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Das Schweizer Phantom

In Österreich steht der Vermögensberater Norbert Wicki vor Gericht.

Vor Gericht tritt er so auf, wie sich Österreicher einen Schweizer Vermögensberater vorstellen: Anzug, Stecktuch, das Haar nach hinten gekämmt: Norbert Wicki.
Vor Gericht tritt er so auf, wie sich Österreicher einen Schweizer Vermögensberater vorstellen: Anzug, Stecktuch, das Haar nach hinten gekämmt: Norbert Wicki.
Helmut Fohringer

Staatsbürgerschaft: Schweiz. Beruf: Vermögensberater. Alter: 52 Jahre. Viel mehr war vor kurzem über Norbert Wicki nicht bekannt. Nicht einmal ein Foto konnten die Journalisten von dem gebürtigen Zürcher finden. Das ist nun anders, seit Wicki in Wien vor Gericht steht, gemeinsam mit 13 weiteren Angeklagten. Es ist der grösste Korruptionsprozess, den Österreich je gesehen hat. Acht Jahre lang hat die Staatsanwaltschaft ermittelt und daraus eine 825-seitige Anklage erstellt.

Hauptbeschuldigter ist der ehemalige Finanz­minister Karl-Heinz Grasser. Er und seine Freunde sollen bei der Privatisierung von Bundesimmobilien knapp 10 Millionen Euro Bestechungsgeld kassiert haben. Das Geld sei über Briefkastenfirmen auf Zypern, in der Schweiz und in Übersee gewaschen worden.

Norbert Wicki wird von der Staatsanwaltschaft der Geldwäscherei, der Begünstigung einer Straftat und der Fälschung von Beweismitteln beschuldigt. Es drohen ihm bis zu 10 Jahre Gefängnis. Er soll den damaligen Finanzminister Grasser zwecks Geldwäsche seine Firma Mandarin mit Sitz in Belize und ein Firmenkonto in Liechtenstein zur Verfügung gestellt haben. Ausserdem soll Wicki die Herkunft von Grassers Vermögen bewusst verschleiert und der Bank die Geschichte einer hohen Erbschaft seiner Mutter aufgetischt haben.

Als ihn die Richterin nach seinem Vermögen fragt, antwortet er: mittellos.

Wicki erklärt sich für unschuldig. Die Bekanntschaft mit der Familie Grasser streitet er aber nicht ab. Seit gut zwei Jahrzehnten berät er Grassers Frau Fiona Swarovski und deren in Zug lebende Mutter in Vermögensfragen. Fiona machte Wicki mit ihrem Mann bekannt, und laut Staatsanwaltschaft entwickelte sich daraus schnell ein «Vertrauensverhältnis».

Vor Gericht tritt Wicki so auf, wie sich Österreicher einen Schweizer Vermögensberater vorstellen: dunkelblauer Nadelstreif, weisses Stecktuch, das Haar nach hinten gekämmt. Doch als ihn die Richterin nach seinem Vermögen fragt, antwortet er: mittellos. Das lange Verfahren und die mediale Vorverurteilung hätten ihn seine Existenz gekostet. Auch sein Anwalt stellt den Schweizer Mandanten als Opfer der Ermittlungen dar und zitiert aus einem Mail Wickis: «Was habe ich damit zu tun? Ich bin weder Politiker noch sonst wie verfilzt.» Wicki habe sein Leben nun ausserhalb der Schweiz neu aufbauen müssen, sagt der Anwalt.

Sein modernes Appartement in Kilchberg gab der Vermögensberater tatsächlich auf. Als Wohnort gibt er vor Gericht die Hauptstadt Aserbeidschans an. Sein Anwalt hingegen sagt, Wicki sei aus den Vereinigten Arabischen Emiraten angereist. Dass er dorthin übersiedelte, bestätigen Eintragungen im Schweizer Handels­register. Lebt Wicki nun in Baku? Oder in Ras al- Khaimah? Oder doch noch in der Schweiz? Es ist ein weiteres Geheimnis, das der geheimnisvolle Vermögensberater für sich behält.

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