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Das nächste Lampedusa

In der kleinen sizilianischen Stadt Agrigent trafen in zwei Tagen 2000 Flüchtlinge aus Nordafrika ein. Caritas und Kirche leisten erste Hilfe. Doch in der Bevölkerung bangt man um die Sicherheit.

Haben eine gefährliche Überfahrt hinter sich: Flüchtlinge an Bord eines italienischen Marineschiffs. (11. April 2014)
Haben eine gefährliche Überfahrt hinter sich: Flüchtlinge an Bord eines italienischen Marineschiffs. (11. April 2014)
Keystone
Werden auf Sizilien medizinisch versorgt: Ein Boot der Küstenwache bringt Flüchtlinge in den Hafen von Pozzallo. (11. April 2014)
Werden auf Sizilien medizinisch versorgt: Ein Boot der Küstenwache bringt Flüchtlinge in den Hafen von Pozzallo. (11. April 2014)
Keystone
Zahlten Schlepperbanden bis zu 1000 Euro pro Kopf für die Überfahrt: Migranten auf einem Boot der italienischen Marine. (9. April 2014)
Zahlten Schlepperbanden bis zu 1000 Euro pro Kopf für die Überfahrt: Migranten auf einem Boot der italienischen Marine. (9. April 2014)
Keystone
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Die sizilianische Stadt Agrigent ist in den vergangenen Wochen zum neuen Lampedusa avanciert. Tausende Migranten sind in nur wenigen Tagen eingetroffen. Die 60'000-Einwohner-Stadt ist bei Touristen wegen ihres «Tal der Tempel» bekannt. Wegen des Einsatzes der italienischen Marine, die die Flüchtlingsboote vor Sizilien auffängt, gelangen die Auswanderer aus Nordafrika nicht mehr auf die Insel Lampedusa, sondern werden nach Porto Empedocle, dem Hafen Agrigents, umgeleitet.

Vergangene Woche sind in zwei Tagen über 2000 Migranten eingetroffen. Die meisten von ihnen stammen aus Somalia und Eritrea und können wegen des Kriegs in ihren Ländern den Flüchtlingsstatus beantragen.

Nach ihrem Eintreffen in Agrigent wandern die Migranten durch die Stadt auf der Suche nach Wegen, um Sizilien zu verlassen. Die meisten von ihnen wollen Angehörige in Norditalien, Deutschland oder Frankreich erreichen.

Einige Auswanderer berichteten, aus Libyen abgefahren zu sein und Schlepperbanden bis zu 1000 Euro pro Kopf für die Überfahrt nach Sizilien gezahlt zu haben. Die dreitägige Fahrt sei wegen des überfüllten Bootes und Wasser- und Lebensmittelmangels äusserst schwierig gewesen. Caritas und Kirche leisten Erste Hilfe. 500 Migranten, darunter mehrere Frauen und Kinder, wurden in den Räumlichkeiten einer Pfarrei untergebracht.

Einwohner bangen um Sicherheit

Die Bewohner der Stadt helfen, wo sie nur können, befürchten jedoch zugleich Auswirkungen der Migrantenwelle auf die öffentliche Gesundheit. Bei einigen Flüchtlingen wurden ansteckende Hautkrankheiten diagnostiziert, ein Somalier sei an Malaria erkrankt, berichteten italienische Medien.

Auch um die öffentliche Sicherheit bangen die Bewohner Agrigents. Hunderte Auswanderer halten sich auf den Strassen der Innenstadt auf, schlafen auf Bänken und versuchen, mit allen Mitteln das italienische Festland zu erreichen. Sieben Migranten, die kein Geld für die Reise nach Palermo hatten, stahlen einen Geländewagen und wurden dann unweit der sizilianischen Hauptstadt von der Polizei festgenommen.

Der Bürgermeister der an Agrigent grenzenden Hafenstadt Porto Empedocle, wo die Marineschiffe mit den geretteten Migranten landen, bittet die Regierung in Rom und die EU um Hilfe. «Wir können diese biblische Auswanderungswelle nicht allein meistern. Die Migrantenankünfte mehren sich von Tag zu Tag. Wir brauchen Unterstützung von den Institutionen», bat der Bürgermeister Calogero Firetto.

Hunderte Soldaten an Mission beteiligt

In wenigen Tagen sind vergangene Woche auf Sizilien 6500 Migranten eingetroffen. Laut dem italienischen Innenminister Angelino Alfano warten bereits 700'000 Flüchtlinge in libyschen Lagern auf die Abfahrt nach Europa.

Eine Flotte aus vier Schiffen der italienischen Marine patrouilliert zur Rettung der Flüchtlinge täglich das Mittelmeer vor Sizilien. 920 Militärangehörige beteiligen sich an der Mission. Die Resultate sind beachtenswert: 19'000 Migranten sind seit Beginn des Einsatzes am 18. Oktober gerettet worden. Seit Oktober musste die Marine 117-mal ausrücken, um Menschen in Seenot in Sicherheit zu bringen.

Die Mission «Mare Nostrum» hatte im Oktober nach zwei Schiffsunglücken vor Lampedusa mit mehr als 360 Toten begonnen. Der Einsatz kostet den italienischen Staat neun Millionen Euro pro Monat. Die Marine fordert zusätzliche Finanzierungen für Treibstoff, die Erneuerung der Flotte und Ersatzteile für die Schiffe.

Ausserdem drängt Italien seitens der EU auf mehr Hilfe im Umgang mit dem Flüchtlingsproblem. «Die Migration über das Mittelmeer ist ein Massenphänomen, um das sich auch die EU kümmern müsste», betonte der Admiral der italienischen Marine, Giuseppe De Giorgi.

SDA/kpn

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