D-Day-Gedenkfeier: Furcht vor einem Trump-Eklat

Bereits Barack Obama zog am D-Day-Jahrestag Kritik auf sich. Nun wird ein Twitter-Sturm des US-Präsidenten erwartet.

«Viele meiner Freunde sind ums Leben gekommen»: US-Veteran Charles Shay (Mitte) an einer D-Day-Veranstaltung in Colleville-sur-Mer. Bild: Getty

«Viele meiner Freunde sind ums Leben gekommen»: US-Veteran Charles Shay (Mitte) an einer D-Day-Veranstaltung in Colleville-sur-Mer. Bild: Getty

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Es war ein Militäreinsatz, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hatte: «Der Horizont war nicht mehr zu sehen, das ganze Meer war voller Schiffe», erinnert sich der französische Veteran Georges Ménage an den D-Day. Der heute 97-Jährige war einer von mehr als 150'000 Soldaten, die am 6. Juni 1944 in der Normandie landeten.

Zum 75. Jahrestag wird am Mittwoch und Donnerstag mit Festakten in Grossbritannien und Frankreich an die Alliierten-Landung erinnert. Alle Augen richten sich auf US-Präsident Donald Trump, der unter den Verbündeten für Zwietracht sorgt. Mit Grausen erinnert sich der US-Veteran Charles Norman Shay an die blutigen Schlachten in der Normandie. «Viele meiner Freunde sind ums Leben gekommen», sagt der fast 95-Jährige.

Schon 1943 hatten die Führer der USA, der Sowjetunion und Grossbritanniens - Franklin D. Roosevelt, Joseph Stalin und Winston Churchill - eine Landung in Nordfrankreich beschlossen, um eine neue Front im Kampf gegen Hitler-Deutschland zu eröffnen. Monatelang wurde der von US-General Dwight D. Eisenhower befehligte gigantische Militäreinsatz «Overlord» vorbereitet.

«Ok, let's go»

In den frühen Morgenstunden des 5. Juni gab Eisenhower dann mit seinem berühmten «Ok, let's go» grünes Licht. Mehr als 130'000 Soldaten aus den USA, Kanada und Grossbritannien landeten an fünf Stränden in Nordfrankreich, denen sie die Codenamen Utah, Omaha, Gold, Juno und Sword gaben, gut 20'000 weitere Soldaten sprangen mit Fallschirmen über der Region ab.

Die Gegenwehr der Deutschen fiel heftig aus: Am Ende des «längsten Tags» waren mehr als 3000 alliierte Soldaten tot. Doch der Einsatz gelang und sollte massgeblich zur Niederlage von Nazi-Deutschland beitragen.

Wie bereits zum 70. Jahrestag des D-Days vor fünf Jahren nimmt die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU) an den Gedenkfeiern teil. Sie wird dazu in der südenglischen Hafenstadt Portsmouth erwartet, wo sie unter anderem auf Queen Elizabeth II., Premierministerin Theresa May und Trump trifft.

In Portsmouth besteigen rund 300 britische Veteranen mit ihren Familien ein Schiff und landen in den Morgenstunden des 6. Juni in der Normandie - wie zehntausende Soldaten vor 75 Jahren. Trump und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron leiten dann die zentrale Gedenkfeier auf dem US-Soldatenfriedhof im nordfranzösischen Colleville-sur-Mer.

«Es macht mich fassungslos»

Anders als 2014, als das Gedenken im Schatten der Ukraine-Krise stand, nimmt Russlands Präsident Putin diesmal nicht teil. Auch deshalb dürften sich alle Augen auf den US-Präsidenten richten.

Während Barack Obama vor fünf Jahren noch Kritik auf sich zog, weil ihn das Fernsehen Kaugummi kauend bei der D-Day-Zeremonie zeigte, erwartet François Heisbourg vom International Institute for Strategic Studies (IISS) in London einen möglichen Eklat: «Alle warten nervös auf den Twitter-Sturm von Donald Trump», sagt Heisbourg. Denn kein US-Präsident seit dem Zweiten Weltkrieg entzweit die Gemüter so wie Trump - nicht nur durch seine Handels- und Klimapolitik.

Auch der französische Veteran Georges Ménage sieht den Populismus à la Trump mit Unbehagen, der sich auch in Europa ausbreitet: «Es macht mich fassungslos», sagt der frühere Marinesoldat. «Vielleicht haben wir nicht genug über die 30er Jahre gesprochen.» (sda/red)

Erstellt: 04.06.2019, 09:21 Uhr

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