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Der Vorarbeiter

Er soll jede Bewegung und jeden Satz von François Hollande kontrollieren: Manuel Valls, der Kommunikationschef des Präsidentschaftskandidaten. Bis vor kurzem waren die beiden noch politische Kontrahenten.

Starker Mann im Hintergrund: François Hollande (links) und Manuell Valls am 30. April in Paris.
Starker Mann im Hintergrund: François Hollande (links) und Manuell Valls am 30. April in Paris.
AFP
Nahm selbst an den sozialistischen Vorwahlen teil: Manuell Valls.
Nahm selbst an den sozialistischen Vorwahlen teil: Manuell Valls.
AFP
Manuel Valls soll sich hervorragend mit Hollandes Lebensgefährtin Valérie Trierweiler (links) verstehen.
Manuel Valls soll sich hervorragend mit Hollandes Lebensgefährtin Valérie Trierweiler (links) verstehen.
AFP
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Das Fernsehduell der französischen Präsidentschaftskandidaten bereitete Manuel Valls akribisch vor, sogar den Studiostuhl für seinen Chef François Hollande probierte er persönlich aus. Die gute Vorarbeit sollte sich auszahlen: Hollande – aufgrund seines Softie-Image wurde er despektierlich «Flamby» (Wackelpudding mit Karamellgeschmack) genannt – liess sich von Sarkozys Attacken nicht einschüchtern. Im Gegenteil: Er präsentierte sich kämpferisch und schlagfertig.

Der Mann hinter Hollande, der 49-jährige Valls, ist noch weit mehr als nur der Kommunikationschef im Wahlkampfteam des Sozialisten: Binnen kürzester Zeit hat sich Valls eine solch herausgehobene Stellung erarbeitet, dass er inzwischen als der Architekt eines sich abzeichnenden sozialistischen Wahlerfolgs am Sonntag gilt. Der Medienprofi ist nun auch für wichtige Regierungsämter im Gespräch.

Der im katalanischen Barcelona geborene Valls zählt nicht zu den langjährigen Vertrauten Hollandes. Vielmehr war der zweifach verheiratete Vater von vier Kindern zunächst ein Anhänger von Ex-IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn, der über Sexaffären stolperte. Der redegewandte Valls, der keine Scheu vor Fernsehauftritten vor einem Millionenpublikum hat, trat daraufhin bei den sozialistischen Vorwahlen selbst als Kandidat mit seinem wirtschaftsliberalen Mitte-rechts-Kurs an. Valls landete mit 5,6 Prozent zwar abgeschlagen auf dem fünften Platz, doch wie er sich präsentierte, wurde hoch gelobt.

Steiler politischer Aufstieg

Lange galt Valls als Einzelgänger und Querschläger in der sozialistischen Partei. Der studierte Historiker trat schon als junger Mann der PS bei, noch bevor er mit 20 Jahren in Frankreich eingebürgert wurde. Rasch machte Valls auf sich aufmerksam, wurde Berater von Ex-Regierungschef Michel Rocard für studentische Fragen, später Gemeinderat, Regionalrat, Mitglied der Parteiführung, bis er 1997 für Premier Lionel Jospin die Pressearbeit übernahm. Auch als Parlamentsabgeordneter seit 2002 mischt der Bürgermeister von Evry im Grossraum Paris auf nationaler Ebene mit.

Dass der Sohn eines Künstlers es schaffte, selbst langjährige Weggefährten von Hollande auszustechen, führen Widersacher auf eine rücksichtslose Ellenbogen-Mentalität von Valls zurück. Das Magazin der renommierten Zeitung «Le Monde» widmete ihm unlängst eine Titelgeschichte, die streckenweise wenig schmeichelhaft für den Kommunikationschef ausfiel: Dieser «monopolisiere» Hollande für sich, kontrolliere jede Bewegung und jeden Satz des Präsidentschaftskandidaten, trickse andere Sozialisten aus und dränge sich selbst in den Vordergrund, weshalb mit Blick auf Hollande schon zeitweise der Witz kursiert sei: «Wer ist eigentlich der Typ da neben Manuel Valls?»

Unstimmigkeiten in der Vergangenheit

Der mit einer Musikerin verheiratete Valls versteht sich auch mit Hollandes Lebensgefährtin Valérie Trierweiler recht gut. Die lobte ihn laut «Le Monde» und spricht nicht nur von «Vertrauen», sondern sogar von «Komplizenschaft» zwischen Hollande und dem schneidigen Dunkelhaarigen mit dem kantigen Gesicht. Dabei hatten sich die beiden Sozialisten noch vor wenigen Jahren wegen des Europakurses überworfen, ab der Machtübernahme des konservativen Präsidenten Nicolas Sarkozy im Jahr 2007 verschärfte Valls noch seine Attacken gegen den Parteiapparat und gegen ideologische «Heiligtümer» der Sozialisten wie die 35-Stunden-Woche. In der Partei habe er wenig Unterstützer, meinte «Le Monde».

Unbestritten arbeitete Valls rund um die Uhr für den sozialistischen Wahlsieg. «Manuel setzt sich voll und ganz ein, ohne mit der Wimper zu zucken», zitierte «Le Monde» die Journalistin Trierweiler. Und selbst seine Feinde gestehen zähneknirschend, dass der allgegenwärtige Valls inzwischen der eigentliche Chef der Wahlkampfzentrale sei: Den offiziellen Wahlkampfleiter Pierre Moscovici habe Valls de facto verdrängt. Nun ist der 49-Jährige nicht nur als Innenminister unter Hollande, sondern sogar als Premierminister im Gespräch.

AFP/mrs

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