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Der ewige gelbe Pullunder

Aussenminister Hans-Dietrich Genscher zimmerte die Bühne, auf der Helmut Kohl der Kanzler der Einheit werden konnte. Nun ist Genscher 89-jährig gestorben. Ein Nachruf.

Der bewegendste Moment von Hans-Dietrich Genschers schier unendlicher Amtszeit als deutscher Aussenminister kam am Abend des 30. September 1989, auf dem spärlich beleuchteten Balkon der deutschen Botschaft in Prag. «Wir sind zu Ihnen gekommen», rief er den 4000 auf das Anwesen geflüchteten DDR-Bürgern zu, «um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise...» Der Rest des Satzes («möglich geworden ist») ging im ohrenbetäubenden Jubel der Menge unter, die sich glückselig in die Arme fiel. Es wurde der berühmteste unvollendete Satz der jüngeren deutschen Geschichte.

Zu Genscher hatten die Flüchtlinge in den unsicheren Vor-Wendezeiten Vertrauen, schliesslich hatte er selbst in den 1950er Jahren die DDR zu Gunsten der Bundesrepublik verlassen. Und Genscher hielt Wort. 40 Tage nach seiner Ankündigung in Prag fiel die Mauer. Die DDR und die Teilung Deutschlands, mithin die Ära des Kalten Kriegs, waren Geschichte.

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