Zum Hauptinhalt springen

Der Phönix-Effekt

Guttenberg ist schwer gestürzt. Seine politische Karriere ist aber noch lange nicht begraben. Schon so mancher deutscher Politiker hat nach dem Rückzug ein Comeback gewagt. Ein Überblick.

Wegen der Spiegel-Affäre musste der damalige Verteidigungsminister Anfang der 60er zurücktreten.
Wegen der Spiegel-Affäre musste der damalige Verteidigungsminister Anfang der 60er zurücktreten.
Keystone
Den Tiefpunkt seiner Karriere erlebte Schäuble im Februar 2000, als er wegen ungeklärter Umstände einer Spende an die CDU als Partei- und Fraktionschef zurücktrat.
Den Tiefpunkt seiner Karriere erlebte Schäuble im Februar 2000, als er wegen ungeklärter Umstände einer Spende an die CDU als Partei- und Fraktionschef zurücktrat.
Keystone
Der «Napoleon von der Saar» trat nach einem heftigen Streit mit dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) im März 1999 von allen seinen Ämtern - als Finanzminister und als SPD-Chef - zurück.
Der «Napoleon von der Saar» trat nach einem heftigen Streit mit dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) im März 1999 von allen seinen Ämtern - als Finanzminister und als SPD-Chef - zurück.
Keystone
1 / 6

Nach dem Rücktritt von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hoffen einige seiner Parteifreunde auf eine baldige Wiederkehr ihres ehemaligen Shootingstars. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) jedenfalls zeigte sich schon gestern überzeugt, dass sie und Guttenberg «in welcher Form auch immer, in Zukunft Gelegenheit zur Zusammenarbeit haben werden». Deutsche Vorbilder für ein Comeback gibt es schliesslich viele. Hier die bekanntesten:

Franz Josef Strauss: Wegen der Spiegel-Affäre musste der damalige Verteidigungsminister Anfang der 60er zurücktreten. Das Nachrichtenmagazin hatte im Oktober 1962 unter dem Titel «Bedingt abwehrbereit» über ein NATO-Manöver berichtet, woraufhin wegen Verdachts des Landesverrats Redaktions- und Verlagsräume durchsucht, der damalige Herausgeber Rudolf Augstein sowie mehrere Redakteure verhaftet wurden. Jahre später wurde der CSU-Chef 1966 als Finanzminister ins Kabinett von Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger (CDU) geholt. 1978 trat er die Nachfolge von Alfons Goppel (CSU) als Ministerpräsident Bayerns an und übernahm damit, wie er sagte, «das schönste Amt der Welt». Zwei Jahre später wurde er Kanzlerkandidat der Union, scheiterte aber an Helmut Schmidt (SPD). Ministerpräsident des Freistaates blieb er bis zu seinem Tod am 3. Oktober 1988.

Horst Seehofer: Der 61-Jährige gilt als «Stehaufmännchen» der CSU. Im Januar 2002 führte eine schwere Herzkrankheit zu seinem vorläufigen Ausstieg aus der Politik. Im Sommer 2002 meldete er sich zurück als Minister für Gesundheit und Soziales im Schattenkabinett von Kanzlerkandidat Edmund Stoiber. Ende 2004 trat er wegen des Hickhacks um das Gesundheitsprämien-Modell der CDU als Vizechef der Unions-Fraktion im Bundestag zurück. Später zog er als Agrar- und Verbraucherschutzminister ins Kabinett ein. 2007 ein weiterer Rückschlag: Die Ambitionen des damaligen CSU-Vizechefs auf den Parteivorsitz blieben durch Berichte über eine Geliebte aussichtslos. Mitte Juni 2007 bekannte sich Seehofer offen zu der gemeinsamen Tochter, entschied sich dann aber für seine Ehefrau, mit der er drei Kinder hat. Seehofer wurde am 27. Oktober 2008 zum Ministerpräsidenten gewählt - zwei Tage nach der Übernahme des Parteivorsitzes.

Wolfgang Schäuble:Der Politprofi wurde einst als möglicher Kanzler gehandelt. Doch der Weg in die Regierungszentrale blieb dem Badener verwehrt. Den Tiefpunkt seiner Karriere erlebte Schäuble im Februar 2000, als er wegen ungeklärter Umstände einer Spende an die CDU als Partei- und Fraktionschef zurücktrat. Seit dem Rücktritt hielt sich Schäuble parteipolitisch zurück, fügte sich aber in die Rolle des Fachpolitikers, zunächst als Innenminister, jetzt als Finanzminister.

Jürgen Möllemann: Im Januar 1993 musste der FDP-Politiker als Vizekanzler und Bundeswirtschaftsminister zurücktreten, weil er auf amtlichem Briefpapier für den Einkaufswagen-Chip seines angeheirateten Vetters geworben hatte. In seiner nordrhein-westfälischen Heimat schaffte der Mann aus Münster allerdings ein Comeback und holte bei der Landtagswahl im Jahr 2000 ein für die FDP mit 9,8 Prozent sensationelles Ergebnis. Kurz nach der Bundestagswahl 2002 kostete Möllemann ein umstrittenes Wahlkampfflugblatt, in dem er nicht zum ersten Mal antisemitische Klischees bediente, das Amt als FDP-Bundesvize. Wenig später verlor er auch seine übrigen Parteiämter und trat nach 33 Jahren aus der FDP aus. Wegen falscher Spendenangaben Möllemanns musste die FDP sechs Jahre nach dessen Tod im Sommer 2003 schliesslich 4,3 Millionen Euro Strafe zahlen.

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: Die Bundesjustizministerium erlebte ein Comeback auf altbekanntem Terrain. Schon 1992 war die FDP-Politikerin unter Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) als erste Frau mit der Leitung des Ressorts betraut worden. Ende 1995 trat sie zurück, weil ihre Partei damals den grossen Lauschangriff mittrug.

Oskar Lafontaine: Der «Napoleon von der Saar» trat nach einem heftigen Streit mit dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) im März 1999 von allen seinen Ämtern - als Finanzminister und als SPD-Chef - zurück. Als Spitzenkandidat der WASG im Bundestagswahlkampf 2005 erlebte Lafontaine sein politisches Comeback und wurde im selben Jahr Chef der Linke-Bundestagsfraktion an der Seite von Gregor Gysi. Die Vereinigung mit der PDS hatte Lafontaine zur Bedingung für sein Engagement gemacht. Ab Juni 2007 war er zusammen mit Lothar Bisky auch Vorsitzender der Linkspartei. Wegen einer Krebserkrankung zog sich Lafontaine im vergangenen Jahr aus seinen Ämtern zurück.

Gregor Gysi: Wegen der «Bonusmeilen-Affäre» trat der PDS-Spitzenpolitiker Gysi im Juli 2002 als Berliner Wirtschaftssenator zurück. Wie auch zahlreichen anderen Politikern wurde ihm vorgeworfen, Bonusmeilen privat genutzt zu haben, die er zuvor mit Dienstflügen gesammelt hatte. 2005 kehrte er trotz zweier Herzinfarkte als Spitzenkandidat der PDS für die Neuwahl zurück. Für die Linke hat Gysi - als wichtiges Aushängeschild der Partei - im Bundestag den Fraktionsvorsitz übernommen.

Cem Özdemir: Der politische Aufstieg des Grünen-Hoffnungsträgers wurde 2002 jäh ausgebremst. Özdemir stolperte über einen Kredit des PR-Beraters Hunzinger und die private Nutzung dienstlicher Bonusmeilen. Anschliessend legte er sein Bundestagsmandat nieder und räumte «Naivität und mangelnde Vorsicht» ein. Für einige Zeit «flüchtete» er in die USA. 2004 wagte er sich zurück auf die politische Bühne und zog ins Europaparlament ein. Von dort aus näherte er sich auch dem politischen Berlin wieder an und wurde 2008 zum Grünen-Vorsitzenden gewählt.

Mey Dudin/ dapd

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch