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«Der Staat ist noch immer pleite»

Am Montag verlässt Griechenland nach acht Jahren den finanziellen Rettungsschirm. Gerettet ist das Land aber noch lange nicht, sagt Ex-Finanzminister Giannis Varoufakis.

Giannis Varoufakis kündigte im Juli 2015 überraschend seinen Rücktritt an: Der ehemalige Finanzminister Griechenlands posiert vor den Medien in Barcelona. (8. November 2017)
Giannis Varoufakis kündigte im Juli 2015 überraschend seinen Rücktritt an: Der ehemalige Finanzminister Griechenlands posiert vor den Medien in Barcelona. (8. November 2017)
Marta Perez, Keystone
Varoufakis, hier beim Alpensymposium in Interlaken im Januar 2016, war gerade einmal sechs Monate im Amt.
Varoufakis, hier beim Alpensymposium in Interlaken im Januar 2016, war gerade einmal sechs Monate im Amt.
Peter Klaunzer, Keystone
Echt oder falsch: Tagelang diskutierte Deutschland nicht mehr über die Rettung Griechenlands, sondern darüber, ob Varoufakis den Deutschen den Stinkefinger gezeigt hatte.
Echt oder falsch: Tagelang diskutierte Deutschland nicht mehr über die Rettung Griechenlands, sondern darüber, ob Varoufakis den Deutschen den Stinkefinger gezeigt hatte.
Screenshot ZDF
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Griechenland ist aus Sicht des ehemaligen griechischen Finanzministers Giannis Varoufakis auch nach dem Auslaufen des dritten Rettungspakets noch nicht gerettet. «Griechenland steht am selben Punkt, im gleichen schwarzen Loch, und es versinkt jeden Tag tiefer darin.» Dies sagte Varoufakis der deutschen «Bild»-Zeitung vom Montag. Die Situation sei zudem so schlecht, weil die Sparvorgaben der Gläubiger neue Investitionen und den Konsum behinderten, führte Varoufakis weiter aus.

Die Staatsschulden seien nicht weniger, sondern mehr geworden: «Wir haben jetzt nur mehr Zeit, um noch mehr Schulden zurückzuzahlen», sagte der Ex-Finanzminister. «Der Staat ist noch immer pleite, die privaten Leute sind ärmer geworden, Firmen gehen noch immer bankrott, unser Bruttosozialprodukt ist um 25 Prozent gesunken.»

Varoufakis war im Juli 2015 nach rund einem halben Jahr im Amt zurückgetreten, um Verhandlungen mit den Gläubigern zu erleichtern. Zuvor hatten die Griechen in einem Referendum die Sparvorgaben der internationalen Geldgeber abgelehnt.

Sinkende Arbeitslosigkeit

Unterdessen zeigte sich der Eurogruppen-Chef Mario Centeno zuversichtlich, dass Griechenland ohne weitere Hilfsprogramme finanziell auf eigenen Beinen stehen kann. Ziel der Rettungsmassnahmen und Reformen der vergangenen acht Jahre sei eine neue Grundlage für gesundes Wirtschaftswachstum gewesen, erklärte Centeno in der Nacht zum Montag.

Griechenland: Heute läuft das dritte Hilfsprogramm der Europartner aus. Video: Tamedia/AFP.

«Es hat viel länger gedauert als gedacht, aber ich glaube, wir haben es geschafft.» Die griechische Wirtschaft wachse, es gebe Haushalts- und Handelsüberschüsse, und die Arbeitslosigkeit sinke stetig.

An diesem Montag endet das vorerst letzte Hilfsprogramm für Athen. Seit 2010 hatten die EU-Partner und der Internationale Währungsfonds das überschuldete Euro-Land mit insgesamt 289 Milliarden Euro an vergünstigten Krediten vor der Staatspleite bewahrt. Im Gegenzug musste Athen harte Reformen, Sozialkürzungen sowie Steuererhöhungen durchsetzen und sich verpflichten, daran festzuhalten. Centeno äusserte sich in seiner Funktion als Chef des Gouverneursrats des Euro-Rettungsschirms ESM.

SDA/roy

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