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Der Aufstand der Schwaben

Das milliardenschwere Grossprojekt «Stuttgart 21» löst in der deutschen Bevölkerung grossen Widerstand aus. Der Groll richtet sich vor allem gegen zwei Faktoren.

Abgeordnete des Deutschen Bundestags nennen die Schweiz als Beispiel für ein Land, in dem die Volksabstimmung institutionalisiert ist: Proteste gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21.
Abgeordnete des Deutschen Bundestags nennen die Schweiz als Beispiel für ein Land, in dem die Volksabstimmung institutionalisiert ist: Proteste gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21.
Keystone
In einer parlamentarischen Demokratie entscheiden die gewählten Politiker. Das gefällt nicht allen Bürgern: Ein Demonstrant an den Stuttgart-21-Protesten.
In einer parlamentarischen Demokratie entscheiden die gewählten Politiker. Das gefällt nicht allen Bürgern: Ein Demonstrant an den Stuttgart-21-Protesten.
Reuters
Wurde am Freitag, 27. August 2010, von der Polizei aufgelöst: Sitzblockade vor Hauptbahnhof.
Wurde am Freitag, 27. August 2010, von der Polizei aufgelöst: Sitzblockade vor Hauptbahnhof.
Keystone
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Die Ankündigung grosser Bauprojekte löst in der Bevölkerung für gewöhnlich zweierlei Reaktionen aus: Reine Vorfreude oder Ärger über die Masslosigkeit des entsprechenden Projekts.

Im deutschen Bundesland Baden-Württemberg überwiegt zurzeit Letzteres: Selten hat ein Grossprojekt mehr Widerstand ausgelöst als der Bau des neuen Stuttgarter Bahnhofs. Der Groll der Bevölkerung richtet sich vor allem gegen die hohen Kosten, die während des Bauprozesses von «Stuttgart 21» entstehen und immer weiter in die Höhe schnellen: Inzwischen ist die 5-Milliarden-Grenze geknackt.

«Widerstand durch passive Gewalt»

Seit mehreren Wochen gehen die Leute auf die Barrikaden, versuchen mit Sitzblockaden die Bauarbeiten zu behindern oder schreien sich den Frust aus dem Leib. Gewalt findet nicht statt. Und wenn, so geschieht diese passiv. Auch in der Nacht auf Freitag kam es wieder zu Demonstrationen. Mehr als 500 Aktivistinnen und Aktivisten haben sich beim Stuttgarter Hauptbahnhof versammelt. Einen Bagger hinderten sie erfolgreich an der Durchfahrt auf das Baugelände. So lange, bis die Polizei den Weg wieder freiräumte.

Die kritischen Stimmen gegen das milliardenschwere Megaprojekt kommen allerdings nicht nur aus der Bevölkerung. Die deutsche Medienlandschaft überhäuft die Stuttgarter Regierung zunehmend mit Negativ-Kommentaren. Die «Süddeutsche» fordert die Stadtregierung auf, «den Bürger endlich ernst zu nehmen». Schliesslich sei es nicht normal, dass ein ansonsten friedfertiges Volk wie die Stuttgarter derart auf die Barrikade gehe. Bis zu 20'000 Menschen sind bis heute auf die Strasse gegangen. Vieles deute darauf hin, dass die Bevölkerung ihre Ankündigung einer «richtigen Revolte» bald wahr mache.

Ernsthafte Bedenken bei der Sicherheit

Doch die Kosten sind es nicht allein, die im schwäbischen Land sauer aufstossen. Gegenüber der «Süddeutschen» äussern Bauexperten ernsthafte Bedenken betreffend die Sicherheit des Stuttgarter Bauprojekts. So würden im Untergrund des geplanten Bahnhofs geologische Katastrophen lauern, deren Auswirkungen nicht absehbar sind. So sei bei Bohruntersuchungen im Vorfeld Anhydrit gefunden worden. Ein Mineral, das, wenn es über längere Zeit mit Feuchtigkeit in Berührung kommt, bis zu 50 Prozent anschwillt.

«Salzsprengung» nennen Physiker diesen Vorgang, der beim Berg- und Tunnelbau katastrophale Folgen haben kann.

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