Der Krim-Effekt hilft Wladimir Putin nicht mehr

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Präsident Wladimir Putin spricht nicht oft über Gefühle. Mit einer Ausnahme vielleicht: wenn es um seine Liebe zu Russland geht. Die sei «um ein Vielfaches» gestiegen in den vergangenen 15 Jahren, sagte der Präsident im Herbst in einer Fernsehsendung, da ging es bereits bergab mit seinen Umfragewerten. In letzter Zeit wird eine Frage immer lauter: Liebt Russland ihn denn überhaupt noch zurück?

Häufig wird in dem Zusammenhang noch ein anderes, fast vergangenes Gefühl angesprochen, manche nannten es den «Krim-Konsens». Es beschrieb die in Russland weitverbreitete Freude und den Stolz darüber, dass die Krim wieder zu ihnen gehört. Eine Euphorie, die seit einiger Zeit abklingt. Es ging dabei auch um ein oft beschworenes Zusammengehörigkeitsgefühl aller Russen und der Russen mit ihrem Präsidenten. Doch der verliert nun überall an Zustimmung.

Eine Welt voller Feinde

In einer Umfrage im Februar erklärten sich nur noch 64 Prozent der Befragten einverstanden mit Putins Politik. Das unabhängige Lewada-Zentrum stellt diese Frage jeden Monat. Das Besondere am aktuellen Ergebnis ist, dass der Wert so niedrig ist wie zuletzt vor der Annexion der Krim im März 2014. Damals schoss die Zustimmung der Russen zum Präsidenten quasi über Nacht auf über 80 Prozent – und blieb vier Jahre lang auf diesem Niveau. Doch nach fünf Jahren scheint der Krim-Effekt aufgebraucht.

Wie lässt sich dieser Effekt beschreiben? Zum ersten Mal seit Zerfall der Sowjetunion hatte sich Russland durch die Annexion wieder ausgedehnt. Es hatte der Welt seine Macht demonstriert. Einer Welt voller Feinden, so stellte es Putin häufig dar, die Russland schaden und es klein halten wollen. Eine Botschaft, die das Staatsfernsehen auf allen Kanälen wiederholte und das Volk hinter dem Präsidenten zusammenrücken liess.

Verbindung zum Volk verloren?

Putin erhielt eine Art Freibrief für seine aussenpolitische Agenda, sein Vorgehen in der Ostukraine, die Einmischung in Syrien, die konfrontative Politik gegenüber dem Westen. Statt mehr Wohlstand versprach er den Menschen Grösse und Nationalstolz. Doch inzwischen spüren sie immer stärker, was dieses Tauschgeschäft bedeutet. Denn die wirtschaftlichen und sozialen Probleme, die sie in ihrer Freude über die Krim für eine Weile vergessen konnten, sind durch die Annexion eher grösser geworden. Auf sie scheint der Präsident keine Antworten zu haben.

Hat Wladimir Putin über seinen aussenpolitischen Ambitionen die Verbindung zum Volk verloren? Nun, da die Post-Krim-Euphorie vorbei sei, schreibt etwa Tatjana Stanowaja für das Moskauer Carnegie-Zentrum, und «die Öffentlichkeit ihre Aufmerksamkeit vom Fernsehen auf den Kühlschrank verlagert» habe, treten soziale Ungerechtigkeit und sinkender Lebensstandard in den Vordergrund. Selbst die Mainstreammedien beschäftigten sich nun mit den unbeliebten wirtschaftlichen Entscheidungen der Regierung, vom höheren Rentenalter bis zur höheren Mehrwertsteuer.

Silke Bigalke

Erstellt: 17.03.2019, 20:24 Uhr

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