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Demonstranten fordern Referenden auch für die Ostukraine

In Lugansk im Osten der Ukraine haben prorussische Demonstranten den Gouverneurssitz gestürmt. Auch in Donezk wurde der Anschluss an Russland gefordert. In Kiew marschierten die Gegner auf.

Steigt die Gefahr? Eine Frau demonstriert in Kiew gegen einen möglichen Krieg. (23. März 2014)
Steigt die Gefahr? Eine Frau demonstriert in Kiew gegen einen möglichen Krieg. (23. März 2014)
Reuters
In Kiew fürchtet man, dass Russland die ganze Ukraine erobern will: Nicht gekennzeichnete Soldaten dringen mit einem Panzer auf die ukrainische Luftwaffenbasis in Belbek bei Sewastopol ein.
In Kiew fürchtet man, dass Russland die ganze Ukraine erobern will: Nicht gekennzeichnete Soldaten dringen mit einem Panzer auf die ukrainische Luftwaffenbasis in Belbek bei Sewastopol ein.
Shamil Zhumatov, Reuters
Gespenstische Szenen: Soldaten in Balaklawa auf der Krim. (1. März 2014)
Gespenstische Szenen: Soldaten in Balaklawa auf der Krim. (1. März 2014)
VIKTOR DRACHEV, AFP
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In der ostukrainischen Stadt Lugansk haben Tausende prorussische Aktivisten den Sitz der Gebietsregierung gestürmt und den Gouverneur abgesetzt. Demonstranten forderten ein Abspaltungsreferendum nach dem Vorbild der Krim. Sie seien in zahlreichen Bussen aus Russland über die nahe Grenze zu der Kundgebung gefahren, berichteten örtliche Medien.

Gouverneur Michail Bolotskych war erst vor einer Woche vom prowestlichen Interimspräsidenten Alexander Turtschinow eingesetzt worden. Nun verliess er den Verwaltungssitz unter wüsten Beschimpfungen. Auf dem Dach hissten Aktivisten die russische Fahne. Die Menge vor dem Gebäude sang die russische Nationalhymne.

Auch in der östlichen Grossstadt Donezk, einer Hochburg des gestürzten Präsidenten Viktor Janukowitsch, forderten Tausende Demonstranten ein Referendum über einen Beitritt zu Russland. Zudem blockierten sie eine Kundgebung für die ukrainische Einheit, bei der auch der Politiker und Ex-Boxweltmeister Witali Klitschko sprechen sollte.

Chodorkowski an Demonstration gegen Abspaltung

Eine Woche vor dem Krim-Referendum sind die Fronten verhärtet. Trotz erhöhter russischer Militärpräsenz auf der Krim gibt sich die neue ukrainische Führung kämpferisch. «Dies ist unser Land» sagte Ministerpräsident Arseni Jazenjuk am Sonntag vor Zehntausenden Anhängern in der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Zeitgleich demonstrierten rund 4000 Menschen auf der Krim für einen Anschluss an Russland, über den die Bewohner der Schwarzmeerregion am kommenden Sonntag abstimmen sollen.

«Unsere Väter und Grossväter haben ihr Blut für dieses Land vergossen», rief Jazenjuk der Menge zu. «Wir werden keinen einzigen Zentimeter zurückweichen. Lasst Russland und seinen Präsidenten das wissen.» Nach einer ausserordentlichen Sitzung seines Kabinetts kündigte Jazenjuk an, dass er am Mittwoch zu einem Gespräch mit Präsident Barack Obama in die USA reisen werde.

Zu den Menschen in Kiew sprach auf der bis vor kurzem inhaftierte ehemalige russische Geschäftsmann Michail Chodorkowski, der Ende 2013 überraschend begnadigt worden war. «Ich will, dass ihr wisst, dass es ein komplett anderes Russland gibt», sagte Chodorkowski.

«Wir kehren zurück zu unserem Vaterland»

In der Regionalhauptstadt der Krim, Simferopol, demonstrierten Tausende Menschen für eine Zugehörigkeit zu Russland. Auf dem Lenin-Platz spielte eine Band Lieder aus dem Zweiten Weltkrieg, einige betagte Frauen stimmten mit ein, Dutzende russische Flaggen wehten im Wind.

«Die Russen sind unsere Brüder, wir kehren zurück zu unserem Vaterland», rief Parlamentspräsident Wladimir Konstantinow der Menge zu. «Russland! Russland!», schallten Sprechchöre über den Platz. Etwa 500 Gegendemonstranten protestierten einige Strassen weiter für einen Verbleib der Krim in der Ukraine. Auseinandersetzungen blieben aus.

In Sewastopol auf der Krim kam es am Sonntag zu Zusammenstössen zwischen Anhängern Moskaus und Unterstützern der neuen Regierung in Kiew. Rund hundert Menschen mit Knüppeln attackierten mehrere Ordnungskräfte. Diese beschützten eine Kundgebung zum 200. Jahrestag des Geburtstags des ukrainischen Nationalhelden Taras Schewtschenko. Einige der Angreifer waren vermummt und trugen schusssichere Westen. Die Angreifer zerstörten ein Auto und blockierten die Ordnungskräfte, zunächst war aber unklar, ob es Verletzte gab. Zu der Kundgebung für Schewtschenko kamen rund 200 Menschen.

Russische Trupen behindern OSZE-Beobachter

Russland untermauerte seine Ansprüche auf die Krim erneut mit Truppenbewegungen. Reporter der Nachrichtenagentur AP beobachteten einen Konvoi mit Dutzenden Militärfahrzeugen, die schwer bewaffnete Soldaten ohne Abzeichen transportierten.

Wladislaw Selesnjow, ein Sprecher der ukrainischen Streitkräfte auf der Krim, bestätigte die Bewegung eines Konvois mit 60 Fahrzeugen von Feodosja nach Simferopol. «Weder die Ausrüstung noch die Bewaffneten tragen Abzeichen, die sie als Russen ausweisen, aber wir haben keine Zweifel an ihrer Gefolgschaft», sagte er. Augenzeugen hätten ihm von amphibischen Landungsschiffen berichtet, die in der Nacht zum Samstag etwa 200 Militärfahrzeuge auf die Krim gebracht hätten.

Prorussische Einheiten hinderten zudem Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa an der Einreise in das Krisengebiet. Die aus Militäroffizieren bestehende OSZE-Delegation sei an der Grenze im Norden der Halbinsel gestoppt worden, berichtete ein AP-Reporter vor Ort.

Putin telefoniert mit Merkel und Cameron

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der britische Premierminister David Cameron telefonierten am Sonntag mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin. Dieser verteidigte seine Haltung in dem Konflikt sowie das international kritisierte Referendum entschieden. Der Volksentscheid entspreche den Regeln des Völkerrechts, sagte Putin nach Angaben des Kremls.

Der Westen wirft Russland vor, mit seiner Besetzung der Krim das Völkerrecht zu verletzen. Auch das für den 16. März angesetzte Referendum über eine Abspaltung der Halbinsel von der Ukraine und einen Eintritt in die Russische Föderation lehnen USA und EU als verfassungswidrig ab. Sie fordern, dass die neue Regierung in Kiew in alle Entscheidungen über die Zukunft der Ukraine eingebunden werden müsse. Russische Abgeordnete hatten bereits angekündigt, sie würden einen Beitritt der Region zu Russland unterstützen.

SDA/rub/kpn

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