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Der Tod des Slum-Idols als Funke

Er war 26 Jahre alt und Tänzer einer nationalen TV-Show: Douglas Rafael da Silva Pereira wurde in Rio de Janeiro zu Tode geprügelt – offenbar von Polizisten. Ein Kurzfilm zeigt das Leben des jungen Mannes.

Die Mutter des getöteten Tänzers klagt die Polizei an. (24. April 2014)
Die Mutter des getöteten Tänzers klagt die Polizei an. (24. April 2014)
AFP
Ein Knabe wird von einem Freund, der ein T-Shirt mit dem Bild von Douglas Rafael da Silva Pereira trägt, getröstet. (24. April 2014)
Ein Knabe wird von einem Freund, der ein T-Shirt mit dem Bild von Douglas Rafael da Silva Pereira trägt, getröstet. (24. April 2014)
Keystone
Versuchen die Situation unter Kontrolle zu bringen: Polizisten mit geladenen Waffen an der Copacabana. (22. April 2014)
Versuchen die Situation unter Kontrolle zu bringen: Polizisten mit geladenen Waffen an der Copacabana. (22. April 2014)
AFP
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Sechs Wochen vor dem Anstoss zur grossen Fussballpartie in Brasilien ist es nahe der Copacabana in Rio de Janeiro zu tödlichen Ausschreitungen zwischen Sicherheitskräften und Slumbewohnern gekommen. Grund ist der Tod des jungen Tänzers Douglas Rafael da Silva Pereira. Am Montag wurde er tot in der Favela Pavão-Pavãozinho gefunden.

Nach dem Tod des jungen Mannes entlud sich die Wut auf die Polizeigewalt in stundenlangen Strassenschlachten. Dabei wurde ein 27-Jähriger durch eine Kugel getötet, wie Medien unter Berufung auf Behörden berichteten.

Idol für Slumbewohner

In die Verzweiflung über den Tod des Tänzers, den die Polizei angeblich für einen Drogendealer hielt und niederprügelte, mischte sich Zorn auf die anstehende Fussball-WM. «Was ist das für eine Weltmeisterschaft, die vom Blut unschuldiger junger Menschen getränkt ist», klagte die Menschenrechtsaktivistin Daisy Carvalho auf den rauchenden Barrikaden in der Favela Pavão-Pavãozinho, die oberhalb des Postkartenstrandes der Copacabana liegt.

Der durch TV-Sendungen bekannte Tänzer Douglas Rafael Pereira – ein Idol für viele junge Slumbewohner – war nach Darstellung von Freunden am Montag in eine Schiesserei zwischen Drogendealern und Polizisten geraten. Er habe sich in einen Kinderhort geflüchtet, sei jedoch aufgegriffen und zu Tode geprügelt worden. Seine Mutter sagte dem Sender TV Globo, die Leiche sei in einer Verteidigungsposition gewesen und habe viele Wunden von Schlägen aufgewiesen. Ihr Sohn sei in die Favela gegangen, um seine Tochter zu besuchen. Die Polizei sprach hingegen von Hinweisen, der 25-Jährige sei nach einem Sturz gestorben.

Dass das Leben in Favelas gefährlich ist, thematisiert ein Kurzfilm aus dem letzten Jahr, in dem der Tänzer die Hauptrolle spielt. Der Film zeigt das Leben von Jugendlichen aus den Armenvierteln. Sie spielen Fussball, verbringen Zeit am Strand und hören Musik. Am Schluss des sechsminütigen Films stürmen zwei Polizisten mit gezogenen Waffen auf Douglas zu. Nach einem kurzen Streit hält ihm einer der Beamten die Waffe an den Kopf – und drückt ab.

Zeigt das Leben eines Jugendlichen in den Armenvierteln von Rio de Janeiro: Der Film «Made in Brazil».

Alles, was wir von ihm im Film zeigen, ist tatsächlich er. Er war sehr beliebt, besonders bei Kindern, sagte Wanderson Chan, Regisseur des Films, laut «Spiegel online».

Als sich die Nachricht von seinem Tod am späten Nachmittag verbreitete, eskalierte die Lage in dem Slum. «Plötzlich war überall Rauch, Schüsse, die Menschen flüchteten in ihre Wohnungen», schilderte ein junger Anwohner. Einige Polizisten wurden in die Enge getrieben, verschanzten sich in einem Haus und drohten, das Feuer zu eröffnen, berichteten Augenzeugen. Kurz darauf rückte die mit Maschinengewehren ausgerüstete Elitepolizei Bope an. Einige Augenzeugen sagten, Drogendealer hätten die ersten Schüsse abgegeben. Ein 27-Jähriger, der an der Revolte beteiligt war, wurde am Kopf getroffen und starb später im Krankenhaus. Wer den Schuss abgab, blieb zunächst unklar.

Trauriger Höhepunkt der Proteste

Während der Ausschreitungen wurden Barrikaden aus Autoreifen angezündet, Jugendliche schleuderten Flaschen auf Beamte, zwei Hauptstrassen entlang der Copacabana mussten stundenlang gesperrt werden. Anwohner berichteten ausserdem, der Strom sei abgestellt worden und die Ausschreitungen hätten von der Copacabana in den angrenzenden Stadtteil Ipanema übergegriffen.

Die Strassenschlachten in den legendären Stadtteilen von Rio de Janeiro sind ein neuer, trauriger Höhepunkt der Proteste vor der WM. Schon im vergangenen Jahr war es zu monatelangen, teils gewaltsamen Demonstrationen gegen die Milliardenausgaben für die Infrastruktur gekommen, während grosse Bevölkerungsteile unter Armut und Gewalt leiden.

Angereichert mit Material der Nachrichtenagentur AFP.

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