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China darf kein Vorbild sein

Hochgeschwindigkeitszüge sind keine Lösung für europäische Verkehrsprobleme.

Schnelle Züge sind schön und gut: Aber Europa braucht mehr, wenn es seine Verkehrsprobleme lösen will. Ein «Bullet Train» in der Nähe von Peking. Foto: Jiao Hongtao (AP)
Schnelle Züge sind schön und gut: Aber Europa braucht mehr, wenn es seine Verkehrsprobleme lösen will. Ein «Bullet Train» in der Nähe von Peking. Foto: Jiao Hongtao (AP)

Vom «Zugwunder», dem Netz der ­chinesischen Hochgeschwindigkeitsstrecken war am Montag in dieser Zeitung die Rede. Auch europäische Demokratien, hiess es, könnten das schaffen, wenn sie nur wollten. Aus technischer Sicht ist das sicher richtig, schliesslich basiert das chinesische Wunder auf europäischem Wissen und europäischem Erfindergeist. Aber der Bau eines solchen Hochgeschwindigkeitsnetzes kommt zu einem Preis, den Europa nicht zahlen sollte.

Da sind erst einmal die Baukosten, welche die ohnehin schwer verschuldeten Staatsbahnen noch mehr be­lasten würden. Die Folgen sehen wir in Frankreich, Italien oder in Deutschland: Abseits von ICE, TGV oder ­Frecciarossa sind viele Bahnstrecken entweder auf dem Niveau des 19. Jahrhunderts oder eingestellt. Pendler müssen das Auto benutzen, weil sie keine Alternative haben. Dass der Ausbau der Schiene ländliche Regionen noch mehr von den boomenden Städten abhängt, kann kein Ziel der europäischen Verkehrspolitik sein.

Ein einheitliches Ticketsystem ist wichtiger als blosse Geschwindigkeit.

Zudem könnten schnurgerade durch die Landschaft führende Hochleistungsstrecken nur gegen den starken Widerstand von Anrainern errichtet werden. Wer diesen Widerstand schnell brechen will, müsste Proteste verbieten, rechtliche Einsprüche verhindern. Auch die Aufweichung des Rechtsstaates ist kein Weg, den Europa gehen sollte.

Über eine weitere Schattenseite der chinesischen Hochgeschwindigkeitszüge schrieb unlängst die NZZ: Weil Ausbauten im übrigen Netz ver­nachlässigt wurden, ging der Anteil der Schiene im Güterverkehr in den vergangenen 15 Jahren von 50 auf 17 Prozent zurück. Güter auf die Strasse? Auch deshalb darf Europa nicht der chinesischen Eisenbahnpolitik folgen. Wir brauchen eine andere Strategie.

Es stimmt: Knapp fünf Stunden von Zürich nach München sind inakzeptabel. Aber immerhin wird die Strecke jetzt so ausgebaut, dass sie mit der Strasse konkurrenzfähig wird, auch ohne Tempo 350. Viele europäische Städte sind genau eine Nachtzugfahrt voneinander entfernt. Die Bahnen müssten nur komfortable Wagen anschaffen, mit Abteilen, in denen man wirklich schlafen kann. Vor allem aber: Wir brauchen ein einheitliches, einfach zu bedienendes Ticketsystem für den ganzen Kontinent. Das wäre viel wichtiger als superschnelle Züge.

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