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Buchhalterin ist Griechlands Steuersünderin Nummer eins

Seit zwei Jahren sorgt die Lagarde-Liste mit griechischen Auslandkonten für Diskussionen. An erster Stelle steht die Griechin Maria Panteli. Ein Magazin hat mit ihr gesprochen – und Erstaunliches herausgefunden.

Die Lagarde-Liste ging zwischenzeitlich sogar einmal verloren: Sicherheitsbeamte auf dem Dach des griechischen Finanzministeriums in Athen.
Die Lagarde-Liste ging zwischenzeitlich sogar einmal verloren: Sicherheitsbeamte auf dem Dach des griechischen Finanzministeriums in Athen.
Keystone

Seit einigen Wochen spekuliert Griechenland über Maria Panteli. Deren Name steht nämlich zuoberst auf der sogenannten Lagarde-Liste, neben einem Konto, auf welchem Millionen von Dollar liegen. Das Dokument mit Informationen über 2000 griechische Auslandkonten wurde Athen vor über zwei Jahren von der damaligen französischen Finanzministerin Christine Lagarde überreicht. Seither sorgte die Liste immer wieder für Wirbel (Redaktion Tamedia berichtete).

Das Nachrichtenmagazin «Focus» konnte nun erstmals einen Blick auf das Dokument werfen. Und: Das Magazin sprach exklusiv mit Maria Panteli. Diese lebt mittlerweile mit ihrer Familie im französischen Exil.

Buchhalterin mit 2000 Euro monatlich

Vor wenigen Wochen waren Detailinformationen von der Liste an die Öffentlichkeit gelangt. Seither beschäftig sich die griechische Steuerfahndung, die Staatsanwaltschaft und die Presse mit Maria Panteli. Deren Name ist einem der zwei Konten zugeordnet, auf denen insgesamt 550 Millionen Dollar deponiert sind, so «Focus». In Griechenland gilt Panteli als «unbekannte Grossreiche».

Doch die Frau ist keine Schwerreiche, sondern lediglich eine Buchhalterin, die ein monatliches Einkommen von 2000 Euro ausweist. Dies sagt sie gegenüber dem Reporter von «Focus». Wie aber landete ihr Name auf der Lagarde-Liste neben dem Eintrag eines Millionenkontos?

Tatsächlich ist Maria Pantelis Name nicht der einzige, der dem entsprechenden Konto zugeordnet ist. Unter anderem ist noch eine Firma des Medienunternehmens Bobolas aufgeführt, welche Investmentfonds verwaltet. Bei diesem Unternehmen war Panteli als Verwaltungsangestellte tätig und protokollierte die Kontobewegungen.

«Papakonstantinou hat mein Leben zerstört»

Dennoch gelangte Pantelis Name an die Öffentlichkeit. Ihr Haus wurde von Paparazzi belagert, sie wurde öffentlich als Steuersünderin angeprangert. Zuletzt sei ihr und ihrer Familie nur noch die Flucht geblieben, so Panteli gegenüber dem Nachrichtenmagazin.

Für die Buchhalterin ist klar, wer Schuld an ihrer Misere hat: Ex-Finanzminister Giorgos Papakonstantinou. «Der Mann hat mein Leben zerstört. Die Behörden sind vollkommen amateurhaft und illegal vorgegangen. Papakonstantinou gab meinen Namen ganz einfach und ohne weitere Prüfung an die Finanzfahndung weiter.» Danach sei ihr Leben auf den Kopf gestellt worden. Selbst die offizielle Presseerklärung von Firmenchef Sabby Mionis, welche Maria Panteli entlastet, hat nichts geholfen. Die Hetz-Presse ist nicht abgeebbt, berichtet die Frau weiter. In der Nachbarschaft habe man ihr angedichtet, nur zum Schein in ihrer Wohnung zu leben.

Maria Panteli ist mittlerweile überzeugt, dass sie Opfer einer Verleumdungskampagne wurde, die eigentlich ihrem Chef, dem griechisch-israelischen Doppelbürger Sabby Mionis galt. «Meiner Meinung nach versucht man mit der Konzentration auf den Fonds von anderen Steuersündern abzulenken. So läuft es doch im griechischen Staat; er ist hoch korrupt. Der Fonds passt in den Raster, weil er einem Juden gehört.»

Namen von Verwandten gelöscht

In Griechenland ist Giorgos Papakonstantinou mittlerweile selber ins Schussfeld der Behörden geraten. Dem früheren Finanzminister werden Datenfälschung und Pflichtverletzung vorgeworfen. Papakonstantinou soll die Namen von Verwandten aus der Lagarde-Liste gelöscht haben (Redaktion Tamedia berichtete).

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