Der Kampf um Trumps Gnade

Solange die Ukraine und Russland um die Gunst Trumps kämpfen, hat der neue Waffenstillstand noch weniger Chancen als alle bisherigen.

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US-Vizepräsident Mike Pence hat den Europäern eine wahre Liebeserklärung gemacht. «Eure Anstrengungen sind unsere Anstrengungen. Wenn ihr Erfolg habt, haben wir Erfolg», sagte er an der Münchner Sicherheitskonferenz. Er bezeichnete die USA als die «besten Alliierten» der Europäer und richtete Grüsse von Präsident Donald Trump aus. Was das genau ­bedeutet in Zeiten, in denen in Amerika alles relativ ist, bleibt offen. Doch Mike Pence ist nicht irgend­wer – zumindest vorerst kann die Nato beruhigt sein. Washington hält sie nicht länger für obsolet.

Sorgen sollte den Europäern jedoch das machen, was Pence nicht gesagt hat. Der Ukrainekonflikt und Russland kamen in seiner Rede nur in ein paar Sätzen vor. Das Minsker Friedensabkommen müsse umgesetzt werden, Moskau stehe in der Verantwortung. Nach den in München allgegenwärtigen Klagen an die Adresse Moskaus über Einmischung in Wahlen und Missachtung der Nachkriegsordnung war dieses Schweigen umso auffälliger.

Aus Angst, mit dem Wechsel im Weissen Haus die Unterstützung des bisher wichtigsten Verbündeten zu verlieren, hat Kiew den Konflikt neu angeheizt.

Offenbar hat die neue US-Regierung in Sachen Nato und Europa entschieden, beim alten Kurs zu bleiben. Wie es im Verhältnis zu Russland weitergehen soll, scheint dagegen offen. Einige Trump-Minister versprachen zwar Solidarität mit der Ukraine – wenn auch ohne grosse Begeisterung. Das Schweigen von Pence lässt eher darauf schliessen, dass man es erst im Guten versuchen will mit Wladimir Putin, ohne die Gespräche gleich mit Themen wie der Ukrainekrise oder der Einmischung in Wahlen zu belasten.

Für die Menschen in der Ukraine sind das schlechte Nachrichten. Zwar wurde in München ein neuer Waffenstillstand erklärt, doch das betrachten die meisten nur als weiteres leeres Versprechen. Denn die Waffen haben in den bald drei Jahren Krieg nie länger als ein paar Tage geschwiegen. Derzeit ist die Lage besonders angespannt. Aus Angst, mit dem Wechsel im Weissen Haus die Unterstützung des bisher wichtigsten Verbündeten zu verlieren, hat Kiew den Konflikt neu angeheizt. Solange die Ukraine und Russland um die Gunst Trumps kämpfen, hat der neue Waffenstillstand noch weniger Chancen als alle bisherigen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.02.2017, 21:36 Uhr

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