Attentäter war offenbar psychisch krank

Wer ist Mohamed Lahouaiej Bouhlel? Laut seinem Vater hatte er psychische Probleme. Was wir wissen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Polizeiquellen haben gegenüber der Nachrichtenagentur AFP bestätigt, dass der Attentäter «formell identifiziert» wurde. Demnach handelt es sich beim Fahrer des LKW um einen 31-jährigen Franzosen mit tunesischen Wurzeln, der in Nizza wohnte. Seine Ausweispapiere wurden im Tatfahrzeug gefunden, zudem wurden eine Bankkarte und ein Handy sichergestellt.

Die Lokalzeitung «Nice Matin» hat vermeldet, dass der Mann Mohamed Lahouaiej Bouhlel heisst. Er soll von Beruf Auslieferungsfahrer sein und im Nordosten der Stadt wohnen. Laut «Le Figaro» kommt Bouhlel aus Msaken, einer Stadt nahe Sousse im Nordosten Tunesiens. Er war verheiratet und Vater dreier Kinder. Im vergangenen März sei er wegen eines Gewaltdelikts verurteilt worden, so «Le Figaro». Mittlerweile soll seine Ex-Frau laut der AFP in Haft sein.

«Wir wissen genau, wo er eingestiegen ist»

Dem Nachrichtensender BFMTV zufolge soll der Täter der Polizei bekannt gewesen sein. «Man kannte ihn wegen Waffengebrauch, häuslicher Gewalt, Bedrohungen und Diebstahl», vermeldet BFMTV unter Berufung auf Ermittlerkreise. Im Màrz dieses Jahres wurde Bouhlel wegen einer tätlichen Auseinandersetzung zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Verbindungen zum Terrorismus habe man bisher aber nicht herstellen können. Nach ersten Erkenntnissen der französischen Polizei soll der Mann nicht politisch radikalisiert gewesen sein. Der 31-Jährige sei allerdings bereit gewesen, auf die Menge zu schiessen. Im Tatfahrzeug wurden Granaten und Waffen gefunden, teilweise nicht funktionsfähig.

Den LKW hatte sich der Mann nach Angaben von AFP erst kürzlich besorgt. «Er wurde vor einigen Tagen in der Region Provence-Alpes-Côte d'Azur gemietet», wird eine Polizeiquelle von der Nachrichtenagentur zitiert. Regionalpräsident Christian Estrosi sagte zu France Info: «Wir wissen dank Überwachungskameras sehr genau, wo und unter welchen Umständen der Täter in den LKW gestiegen ist.» Das Kameranetzwerk der Stadt ermögliche es, den Weg des Fahrzeugs sehr weit zurückzuverfolgen. Denn die Aufnahmen seien «sehr deutlich», so Estrosi zu BFMTV. Bilder des Attentäters sind bislang noch keine an die Öffentlichkeit gelangt.

Polizei durchsucht Wohnung des Täters

Nach Angaben von Augenzeugen und aus Ermittlerkreisen wurde der Mann von Polizisten erschossen, als er nach seiner Amokfahrt aus dem LKW stieg und mit einer Pistole das Feuer eröffnete. Der Attentäter habe «mehrfach geschossen», bestätigte Regionalpräsident Christian Estrosi.

Laut der Lokalzeitung «Nice Matin» hat die Polizei die Wohnung des Verdächtigen durchsucht. Diese soll sich im Quartier Abattoirs befinden.

Die AFP-Reporterin Catherine Marciano hat auf Twitter als Erste exklusive Bilder des Appartments veröffentlicht.

Bouhlel hat dort offenbar alleine gelebt. Der Vater von drei Kindern sei laut Nachbarn ein Einzelgänger gewesen, berichtet die AFP. Er habe habe nie gegrüsst, wenn man sich im Treppenhaus getroffen habe. Der Tunesier sei nicht sehr religiös aufgetreten. Der französische Geheimdienst hatte ihn laut Behörden auch nicht auf dem Radar. Trotzdem sagt Premierminister Manuel Valls, der Attentäter habe «ohne Zweifel eine Verbindung zum radikalen Islam, auf die eine oder andere Weise». Innenminister Bernard Cazeneuve hingegen will eine solche Verbindung nicht bestätigen. Die radikalislamistische Terrormiliz Islamischer Staat hat sich bislang nicht zum Attentat bekannt.

Wie Bouhlels Vater gegenüber BBC sagt, habe sein Sohn an «Nervenzusammenbrüchen» gelitten. Bei seinen Zusammenbrüchen habe er jeweils «alles kurz und klein geschlagen», sagt Monthir Bouhlel zu einem BBC-Reporter in seiner Heimatstadt Msaken in Tunesien. «Er hat seine Medikamente genommen, und wir haben gedacht es ginge ihm gut.» Probleme mit seiner Frau hätten seinen Zustand verschlimmert, sagt der Vater.

Ein Überblick der Ereignisse im Video

Realisation: TA/lea

Update folgt. (wig.)

Erstellt: 15.07.2016, 05:51 Uhr

Artikel zum Thema

Blumen für die Opfer, Müllhaufen für den Täter

In Nizza wird der Ort, an dem der Attentäter starb, mit Abfall beworfen und bespuckt. Mehr...

Übersicht der Schreckensnacht von Nizza

Was genau passierte in den tragischen Minuten in der französischen Küstenstadt? Eine Rekonstruktion. Dazu die wichtigsten Fragen und Antworten. Mehr...

Augenzeugen: «... dann kam ein riesiger Lastwagen»

Zeugen berichten von der schlimmen Nacht in Nizza. Frankreich steht unter Schock. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Blogs

Mamablog «Ein Kind ist doch kein Accessoire!» 

Sweet Home Kindermenüs für Erwachsene

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Die Welt in Bildern

Bauernprotest: In den Niederlanden haben Tausende von Bauern mit Traktoren den Verkehr blockiert. Ihr Protest richtet sich gegen die Anschuldigung, dass sie für die Stickstoffbelastung verantwortlich sind. (16. Oktober 2019)
(Bild: Koen Van Weel/EPA) Mehr...