Der Superchefredaktor des Papstes

Der bekannte italienische Journalist Andrea Tornielli verantwortet neu alle vatikanischen Medien. Er ist ein treuer Bergoglianer.

Bemerkenswerter Seitenwechsel: Der Journalist Andrea Tornielli wird neu Direktor aller Medien des Vatikans. Foto: pd

Bemerkenswerter Seitenwechsel: Der Journalist Andrea Tornielli wird neu Direktor aller Medien des Vatikans. Foto: pd

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Im Nachhinein könnte man denken, Andrea Tornielli habe sich in den letzten fünfeinhalb Jahren immerzu für seine neue Aufgabe empfohlen. Mit jeder engagierten Zeile, die er schrieb, mit jedem Artikel. Sie lesen sich jetzt wie Plädoyers für einen Mann, der eigentlich keiner sonderlichen Fürsprache bedürfen sollte: der Papst. Aber die These mit der Empfehlung ist natürlich verwegen.

Der Journalist aus Venedig (54), weiche Stimme und spitze Feder, war bisher einer der bekanntesten «Vaticanisti» im Land. So nennen die Italiener jene Reporter, die nur Vatikanisches verfolgen. Sie reisen mit, wenn der Papst verreist, sie kennen alle Machtintrigen der Kirche, können aus dem Stand aus alten Enzykliken zitieren. Tornielli tat das zuletzt für «La Stampa» und als Koordinator von «Vatican Insider», einer Onlinezeitung in fünf Sprachen. Pro-Bergoglio, auch auf Chinesisch.

Nun hat Franziskus Tornielli zum Direktor aller Medien des Vatikans berufen. Zum Superchefredaktor. Es ist dies ein bemerkenswerter Seitenwechsel für einen Profijournalisten. Tornielli ist Katholik, aber kein Geistlicher: Er ist verheiratet, hat drei Kinder. Er hat auch nicht Theologie studiert, sondern Altgriechisch. Nun wird er die publizistische Linie verantworten von Radio Vatikan, der Zeitung «Osservatore Romano», der Fernsehanstalt Centro Televisivo Vaticano, dem Verlag Libreria Editrice Vaticana und der Website «Vatican News».

«Es läuft eine Schlacht um die Macht.»Andrea Tornielli

Doch was bedeutet das, eine publizistische Linie in einer absoluten Monarchie? Im Grunde sollte es ja nur darum gehen, das Wort von «Papa Francesco», wie Tornielli ihn nennt, in die Welt zu tragen. «In Zeiten der schnellen Slogans und der sozialen Medien», sagt er aber, «ist es wichtig, die Realität wieder ins Zentrum zu rücken und sie sachlich zu analysieren.» Das tun offenbar nicht alle. Tornielli dachte vor allem an die vielen, dem Heiligen Vater nicht so wohlgesonnenen Blogger, die in den vergangenen Jahren aufgetaucht sind. Darunter sind Nostalgiker, die sich Benedikt XVI. zurückwünschen, sowie Traditionalisten und Superkonservative mit direktem Draht zu ebendiesen Kreisen innerhalb der römischen Kurie. Anti-Bergoglio, immer.

Tornielli schrieb schon als Vaticanista gegen sie an, nun hat er den ganzen Abwehrapparat in der Hand. «Es läuft eine Schlacht um die Macht», sagte er unlängst. Und da dieser Machtkampf parallel zu den Missbrauchsskandalen läuft, ist das Kommunizieren aus ­dem Vatikan gerade nicht so einfach. Torniellis Vorgänger im Mediensekretariat, der italienische Priester Dario Edoardo Viganò, hatte sich in diesem rauen Klima zu einer dummen Sache hinreissen lassen: Er manipulierte einen Brief des emeritierten Papstes an den amtierenden so, dass das Schreiben wie eine Lobhudelei auf Franziskus wirkte. Einen kritischen Absatz daraus hatte er einfach weg­gemacht, mit Photoshop. Viganò war dann auch schnell weg.

So etwas sollte Tornielli nicht passieren, dafür ist er schon zu lange im Geschäft. Dutzende Bücher hat er geschrieben. In «Il Giorno del Giudizio», etwa: Tag des Jüngsten Gerichts, seinem neusten Werk, klagt er die Ankläger von «Papa Francesco» an, die Intriganten, die den Papst zum Rücktritt drängen.

Erstellt: 27.12.2018, 18:30 Uhr

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