Der Antanz-Trick

In der Kölner Nacht der Exzesse wurden Frauen begrapscht, beschimpft und bestohlen – dabei spielte eine perfide Diebesmasche mit.

So funktioniert der Antanz-Trick: Hier wird ein junger Mann Opfer von Trickdieben. (Quelle: Polizeivideo Düsseldorf, Juni 2015)


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Die Täter geben sich bestens gelaunt und wollen scheinbar nur mit fremden Menschen feiern. Sie tänzeln um ihre Opfer, umarmen diese, suchen den Körperkontakt, bringen die Opfer aus dem Gleichgewicht. Und dann verrichten die Trickdiebe ihr kriminelles Werk: Sie entwenden Portemonnaies, Handys oder andere Wertsachen von den Fremden, die sie angeblich zum gemeinsamen Spass angetänzelt hatten. Die Antanz-Diebe sind Profis: Sie gehen so gewieft vor, dass die Opfer meistens nicht bemerken, dass sie beim «Rumshaken» bestohlen werden.

Eine Rolle spielte der Antanz-Trick auch bei den sexuellen Übergriffen auf Frauen in der Neujahrsnacht am Kölner Hauptbahnhof. Der Polizei zufolge gab es viele Fälle, bei denen die Täter gezielt Frauen anfassten, um vom eigentlichen Diebstahl abzulenken. Bei einem Teil der Überfälle wurden Frauen aber gleichzeitig Opfer von sexuellen Übergriffen. Schliesslich gab es Fälle, bei denen Frauen ausschliesslich Opfer eines Sexualdelikts wurden. Die Rede ist von Dutzenden Fällen von sexueller Belästigung und sexueller Nötigung sowie zwei Vergewaltigungen. Die Zahl der Strafanzeigen nach den Ereignissen in Köln ist bis am Mittwochabend auf mehr als hundert gestiegen.

Häufung von Antanz-Diebstählen

Die Polizei ermittelt nun unter anderem, welcher Zusammenhang besteht zwischen den Antanz-Diebstählen und den sexuellen Übergriffen auf Frauen. Dabei muss sich die Polizei mit einer bisher nicht bekannten Kombination von kriminellen Handlungen auseinandersetzen. «Es gab schon immer verschiedene Varianten des Antanzens. Davon waren allerdings überwiegend Männer betroffen», sagte der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers. «Und es spielte sich in aller Regel nicht im sexuellen Bereich ab.» Dass Trickdiebe nun Frauen nicht nur bestehlen, sondern auch sexuell angreifen, ist ein neues Phänomen. Die Polizei geht davon aus, dass die Täter aus Ländern stammen, wo Männer keinen Respekt vor Frauen haben. Die mehrheitlich jungen Verdächtigen sollen aus Nordafrika und dem Nahen Osten stammen.

Der Antanz-Trick ohne sexuelle Übergriffe ist der deutschen Polizei bestens bekannt. Seit drei Jahren häufen sich die Delikte dieser Art, vor allem in den Grossstädten und an Wochenenden, an belebten Orten wie Fussgängerzonen oder Discos. Beliebte Opfer der Trickdiebe sind feiernde Menschen. Dabei suchen sie sich vor allem alkoholisierte, übermüdete Leute aus. Allein in Deutschland werden jährlich Tausende Menschen mit der Antanz-Masche reingelegt und ausgeraubt. Köln gilt als Hochburg der Antänzer, im ersten Halbjahr 2015 registrierte die Polizei knapp 150 Fälle. Die Kölner Polizei unterhält seit 2013 eine Dienststelle, die sich ausschliesslich mit Taschendiebstahl und speziell dem Phänomen des Antanzens beschäftigt. Das ist einmalig in Deutschland.

Mehr Sicherheit noch vor Kölner Karneval

Nach den sexuellen Übergriffen der Silvesternacht haben die Kölner Behörden mehrere Massnahmen angekündigt. Jetzt sollen unter anderem mehr Polizisten, der Einsatz mobiler Videoanlagen mit Teleskopkameras und ein Sicherheitskonzept für jede grosse Menschenansammlung dafür sorgen, dass sich solche Straftaten nicht wiederholen. Auch die Polizeigewerkschaft von Nordrhein-Westfalen hat sich mit Vorschlägen zu Wort gemeldet. Sie fordert, dass für einschlägig bekannte Trickdiebe und potenzielle Neutäter Platz- und Rayonverbote ausgesprochen werden können, so wie es bereits im Umgang mit Fussball-Hooligans gehandhabt wird. Bei der Umsetzung der neuen Sicherheitsmassnahmen ist Eile geboten – denn in Köln steht der Karneval bevor.

Erstellt: 06.01.2016, 17:10 Uhr

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