«Der Mörder ist immer noch unterwegs»

Ein Jahr nach dem Angriff auf Charlie Hebdo erscheint eine Sonderausgabe. Darin verteidigt der Herausgeber die Mohammed-Karikaturen – und provoziert wieder.


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Das aktuelle Titelblatt der französischen Satirezeitschrift «Charlie Hebdo» provoziert. Die Karikatur zeigt Gott mit einer Kalaschnikow über seiner Schulter, schreibt «Le Matin». Der Text dazu: «Ein Jahr danach ist der Mörder immer noch unterwegs».

Im Vorwort des Sonderheftes, das ein Jahr nach dem Attentat erscheint, verteidigt der Herausgeber Laurent Sourisseau, auch «Riss» genannt, die Religionsfreiheit in Frankreich. Er verurteilt die vom Koran abgestumpften Fanatiker, die gehofft hatten, das Magazin werde eingehen, weil es gewagt habe, sich über Religiösität lustig zu machen. «2006, als ‹Charlie› die Mohammed-Karikaturen veröffentlichte, glaubte niemand daran, dass das eines Tages mit Gewalt enden würde», schreibt «Riss», der beim Angriff schwer verletzt wurde. «Frankreich war ein säkularer, weltlicher Ort, wo es möglich war zu blödeln, zu zeichnen und sich zu amüsieren, ohne sich um Dogmen kümmern zu müssen.»

Sonderheft würdigt getötete Karikaturisten

Beim Angriff am 7. Januar 2015 starben zwölf Menschen, darunter neun aus der Redaktion. Die Brüder Chérif und Said Kouachi schossen an der Redaktionssitzung im Namen der Terrorgruppe al-Qaida um sich. Nach zwei Tagen auf der Flucht wurden sie am Ende einer Geiselnahme in der Druckerei in Dammartin-en-Goële getötet.

Bekannte Karikaturisten wie Stéphane Charbonnier (Charb), Jean Cabut (Cabu), Philippe Honoré oder Georges Wolinski zählen zu den Opfern. Im Sonderheft werden auch ihre Karikaturen zu sehen sein. Ausserdem liefern Prominente wie Isabelle Adjani, Charlotte Gainsbourg, Juliette Binoche oder der amerikanische Autor Russel Banks Beiträge. Eine Million Exemplare werden gedruckt, Zehntausende davon für den Verkauf im Ausland.

(ij)

Erstellt: 04.01.2016, 10:30 Uhr

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