Er ist Viktor Orbans Gegenspieler

Gergely Karacsony, Budapests neuer Bürgermeister, vertritt all jene Werte, die Regierungschef Viktor Orban verachtet.

Verkörpert in vielem einen Gegensatz zu Ungarns Regierungschef Viktor Orban. Foto: MTI

Verkörpert in vielem einen Gegensatz zu Ungarns Regierungschef Viktor Orban. Foto: MTI

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Das Milieu all jener, die im mittelöstlichen Europa, in den Gefilden der Kaczynskis, Babis und Orbans also, unbeirrt mit solch bunten Ideen wie Rechtsstaat, Transparenz, Pressefreiheit und einer humanen, gesamteuropäischen Flüchtlingspolitik sympathisieren, hat eine neue Lichtgestalt. Gergely Karacsony (44) ist Anfang dieser Woche zum Oberbürgermeister von Budapest gewählt worden, der Hauptstadt jenes Landes, dessen Regierung sich und ihre Bürger haarscharf an die Abbruchkante der so-genannten europäischen Werteunion geschleift hat.

Aus jenem Ungarn, das sein Regierungschef Viktor Orban flächendeckend mit dem Etikett «illiberale Demokratie» beklebt hat, ragt jetzt eine solide links-grüne Insel heraus, nebst einer Reihe weiterer Städte,wo Fidesz die Mehrheit verlor.

Gegensatz zum Fidesz-Establishment

50,1 Prozent der Budapester haben also für jenen Mann gestimmt, dem die Fidesz-Wahlkämpfer nachriefen, er sei ein «Clown»; den sie mit der Standardlüge überzogen, er plane eine Verschwörung mit denen da oben in Brüssel, das schöne christliche Ungarn mit Massen von muslimischen Migranten unkenntlich zu machen. Diese Schmähungen an sich abprallen zu lassen, dabei halfen Gergely Karacsony nicht zuletzt die Blössen, die Fidesz sich zuletzt selbst gab, und zwar im durchaus körperlichen Sinne.

Zum Wahlkampfauftakt erschien er mit seiner Gitarre, er warb mit Slogans wie «Freiheit statt Angst».

Der Bürgermeister einer anderen Grossstadt, ein strammer Fidesz-Kämpfer für Familienwerte, war im Mai 2018 bei einer Sexparty auf einer Jacht vor der kroatischen Adriaküste zugegen, und zwar beileibe nicht als passiver, kritischer Beobachter. Das dabei entstandene Video tauchte während des Wahlkampfs im Internet auf.

Gergely Karacsony, der bereits vor fünf Jahren zum Bürgermeister des 14. Stadtbezirks von Budapest gewählt wurde, verkörpert in vielem einen Gegenentwurf zum Fidesz-Establishment. Statt Krawatte trägt er in der Öffentlichkeit lieber den schrägen Schultergurt seiner Umhängetasche, zum Wahlkampfauftakt erschien er mit seiner Gitarre, er warb mit Slogans wie «Freiheit statt Angst».

Kandidat mehrerer linker und liberaler Parteien

Aufgewachsen ist er in einem, wie er selbst sagt, ärmlichen Haushalt im Nordosten des Landes, Vater und Mutter arbeiteten als Gartenbauingenieure, auf den Tisch kam Gemüse ohne Pestizide aus dem eigenen Garten. Gergely Karacsony studierte Soziologie und Politologie, arbeitete an einem Wahlforschungsinstitut, wo ihm bei seinen Statistiken immer wieder das doch recht grosse Tortenstück der Wechselwähler auffiel.

Karacsony, der selbst einer kleinen, grünliberalen Partei vorsteht, hat zudem erkannt, dass Orban seine Macht wesentlich auf das Prinzip «teile und herrsche» baut; die Opposition ist zersplittert, das unter Fidesz geänderte Wahlsystem bevorteilt grosse Parteien zusätzlich. Karacsony trat als gemeinsamer Kandidat mehrerer linker und liberaler Parteien an.

Nun frohlocken Optimisten, die Bürgermeisterwahl in Budapest sei der Startschuss für einen Siegeszug der Opposition auch bei der Parlamentswahl 2022. Zweifellos: Karacsonys Wahlerfolg hat dem System Orban einen Riss verpasst. Aber zwischen Riss und Niederreissen liegt noch ein sehr langer Weg.

Erstellt: 17.10.2019, 23:39 Uhr

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