischer Staat bekannte sich zu den Taten.

Die dafür verantwortliche Terrorzelle wurde nach Polizeiangaben zerschlagen. Acht Terroristen sind tot, gegen drei weitere laufen Ermittlungen, ein vierter Mann wurde am Mittwochabend wieder auf freien Fuss gesetzt.

(mch/sda)

Erstellt: 23.08.2017, 17:11 Uhr

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