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Der Krieg beginnt nach Feierabend

Die Weltöffentlichkeit schaut nicht mehr auf die Ukraine. Dabei wird noch immer gekämpft. Vor allem abends, wenn die Beobachter der OSZE ihren Dienst beenden.

Ukrainische Soldaten und Panzer vor einem Gebäude, das als Stützpunkt benutzt wird.
Ukrainische Soldaten und Panzer vor einem Gebäude, das als Stützpunkt benutzt wird.
Brendan Hoffmann / Getty
Zwei ukrainische Frauen sitzen vor beheizten Zelten, die für ältere Menschen aufgestellt wurden.
Zwei ukrainische Frauen sitzen vor beheizten Zelten, die für ältere Menschen aufgestellt wurden.
Aleksey Filippov, AFP
Kinder und Frauen warten in einem Bus auf ihre Evakuierung. Sie werden nach Swjatohirsk gebracht, um sie aus der Gefahrenzone in Awdijiwka zu bringen.
Kinder und Frauen warten in einem Bus auf ihre Evakuierung. Sie werden nach Swjatohirsk gebracht, um sie aus der Gefahrenzone in Awdijiwka zu bringen.
Brendan Hoffmann / Getty
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Solange die Sonne scheint, macht der Krieg für Serhij Nikolajew gewöhnlich Pause. Tagsüber begnügen sich die Soldaten der ukrainischen Armee und ihre Gegner meist damit, sich gegenseitig zu belauern. Dann prüfen Nikolajew und seine Kameraden ihre Waffen, kochen auf den improvisierten Gas- oder Holzöfen den Kartoffelbrei fürs Abendessen oder spielen mit einem der Hunde, die ihnen zugelaufen sind, seit sie im Süden der ukrainischen Kleinstadt Awdijiwka drei Kilometer vom Stadtzentrum entfernt die Front gegen russische Soldaten und von Moskau ausgerüstete Rebellen halten.

Nikolajew und seine Kameraden haben in der Entlüftungsanlage eines Kohlebergwerks Stellung bezogen. «Die Russen sind in ihrer vordersten Position 200 Meter von uns entfernt – an anderen Stellen sind es nur ein paar Dutzend Meter», sagt Nikolajew, der die letzten drei Kriegsjahre auf ukrainischer Seite mitgemacht hat. «Manchmal rufen wir den Russen schlechte Witze zu oder: ‹Russen – ergebt euch!› Dann antworten sie mit gleicher Münze.»

Die Waffen beginnen oft erst am Abend zu sprechen. Dann ist Dienstschluss der Militärbeobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit (OSZE). «Ab 18 Uhr fahren die Beobachter in ihre Nachtquartiere. Ein, zwei Stunden später beginnt bei uns der Tanz», sagt Nikolajew. «Die Russen schiessen mit schweren Maschinengewehren, Minen- oder Granatwerfern. Oft zielen sie aufs Dach über unseren Köpfen – damit Trümmer auf uns fallen oder wir von Querschlägern getroffen werden.» Freilich schiessen auch die Ukrainer – und nicht nur als Antwort auf Angriffe, wie diverse OSZE-Berichte belegen. Auch tagsüber tönen die Echos von Explosionen ins Zentrum Awdijiwkas, wenn sich Rebellen oder Ukrainer unbeobachtet wähnen und den Gegner angreifen. Eigentlich sollten die Waffen seit langem schweigen, sollten Ukrainer und die von Moskau gestellten oder ausgerüsteten Einheiten etliche Kilometer voneinander entfernt und alle schweren Waffen abgezogen worden sein. So schreiben es die Minsker Abkommen vor, auf die sich Ukrainer und Russen 2014 und 2015 verständigten.

Dass Ukrainer und Russen trotz Waffenstillstand und Pufferzone tatsächlich oft dicht zusammenliegen, folgt militärischer Logik: Erstens ist es für die gegnerische Artillerie schwieriger, einen Gegner unter Feuer zu nehmen, wenn eigene Einheiten nebenan liegen. «Wenn wir nahe an den Russen bleiben, machen wir es ihnen unmöglich, weiter auf die Stadt vorzurücken», sagt Jelena Mokrentschuk, Presseoffizierin der 72. Brigade. So geht der Konflikt als Stellungskrieg entlang einer fast 500 Kilometer langen Front weiter. Die Vereinten Nationen schätzten die Zahl der Opfer bis Mitte August auf mindestens 10'225 Tote, Hunderte Vermisste und über 24'500 Verletzte. Knapp 1,6 Millionen Ukrainer sind im restlichen Land als Flüchtlinge aus dem Donbass und der Krim registriert.

Eine Stadt – Sinnbild dieses Krieges

Awdijiwka war früher eine verschlafene Kleinstadt, umgeben von sanften Hügeln und unendlich scheinenden Feldern mit schwarz glänzender Erde. Wer keine Arbeit in der einzigen grossen Fabrik des Ortes fand, pendelte ins 12 Kilometer entfernte Donezk: Kohle- und Stahlzentrum und fünftgrösste Stadt der Ukraine. Doch seit der Kreml dort 2014 die Marionettenregierung der «Volksrepublik Donezk» installierte, sind die Strassen unterbrochen, ist Awdijiwka Frontstadt und Sinnbild des sich dahinschleppenden Krieges: mit Hunderten Toten und Verletzten, zerstörten oder beschädigten Häusern – und ebenso vielen beschädigten Leben.

Die in Awdijiwka stationierten Soldaten gehören zur 72. mechanisierten Brigade der ukrainischen Armee. Zu Kriegsbeginn hatten sie nicht einmal genug Stiefel oder Uniformen, von genug tauglichen Waffen und Munition ganz zu schweigen. «Wir haben aufgeholt – aber vom Ideal sind wir noch weit entfernt», sagt der 45-jährige Oberfeldwebel Gennadij. Auch an diesem Tag fliegen in Awdijiwka wieder mit Kameras bestückte russische Aufklärungsdrohnen über die Stellungen der Ukrainer, ohne dass diese viel dagegen tun könnten. Der Kiewer Bürgergruppe Stop Terror zufolge testet Moskau in der Ostukraine eine modernisierte Kriegsführung nach US-Vorbild und teilt alle Frontinformationen per drahtlosem Computernetzwerk zwischen ihren Einheiten. Kiewer Erkenntnissen zufolge unterhält Moskau in der Ostukraine eine Streitmacht mit mindestens 390 Kampfpanzern, 800 Schützenpanzern und anderen Panzerfahrzeugen sowie gut 1200 Raketensystemen, Granatwerfern und Flugabwehr­geschützen – mehr als in vielen europäischen Armeen.

«Die ukrainischen Zahlen sind recht genau», sagte Will Hurd, langjähriger CIA-Agent und heute republikanischer Abgeordneter und Mitglied des Geheimdienstausschusses im US-Repräsentantenhaus. Die OSZE fotografierte am 18. September an einer einzigen Stelle östlich von Donezk 48 Kampfpanzer. Auch Serhij Nikolajew und seine Kameraden haben, so sagen sie, russische Panzer oft vor Augen – etwa im von Rebellen gehaltenen Dorf Spartak, gerade vier Kilometer entfernt. «Würden uns die Amerikaner moderne Panzerfäuste liefern, könnten wir den Russen endlich heimleuchten», sagt Oberfeldwebel Gennadij.

Granaten im Garten

Das frühere Industriegebiet Awdijiwkas, in dem sich Ukrainer und Russen verschanzt haben, ist ein kilometerlanges apokalyptisches Trümmerfeld. Die Werkshalle einer ehemaligen Reifenfabrik ist von Granatsplittern durchsiebt, daneben liegen ausgebrannte Lastwagen. Serhij Nikolajew hatte bisher Glück. Nur der vordere Teil seiner Stellung wurde vor ein paar Monaten von Panzergranaten in einen Schutthaufen verwandelt. Der hintere Teil blieb unversehrt – und damit die Schlafräume der ukrainischen Soldaten, ihre Küche, die Sommerdusche und die mit Kohle geheizte improvisierte Sauna für die Wintermonate. Selbst die Regale mit den Konfitürengläsern und dem eingelegten Gemüse blieben hinter Schutzwällen aus Sandsäcken und ausgedienten Munitionskisten ebenso unversehrt wie improvisierte Pinnwände mit den Bilden, die ukrainische Kinder ihren Soldaten geschickt haben.

«Sie zielen aufs Dach, damit Trümmer auf uns fallen.»

Serhij Nikolajew, ukrainischer Soldat

Trotzdem hat Nikolajew in elf Monaten Dienst in Awdijiwka 33 Kameraden verloren. Bei einer in einer ehemaligen Textilfabrik positionierten Einheit, deren vorderste Schützengräben nur 30 Meter von denen der Russen entfernt sind, starben bei einem besonders erbitterten Kampf innerhalb weniger Stunden 12 Männer. Nikolajews Kamerad Serhi Almuschni, 30 Jahre alt, starb Mitte September, kurz nach Beginn der abendlichen Kämpfe. «Ein Scharfschütze traf Serhi in die Kehle», sagt Nikolajew. «Die Russen haben gute Waffen und Nachtsichtgeräte.» Oberst Andrei Sokolow, der Kommandeur der 72. Brigade, eröffnet an diesem Tag eine Gedenkstätte an 73 bisher in Awdijiwka gestorbene Soldaten. Fotos der Toten sind eingerahmt von roten Nelken und gesammelten Granathülsen. An der Gedenkstätte wehen die Fahnen der Ukraine und die Flagge der 72. Brigade, dahinter stehen Wracks ausgebrannter Panzer. Von hier aus führt der Weg ins Stadtzentrum – doch nicht in den Frieden.

Alexander Awchutskij, ein pensionierter Brückenbauer, wohnt mit seiner Frau Ljuda in der Sapronowa-Strasse, einem in Friedenszeiten idyllischen Teil Awdijiwkas. Bäume säumen die Strasse. In Awchutskijs Garten kämpfen Margeritensträucher mit Rosenbüschen und Ranken roter Weintrauben um die Vorherrschaft. Der Krieg machte auch vor der Idylle nicht halt. Als Awdijiwka zu Beginn des Krieges einige Monate unter Kontrolle der «Volksrepublik Donezk» war, «holten die Rebellen wahllos junge Männer von der Strasse und zwangen sie in ihre Streitkräfte», erinnert er sich.

Um den Rebellen nicht in die Hände zu fallen, bewarb sich sein 26-jähriger Sohn Nikolai, ein Programmierer, bei Firmen im Westen der Ukraine. «Aber wenn die hörten, dass er aus dem Donbass kam, hiess es: Danke – Leute wie dich wollen wir hier nicht. Arbeit hat er gefunden – ausgerechnet in Sankt Petersburg.» Dreimal mussten die Awchutskijs bereits neue Fenster einsetzen, wenn die Druckwellen von Bombentreffern das Glas zerspringen liess. Einmal lag Awchutskij mit schmerzendem Bein bewegungsunfähig im Haus, als in der Nachbarschaft Bomben einschlugen. Doch als eine Granate im eigenen Garten einschlug und die Druckwelle das Dach abdeckte, waren die Awchutskijs zu ihrem Glück nicht zu Hause.Die meisten der früher 35'000 Einwohner Awdijiwkas flohen vor dem Krieg – auf dessen Höhepunkt harrten gerade noch 8000 Menschen im Städtchen aus. Viele Einwohner sind seitdem zurückgekehrt: weil Bomben die Stadt nur noch selten treffen, aus Heimweh oder weil ihnen das Geld ausgegangen ist, um in anderen Teilen der Ukraine eine Mietwohnung zu bezahlen.

Awchutskijs Nachbarn, die 49 Jahre alte Jelena Aslanowa, ihre Tochter Jewgenija (7) und ihr Sohn Artjom (27) flohen im Februar 2017 schon das zweite Mal vor dem Krieg, diesmal nach Kiew: Die Kämpfe in Awdijiwka waren wieder aufgeflammt, in ihrem Haus bei 25 Grad minus die Heizung eingefroren und der Strom ausgefallen. Als der Frühling Einzug hielt, freute sich Awchutskij über die Rückkehr der Nachbarn. Die Aslanowas waren indes nur für einige Tage zurückgekehrt: Mutter und Tochter, die durch den Krieg gesundheitliche Schäden davongetragen hatte, benötigten Atteste aus Awdijiwka, um auch in Kiew staatliche Unterstützung zu bekommen. In Awdijiwka sollten sich einstweilen Freunde um Haus und Garten kümmern.

An einem schönen Mainachmittag luden die Aslanowas drei Freunde zum Grillen in ihren Garten. Auch Artjom, der Sohn, der gerade Arbeit in einem Kiewer Restaurant gefunden hatte, war gekommen – um seine Mutter zu überraschen. Artjom kam hinüber und bat auch die Awchutskijs zum Schaschlik. «Doch meiner Frau ging es nicht gut – also blieben wir zu Hause», erzählt Awchutskij. «Als wir beim Abendbrot sassen, hörten wir nebenan eine Explosion.» Offenbar hatten Rebellen eine Granate auf eine ukrainische Stellung geschossen – doch zu kurz gezielt. Als Alexander Awchutskij auf die Strasse trat, war diese mit Glas- und Granatsplittern übersät. Im Garten der Aslanowas war es totenstill.

Als Awchutskij sich ein Herz fasste und das Grundstück der Aslanowas betrat, «fand ich meine Nachbarn. Jelena und ihre drei Freunde waren tot – zwei von ihnen hatte die Explosion die Köpfe vom Körper getrennt.» Artjom Aslanow lebte zwar noch. «Aber auch Artjom hat seinen Kampf verloren», erzählt Awchutskij. «Ende Juli haben wir ihn beerdigt.» Nur die sieben Jahre alte Jewgenija, die zum Zeitpunkt der Explosion im Wohnzimmer einen Zeichentrickfilm schaute, überlebte und wurde von ihren Grosseltern aufgenommen.

Übernachten am Kontrollpunkt

Der Krieg hat unzählige Familien getrennt. Die pensionierte Heizerin Jelena Koljesowa lebt mit ihrem Mann Wolodja in Awdijiwka. «Wir dachten, als Rentner geniessen wir den Ruhestand und kümmern uns um die Enkelkinder. Stattdessen leben wir im Krieg», sagt Koljesowa. Ihren Enkel Wlada sieht Grossmutter Jelena nur selten. Der direkte Weg zwischen Awdijiwka und Donezk ist gesperrt. Die Fahrt über eine Umleitung und durch etliche Kontrollpunkte erst des ukrainischen Militärs, dann der prorussischen Rebellen, dauert «statt wie früher 20 Minuten mindestens 4 Stunden», sagt Koljesowa. Manchmal reicht die Warteschlange so weit zurück, dass Dutzende Autos an einem Kontrollpunkt übernachten müssen.

100'000 Menschen im Kriegsgebiet fehlen Wasser, Strom oder Gas, wenn Granattreffer wieder eine wichtige Leitung zerstört haben. Auch Awdijiwka ist ohne Gas – eine beschädigte Station liegt auf Rebellengebiet. 15 Kilometer nordwestlich der Stadt verlegen Arbeiter der Gasgesellschaft nun fieberhaft eine neue Leitung, um Awdijiwka bis zum Frostbeginn Anfang November mit Gas aus Leitungen fern des Kriegsgebietes zu versorgen. Für umfassenden Wiederaufbau fehlen, je nach Darstellung, das Geld, Bauarbeiter, die zum Einsatz im Kriegsgebiet bereit sind, oder der politische Wille aus Kiew. Das Krankenhaus Awdijiwkas ist nach mehreren Bombentreffern seit Jahren geschlossen; Ärzte und Patienten sind notdürftig in der früheren Wöchnerinnenstation untergeschlüpft. Insgesamt wurden im Städtchen der Verwaltung zufolge Hunderte Häuser beschädigt, rund 130 zerstört.

Das Geld und der politische Wille für den Aufbau fehlen.

Die Lehrerin Marina Martschenko teilte sich ihre Wohnung mit Mann, Tochter, Schwiegersohn und Enkel Maxim. Damit Maxim als Erwachsener heiraten und ausziehen konnte, sparte die Familie seit seiner Geburt – und kaufte ihm 2013 zwei Strassen weiter eine Wohnung. Wenige Monate später begann der Krieg. In Awdijiwka zerstörte eine der ersten Bomben das Haus mit der gerade gekauften Wohnung. Jetzt, dreieinhalb Jahre später, haben Mitarbeiter des Katastrophenschutzes begonnen, die Trümmer beiseitezuräumen.«Ob das Haus wieder aufgebaut wird und wer dafür bezahlt, wissen wir nicht», sagt Marina Martschenko. Ukrainische Gesetze sehen bisher nicht vor, dass der Staat den Aufbau zerstörter Privathäuser bezahlt. Auch ins Haus von Marina Martschenko schlug im März eine Granate ein – doch explodierte nicht. «Sprengstoffexperten haben die Granate entfernt», sagt Martschenko. «Die Splitter haben auch unsere Fenster zerspringen lassen. Wir haben die Öffnungen mit Pappe verschlossen. Wenn wir Geld hätten, könnten wir neue Fenster einsetzen. Und wenn wir sicher wären, dass endlich Friede herrscht.»

Die Kinder sind weg

Martschenko hat in einem halben Jahrhundert als Lehrerin drei Generationen von Awdijiwkern die ukrainische Sprache und Literatur nahegebracht. Ihr überlebensgrosses Konterfei ziert sogar eine Hauswand: als Sinnbild des ukrainischen Lehrers. Den ganzen Krieg hindurch blieb sie in der Stadt. Solange täglich Bomben fielen, war der Weg in die Schule für die verbliebenen Kinder zu gefährlich. «Also haben wir den Eltern Unterrichtsmaterial mitgegeben, damit sie ihre Kinder zu Hause unterrichteten.» Martschenkos Schule Nr. 5 wurde zerstört; Lehrkörper und Schüler mit der unversehrten Schule Nr. 6 vereinigt. Vor dem Krieg lernten in beiden Schulen zusammen 1100 Kinder – heute 483. Bis heute sind 11'000 frühere Einwohner Awdijiwkas nicht zurückgekehrt.

Marina Martschenko ist eine 73 Jahre alte Dame. Dass sie immer noch unterrichten muss, liegt nicht nur an der niedrigen Rente ukrainischer Lehrer, die mit umgerechnet vielleicht 100 Euro schon zu Friedenszeiten kaum zum Leben reichte. Ihr Mann Wiktor wurde 2014 schwer verletzt, als eine Granate in die Warteschlange einschlug, in der Einwohner auf die Ausgabe von Trinkwasser warteten. Etliche Operationen später wurde Wiktor Martschenko im Juni 2016 aus dem Krankenhaus entlassen.

Doch als die Martschenkos bei einem Bombenalarm Anfang 2017 im Keller ihres Hauses Zuflucht suchen wollten, stolperte der 79-jährige Wiktor – und brach sich wieder das Bein. Seitdem liegt er wieder im Krankenhaus, im 230 Kilometer entfernten Dnipropetrowsk. Fünfmal ist er bereits operiert worden. In diesen Tagen steht die nächste Operation an. «Ich muss weiterarbeiten – damit mein Mann überleben kann», sagt Martschenko. Vier Tage in der Woche unterrichtet sie in Awdijiwka, dann fährt sie die 230 Kilometer zu ihrem Mann. Die Operationen für Wiktor muss sie aus der eigenen Tasche bezahlen: Krankenversicherung und Behörden werten den Beinbruch als häuslichen Unfall aus eigenem Verschulden.

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