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Ausschreitungen bei der Räumung des «Dschungels» in Calais

Die Behörden rissen Teile des Flüchtlingslagers nahe dem Ärmelkanal nieder. Dabei kam es zu Gewalt zwischen Sicherheitskräften und Bewohnern.

Flüchtlinge in einem zerstörten Teil des Lagers bei Calais. (12. März 2016)
Flüchtlinge in einem zerstörten Teil des Lagers bei Calais. (12. März 2016)
Thibault Vandermersch, Keystone
Stille Rebellion: Ein vermummter Iraner, der sich die Lippen zugenäht hat. (3.März 2016)
Stille Rebellion: Ein vermummter Iraner, der sich die Lippen zugenäht hat. (3.März 2016)
Michel Spingler, Keystone
Bei der Räumung kamen auch Bulldozer zum Einsatz.
Bei der Räumung kamen auch Bulldozer zum Einsatz.
Carl Court/Getty Images
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Nach den Ausschreitungen vom Vortag haben die französischen Behörden die Teilräumung des Flüchtlingslagers in Calais fortgesetzt. Arbeiter rissen am Dienstag mit zwei Bulldozern von den Flüchtlingen geräumte Hütten ab.

Die Polizei war erneut mit einem Grossaufgebot in dem als «Dschungel» bekannten Lager im Einsatz, um die Räumungsarbeiten abzusichern. Die Behörden hatten am Montag damit begonnen, den südlichen Teil des Flüchtlingslagers zu räumen und Zelte und selbst errichtete Hütten abzureissen.

Dabei kam es zu heftigen Zusammenstössen zwischen Flüchtlingen und Aktivisten auf der einen Seite und Polizisten auf der anderen Seite. Flüchtlinge und Aktivisten setzten rund 20 Hütten in Brand und warfen Wurfgeschosse auf die Beamten, die mit Tränengas antworteten. Bereits zuvor war eine No-Border-Aktivistin festgenommen worden.

Grosses Polizeiaufgebot in Calais. (Video: Reuters)

Zelte in Brand gesetzt

Laut einem Bericht des französischen Senders «BFMTV »wurden mehrere Zelte sowie provisorische Bauten in Brand gesetzt. Am frühen Montagabend sei zudem eine Strasse in der Nähe des Dschungels von rund 150 Migranten blockiert worden sein, wie der «Spiegel» schreibt. Die Polizei habe die Flüchtlinge schliesslich von der Strasse drängen können.

Die Räumungsaktion des südlichen Teils des slumähnlichen Lagers dürfte mehrere Wochen in Anspruch nehmen, wie es im Bericht weiter heisst. Das Verwaltungsgericht der nordfranzösischen Stadt Lille hatte vergangene Woche grünes Licht dafür gegeben. Die zuletzt dort in selbst errichteten Hütten oder Zelten lebenden Flüchtlinge sollen grösstenteils in Aufnahmezentren in anderen Landesteilen gebracht werden.

Ein Dorn im Auge

Viele Flüchtlinge wollen Calais aber nicht verlassen: Sie hoffen, von Calais aus mit Fähren über den Ärmelkanal oder durch den Eurotunnel nach Grossbritannien zu gelangen. Am Montag versuchten zahlreiche Behördenmitarbeiter erneut, Flüchtlinge davon zu überzeugen, sich in Aufnahmezentren in anderen Regionen Frankreichs bringen zu lassen.

Die zahlreichen Polizisten vor Ort sollten auch deren Arbeit schützen, sagte die Präfektin des Départements Pas-de-Calais, Fabienne Buccio, der Nachrichtenagentur AFP. Vergangene Woche hätten No-Border-Aktivisten die Behördenmitarbeiter «angegriffen und beleidigt».

Hilfsorganisationen kritisierten die Teilräumung des nahe des Ärmelkanals gelegenen Flüchtlingslagers. «Es ist unendlich traurig, diese Verschwendung der Arbeit der vergangenen Monate zu sehen», sagte Maya Konforti von der Organisation Herberge der Flüchtlinge mit Blick auf die abgerissenen Hütten. «Diese Menschen wollen nach Grossbritannien. Sie werden hier nicht weggehen und ihre Lage wird jetzt noch prekärer, vor allem im Winter.»

Im Flüchtlingslager von Calais harren je nach Quelle 3700 bis 7000 Flüchtlinge aus. Das Lager ist den Behörden schon länger ein Dorn im Auge. Längerfristig wollen die Behörden alle Flüchtlinge in festen Unterkünften unterbringen.

SDA/thu

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