Der undiplomatische Aussenminister

Der ehemalige deutsche FDP-Chef Klaus Kinkel ist gestorben. Ein Nachruf.

Ein «grosser Europäer»: Klaus Kinkel. Foto: Michael Dalder

Ein «grosser Europäer»: Klaus Kinkel. Foto: Michael Dalder

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Klaus Kinkel war kein typischer Berufs- oder Parteipolitiker, eher ein Spitzenbeamter, der mit Leidenschaft Politik machte. Der in der Nähe von Tübingen aufgewachsene Sohn eines Arztes doktorierte Mitte der 60er-Jahre als Jurist und trat umgehend in den Staatsdienst ein. 1969 entdeckte ihn Hans-Dietrich Genscher, der langjährige spätere Aussenminister, und machte ihn zu seinem politischen Ziehsohn.

Treu folgte er Genscher

Von da an folgte Kinkel Genscher durch die Ministerien und 1992 schliesslich auch als Aussenminister. Die beiden wurden auch privat Freunde, behielten das Siezen aber stets bei. Von 1979 bis 1982 war Kinkel als erster «Ziviler» bereits Präsident des Bundesnachrichtendienstes gewesen, 1991 für ein Jahr Justizminister. Erst als Minister trat der Schwabe im Übrigen in Genschers Partei ein, die FDP.

Als Aussenminister Helmut Kohls kam Kinkel die Aufgabe zu, das wiedervereinigte Deutschland im Herzen des zusammenwachsenden Europas zu verankern. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker würdigte den Verstorbenen deswegen als «deutschen Patrioten und grossen Europäer». Kanzlerin Angela Merkel, die mit Kinkel am Kabinettstisch sass, nannte ihn einen «treuen Weggefährten».

Obwohl er als Beamter sozialisiert wurde, fehlte es ihm keineswegs an Temperament, eher im Gegenteil. Kinkel habe immer ein Gefühl, meist auch eine Meinung gehabt, schreibt die «Süddeutsche Zeitung»: «Er war hemdsärmelig, leidenschaftlich, mal laut und zornig, weil verärgert; mal zugewandt und beinahe herzlich, weil ihm ein Gedanke, ein Mensch, ein Land besonders wichtig waren.» Kinkel gilt manchen als undiplomatisch­ster Aussenminister, den die Bundesrepublik je hatte.

Dass er 1993 auch noch Chef der FDP wurde, galt im Nachhinein eher als Missverständnis. Nach einem Dutzend Wahlniederlagen in den Bundesländern und viel Streit war Kinkel zwei Jahre später beinahe froh, als er das Amt an Wolfgang Gerhardt weiterreichen konnte. An den folgenden Triumphen, Misserfolgen und Wiederauferstehungen der Liberalen nahm er jedoch lebhaft teil, bis zuletzt. Nach schwerer Krankheit ist Klaus Kinkel am Montag gestorben. Er wurde 82 Jahre alt.

Erstellt: 05.03.2019, 23:25 Uhr

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