Zum Hauptinhalt springen

Das «Griechenland Italiens» wehrt sich gegen Mario Monti

Sizilien gilt als hoch verschuldetes Armenhaus Italiens. Ministerpräsident Mario Monti fordert dringende Massnahmen und den Rücktritt des Gouverneurs. Dieser dreht nun aber den Spiess um.

Hier haben die Griechen ihre Spuren hinterlassen: Tempel ehemaliger Kolonialisten im sizilianischen Selinunte. (Archivbild)
Hier haben die Griechen ihre Spuren hinterlassen: Tempel ehemaliger Kolonialisten im sizilianischen Selinunte. (Archivbild)
Keystone

Mario Monti verlieh gestern seiner Besorgnis über die Finanzkrise Ausdruck: Speziell Sizilien stehe nicht gut da. Nach einer Einschätzung der italienischen Regierung stehe der südliche Zipfel des Landes kurz vor dem finanziellen Kollaps. Es gebe deutliche Anzeichen für eine Pleite der Region, sagte Ministerpräsident Mario Monti gestern in Rom.

Für die Finanzkrise der Insel macht Monti die lokalen Behörden verantwortlich. Monti erklärte, er erwarte von Gouverneur Raffaele Lombardo eine Bestätigung, dass dieser bis zum Monatsende zurücktrete. Der Gouverneur hat indes reagiert und Befürchtungen zurückgewiesen, die autonome Region könne Bankrott gehen. Es gebe lediglich ein «Liquiditätsproblem aufgrund der Rezession im Rest des Landes», sagte Raffaele Lombardo am Mittwoch in Palermo.

Der Gouverneur relativiert

«Wir haben vielleicht fünf Milliarden Euro Schulden, aber das Land Italien hat zwei Billionen Euro Schulden.» Ausserdem schulde die Regierung in Rom Sizilien eine Milliarde Euro. «Mit diesem Geld hätten wir keine Liquiditätsprobleme», sagte Lombardo.

Mario Monti hatte Lombardo in einem Brief aufgefordert, nochmals zu bestätigen, dass er wie Mitte Mai angekündigt Ende Juli zurücktrete. Am kommenden Dienstag wird Lombardo sich mit Monti treffen.

Hohe Beamtenlöhne

Italienische Medien haben Sizilien «Griechenland Italiens» getauft, unter anderem, weil auf der Insel die landesweit höchsten Beamtengehälter gezahlt werden - bis zu 17'000 Euro im Monat. Lombardo war in der Vergangenheit immer wieder in Skandale verwickelt, unter anderem soll er Beamtenposten verteilt haben, um sich Wählerstimmen zu sichern. Auch wurde ihm eine Nähe zur Mafia nachgesagt.

Für die angeschlagenen italienischen Finanzen dürfte die Misere der Insel aber keine weitere Bedrohung darstellen. Die Ratingagentur Fitch erklärte, es gebe kein unmittelbares Risiko, dass die Inselregierung ihren Verpflichtungen nicht nachkommen könnte. Die Bonitätswächter bewerten Sizilien mit BBB und damit eine Stufe schlechter als die Regierung in Rom.

Neue Beamtenstellen wurden geschaffen

Die ungewöhnliche Intervention Montis unterstreicht jedoch die Schwere der finanziellen Probleme Siziliens, wo rund 5,5 Prozent des italienischen Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet werden. Die autonome Region gilt als Armenhaus des Euro-Landes und hat nach Einschätzung von Kritikern einen aufgeblähten Verwaltungsapparat.

Trotz einer Verschuldung von rund 5,3 Milliarden Euro wurde die Zahl der Angestellten im öffentlichen Dienst 2011 noch einmal um mehr als 30 Prozent erhöht. Die Arbeitslosenquote Siziliens ist mit 19,5 Prozent doppelt so hoch wie der italienische Durchschnitt.

AFP/ dapd/mrs

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch