Couscous-Gate und Zerwürfnis mit Le Pen

Eklat beim Front National: Vizechef Florian Philippot macht einen Abgang. Der FN schlittert in eine schwere Krise.

«Ich will nicht Vizevorsitzender für nichts sein»: Florian Philippot, bisher stellvertretender FN-Chef.

«Ich will nicht Vizevorsitzender für nichts sein»: Florian Philippot, bisher stellvertretender FN-Chef. Bild: Keystone

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Florian Philippot galt als klügster Kopf im Front National (FN). Er war der Stratege und Ideengeber der rechtspopulistischen Partei von Marine Le Pen. Nach einem Führungsstreit mit der Chefin hat Philippot heute das Handtuch geworfen. Le Pen hatte ihrem langjährigen Vertrauten am Mittwoch die Zuständigkeit für Strategie und Kommunikation entzogen. «Ich hätte Vizepräsident für nichts sein sollen», klagte Philippot in einem Interview. Es habe ihm noch nie gefallen, «nichts zu tun».

Vordergründig drehte sich der Streit mit FN-Chefin Le Pen um eine politische Vereinigung namens «Die Patrioten», die Philippot nach der Präsidentschaftswahl im Mai gegründet hatte. Le Pen forderte den 35-jährigen FN-Vize zuletzt wiederholt auf, den Vorsitz über diese Vereinigung aufzugeben und sich auf seine Aufgaben in der Partei zu konzentrieren. Kritiker warfen Philippot vor, «Les Patriotes» als Machthebel in den parteiinternen Streitigkeiten im Front National einsetzen zu wollen.

Streit um Anti-EU- und Anti-Euro-Kurs

Philippot wies dies zurück und verteidigte «Die Patrioten» als Beitrag zu den Debatten über eine von Le Pen angestossene «Neugründung» des Front National. Er beobachte beim FN «eine furchtbare Rückkehr nach hinten», sagte nun Philippot bei seinem Abgang. «Der FN wird von seinen alten Dämonen eingeholt.» Der Streit um seine Vereinigung «Die Patrioten» sei nur ein «Vorwand», um ihn aus der Partei zu drängen.

Die Wurzeln des Konflikts zwischen Philippot und Le Pen liegen tiefer. Philippot setzte auf soziale Themen, Wirtschaftsprotektionismus und einen entschiedenen Anti-EU- und Anti-Euro-Kurs. Er stand damit im Gegensatz zum traditionellen FN-Flügel, für den der Kampf gegen Einwanderung und «Islamismus» oberste Priorität hat und der eher wirtschaftsliberal gesinnt ist. Nachdem Le Pen im Frühjahr mit einem scharfen Anti-Euro-Kurs bei der Präsidentschaftswahl gescheitert war, wurde Philippot dafür mitverantwortlich gemacht. Zuletzt schien der traditionelle FN-Flügel in der Partei wieder die Oberhand zu gewinnen – gegen den Willen von Philippot.

Kritik: Wer Couscous isst, ist kein Patriot

Dass es im Front National rumpelt, zeigte sich auch vor einigen Tagen – aus eher lapidaren Gründen. Philippot war am 13. September mit Parteifreunden in einem Strassburger Restaurant eingekehrt, um dort Couscous zu essen. Das Foto von der fröhlichen Runde, die «das beste Couscous Strassburgs» lobte, machte in den sozialen Netzwerken die Runde. Das brachte vor allem den identitären Flügel des FN auf. In den französischen Medien war bald vom Couscous-Gate von Philippot die Rede.

In den sozialen Netzwerken wurde Philippot von FN-Anhängern vorgehalten, er sei «kein Patriot», weil er Couscous esse. Dass sich der Vizechef des Front National ausgerechnet an einem nordafrikanischen Gericht erfreue, sei eine Provokation, hiess es weiter. Philippot rechtfertigte sich damit, dass «Couscous» von vertriebenen französischen Siedlern aus Algerien in Frankreich eingeführt worden sei. Dass er dann Kritiker als Idioten bezeichnete, brachte Philippot noch mehr in die Bredouille. Mit seinem Abgang bereitet er nun dem FN grosse Schwierigkeiten. Die Rechtspopulisten um Le Pen schlittern immer tiefer in eine Krise.

Erstellt: 21.09.2017, 20:46 Uhr

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