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Das Ende des Attentäters von Strassburg

Nach 50-stündiger Flucht starb Chérif C. im Kugelhagel der Polizei. So kam sie ihm auf die Spur.

Unterstützung für C. C.: Ende Januar 2019 meldet die französische Polizei, dass sie im Zusammenhang mit dem Attentat von Strassburg fünf Personen festgenommen habe.
Unterstützung für C. C.: Ende Januar 2019 meldet die französische Polizei, dass sie im Zusammenhang mit dem Attentat von Strassburg fünf Personen festgenommen habe.
Patrick Hertzog, AFP
Die französische Polizei hat den mutmasslichen Attentäter von Strassburg erschossen.  (13. Dezember 2018)
Die französische Polizei hat den mutmasslichen Attentäter von Strassburg erschossen. (13. Dezember 2018)
Christian Hartmann, Reuters
Die Pariser Anti-Terror-Staatsanwaltschaft leitete noch am Abend eine Untersuchung ein.
Die Pariser Anti-Terror-Staatsanwaltschaft leitete noch am Abend eine Untersuchung ein.
Vincent Kessler, Reuters
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Es waren Hinweise aus der Bevölkerung, die die Polizei auf die Spur von Chérif C. brachten, der am Dienstagabend ein Blutbad beim Strassburger Weihnachtsmarkt angerichtet hatte. Die Hinweise gingen am Donnerstagnachmittag bei der Polizei ein.

Eine Frau berichtete, dass sie im Stadtteil Neudorf einem geschwächt wirkenden Mann mit bleichem Gesicht begegnet sei. Danach alarmierte sie die Polizei, weil sie dessen Armverletzung bemerkte, die sich Chérif C. bei einem Schusswechsel mit der Polizei nach dem Anschlag zugezogen hatte. Weitere Hinweise von zwei Männern brachten die Fahndung entscheidend voran. Sie sahen, wie ein verdächtiger Mann über Zäune gestiegen war. Die Polizei kreiste den möglichen Aufenthaltsort des Gesuchten ein.

Einheiten der Spezialpolizeien Raid und BST durchkämmten das ganze Quartier Neudorf. Helikopter kreisten über den Stadtteil der elsässischen Hauptstadt. Gegen 21 Uhr war es ein Polizeiauto mit drei Beamten, das einen verdächtigen Mann ausmachte. Zunächst fuhren sie an Chérif C. vorbei, umgehend kehrten sie aber zurück. An der Rue de Lazaret, einer Strasse im Strassburger Stadtteil Neudorf, sprachen die Polizisten den Mann an. Die Konfrontation soll nur wenige Sekunden gedauert haben.

Chérif C. eröffnet das Feuer

Gemäss späteren Berichten von Polizei und Staatsanwaltschaft hatte der Verdächtige versucht, ein Haus zu betreten, kam aber nicht hinein, weil die Tür geschlossen war. Nachdem er von einem Polizisten angesprochen wurde («Guten Abend, Polizei»), soll sich Chérif C. umgedreht und sofort mit einem Revolver das Feuer eröffnet haben. Zwei Polizisten schossen mehrmals zurück: Chérif C. starb im Kugelhagel. An einem Ort, der sich nur wenige Hundert Meter von seinem Elternhaus entfernt befindet.

Ein Augenzeuge sagte der Nachrichtenagentur AFP, er habe maskierte Polizisten rennen sehen. «Dann hat man Schüsse gehört, peng peng peng.» Dutzende Polizeifahrzeuge eilten zu dem Ort, die Gegend wurde weiträumig abgesperrt. Einige Anwohner jubelten den Polizisten zu und riefen «Bravo!» Noch am späten Donnerstagabend bestätigten die Behörden die Identität des getöteten Mannes.

Angeblich 14 Schüsse der Polizei

Gemäss einem Bericht von «Bild»-Reportern, die vor Ort gewesen sein sollen, gaben die Polizisten mindestens 14 Schüsse ab – eine Information, für die es vorerst keine offizielle Bestätigung gab. Die Polizisten waren Angehörige der Spezialeinheit BST (brigade spécialisée de terrain). Schon wenige Minuten nach dem Tod des Attentäters vom Weihnachtsmarkt kursierten erste Videos und Fotos, auf denen die Leiche von Chérif C. zu sehen war, halb auf dem Trottoir und halb im Hauseingang liegend. Gemäss Medienberichten hatte er auch ein Messer auf sich getragen. Bei der Fahndung waren in Frankreich und Deutschland mehr als 800 Sicherheitskräfte beteiligt.

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Video: Polizei erschiesst Attentäter von Strassburg

Die Situation an der Rue de Lazaret in Strassburg nach der Erschiessung von Chérif C. (Video: AFP/AP/Webvideo Tamedia)

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Nach dem Tod des Attentäters suchen die Ermittler nach möglichen Mittätern und Komplizen. Es gehe bei der Fahndung auch um Verdächtige, die Chérif C. bei der Vorbereitung des tödlichen Angriffs in Strassburg unterstützten oder ermutigten, sagte der Pariser Antiterror-Staatsanwalt Rémy Heitz. Bislang wurden laut Heitz sieben Personen in Polizeigewahrsam genommen. Dabei handle es sich um vier Angehörige von Chérif C. sowie um drei Personen aus dessen persönlichem Umfeld. Laut Medienberichten soll ein älterer Bruder ein polizeibekannter Gefährder sein.

Weihnachtsmarkt wieder eröffnet

Der seit dem Attentat geschlossene Strassburger Weihnachtsmarkt, der jährlich rund zwei Millionen Besucher anzieht, ist am Freitagmittag wiedereröffnet worden. Die Menschen in Strassburg wollten wieder zum Alltag zurückkehren, sagte Bürgermeister Roland Ries. Die Wiedereröffnung des Weihnachtsmarktes werde das «erleichtern». «Ich hoffe, dass das Leben jetzt wieder zur Normalität zurückkehrt. Aber ich bin da nicht so sicher», sagte ein Händler. «Das Geschäft wird nicht mehr so sein, wie es war.» Der Terroranschlag riss vier Menschen aus dem Leben, ein weiteres Opfer ist hirntot.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte den Anschlag kurz nach dem Tod C.s für sich. Der 29-Jährige sei einer ihrer «Soldaten» gewesen und dem Aufruf gefolgt, Bürger aus Mitgliedstaaten der Anti-IS-Koalition in Syrien und im Irak anzugreifen. Frankreichs Innenminister Christophe Castaner äusserte jedoch erhebliche Bedenken an dem Bekenntnis. «Nichts deutet darauf hin, dass er in einem Netzwerk integriert war, nichts deutet darauf hin, dass er in diesem Rahmen besonderen Schutz erhielt.» Die Untersuchungen seien allerdings noch im Gang.

Artikel mit Material der Nachrichtenagentur SDA.

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