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Den Ehec-Fahndern läuft die Zeit davon

Das grassierende Darm-Bakterium verändert den Alltag der Menschen und verursacht Millionenschäden. Doch es wird immer wahrscheinlicher, dass die Quelle der Darm-Epidemie für immer unentdeckt bleibt.

Weiter herrscht Unklarheit: Experten des Robert-Koch-Instituts untersuchen auf einem Bauernhof in Bienenbüttel das Gelände. (7. Juni 2011)
Weiter herrscht Unklarheit: Experten des Robert-Koch-Instituts untersuchen auf einem Bauernhof in Bienenbüttel das Gelände. (7. Juni 2011)
Keystone

In Deutschland ist die Zahl der an den Folgen des Darmerregers gestorbenen Personen laut dem Sozialministerium in Hannover auf 24 gestiegen. Die Zahl der Ehec-Erkrankungen insgesamt erhöhte sich den Angaben zufolge in Niedersachsen gegenüber dem Vortag um 31 auf 534. Entwarnung könne nicht gegeben werden. Aber momentan gebe es einen geringeren Anstieg von Neuinfektionen als in der vergangenen Woche, sagte ein Ministeriumssprecher. Der Ursprung des Erregers ist weiterhin unbekannt.

Die Zeit zur Ermittlung der Quelle der jüngsten Ehec-Welle wird nach Ansicht eines WHO-Experten zunehmend knapp. «Wenn wir den Ursprung nicht innerhalb einer Woche gefunden haben, dann werden wir möglicherweise nie herausfinden, wie es zu dem Ausbruch kam», sagte Guenael Rodier. Das mit dem gefährlichen Erreger belastete Gemüse sei vermutlich bereits vom Markt verschwunden, sagte Rodier weiter. Für die deutschen Behörden werde es daher sehr schwer, betroffene Patienten mehrere Wochen nach der ersten Infektion noch mit bestimmten Produkten in Verbindung zu bringen. Als Quelle des Erregers waren zunächst Gurken aus Spanien und später Sprossen angegeben worden. In beiden Fällen konnte der Verdacht jedoch nicht bestätigt werden.

Ehec verändert Essgewohnheiten

Fast die Hälfte der Deutschen hat einer Studie zufolge ihr Konsum- und Essverhalten wegen der grassierenden Ehec-Epidemie geändert. Die meisten von ihnen reinigen laut einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Düsseldorfer Agentur Ketchum Pleon Obst und Gemüse gründlicher als zuvor. Von den Befragten, die ihr Verhalten geändert haben, gaben sogar drei Viertel an, rohes Gemüse komplett vom Speiseplan gestrichen zu haben. Wer nicht komplett auf rohes Gemüse verzichtet, der achtet der Studie zufolge zumindest verstärkt auf die Herkunft der Ware.

Allerdings scheint auch die vorsichtigere Hälfte der Deutschen keine dauerhaften Konsequenzen aus Fällen wie Ehec oder Schweinegrippe zu ziehen. So zeigt die Umfrage, dass etwa ein Drittel der Befragten ihr Verhalten nur so lange ändern, bis die Gefahr vorüber ist. Lediglich 14 Prozent ändern dauerhaft etwas an ihren Gewohnheiten. Geschlecht und Alter scheinen überdies einen Einfluss auf den Umgang mit dem EHEC-Ausbruch zu haben. Während mehr als die Hälfte der befragten Frauen angab, ihr Verhalten geändert zu haben, war es bei den Männern gerade einmal ein Drittel. Auch scheinen sich Menschen bis zu einem Alter von 30 Jahren durchschnittlich deutlich weniger Gedanken darüber zu machen als ältere Generationen. Für die Studie wurden am 3. und 4. Juni mehr als 1.000 Personen befragt.

Epidemie kostet Millionen – nicht nur bei Landwirten

Die Ehec-Epidemie verursacht deutschlandweit Millionen-Kosten. So beklagen nicht nur Landwirte und Gemüsegärtner massive Verluste, auch die Krankenhäuser rechnen mit starken Zusatzausgaben. Versicherungsgesellschaften können nach eigenen Angaben die Extrakosten derzeit noch nicht abschätzen.

Allein die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) erwartet Mehrkosten im mehrstelligen Millionenbereich. Vor allem im Norddeutschland rechne er mit zusätzlichen Ausgaben von mehreren 100’000 Euro pro Krankenhaus, sagte DKG-Sprecher Moritz Quiske. In Hamburg und Bremen betreuten aktuell 17 Krankenhäuser Ehec-Fälle. Die zusätzlichen Kosten entstünden vor allem im Personalbereich, durch Ausgaben für die Separation und den Austausch von Blutplasma und die Isolation von Verdachtsfällen. Zudem seien die Kliniken gesetzlich verpflichtet, bei einem starken Anstieg der Fallzahlen den Krankenkassen einen Rabatt pro Patient zu gewähren.

Auf der Erzeugerseite schätzt der Deutsche Bauernverband (DBV), dass den Landwirten durch den Ernteausfall täglich bis zu fünf Millionen Euro Einnahmen entgehen. Insgesamt beliefen sich die Einbussen bereits auf über 50 Millionen Euro. Die besonders betroffenen Gemüse-Gärtner müssen nach Aussage des Zentralverbands Gartenbau auch für die Entsorgung des Gemüses und teilweise für Tests ihrer Ernte auf den EHEC-Erreger aufkommen. Nach Angaben des Pharmaunternehmens Merck kosten 25 ihrer Schnelltests 500 Euro. Auch Schweizer Gemüsebauern haben angekündigt, dass sie sich ihre Ertragsausfälle vom Bund entschädigen lassen wollen.

sda/dapd/ami

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