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Deutschland hat Jobs für eine halbe Million Flüchtlinge

Die deutsche Wirtschaft ist auf die Zuwanderung angewiesen. Flüchtlinge sollen die künftigen Arbeitskräfte sein.

Arbeit als beste Form der Integration: Ein Saisonarbeiter aus Polen bei der Spargelernte in Dudenhofen, Deutschland. (Archivbild / 6.4.2005)
Arbeit als beste Form der Integration: Ein Saisonarbeiter aus Polen bei der Spargelernte in Dudenhofen, Deutschland. (Archivbild / 6.4.2005)
Ronald Wittek, Keystone

In den nächsten Jahren fehlen Deutschland Arbeitkräfte. Der deutsche Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer spricht von rund einer halben Million freier Stellen. «Wir brauchen in den nächsten 20 Jahren viel mehr Arbeitskräfte, als dieses Land hervorbringen wird», sagte der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) zur «Süddeutschen Zeitung».

Wenn man Flüchtlinge möglichst schnell integriere, könnten diese die Lücke füllen. Der Staat müsse deshalb in Sprachkurse investieren. Er fordert ausserdem ein Bleiberecht für junge Ausländer, die eine Ausbildung machen.

Die Politik müsse das Asylrecht anpassen und dafür sorgen, «dass Asylbewerber nicht viele Monate vom Arbeitsmarkt ferngehalten werden», sagte er weiter. Zurzeit müssen Flüchtlinge zuerst den Ausgang ihres Asylverfahrens abwarten, bevor sie sich eine Arbeit suchen dürfen.

Rassistische Anschläge sind «engherzig»

Kramer macht sich ausserdem Sorgen um das Image von Deutschland. Rassistische Äusserungen könnten sich negativ auswirken. Das Land müsse attraktiv bleiben als Wirtschaftsstandort. Die Anschläge auf Asylheime kritisierte er als «engherzig». Nach 1945 seien viele Deutsche selber auf der Flucht gewesen.

Auch von staatlicher Seite gibt es Unterstützung für die Idee, Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Frank-Jürgen Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), sagte zur «Bild»-Zeitung, der deutsche Arbeitsmarkt sei stabil und aufnahmefähig. Arbeit sei die beste Form der Integration. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass in Sprache und Bildung investiert werde. Wer Deutsch spreche und qualifiziert sei, finde schnell eine Arbeit. Flüchtlinge haben den Ruf, sie seien besonders motiviert.

Weise verneint vehement, dass Flüchtlinge deutschen Arbeitern die Stellen wegnähmen. Arbeitsagenturen prüfen, ob nicht auch qualifizierte Bewerber mit deutschem oder EU-Pass vorhanden sind. Deutschland verliere in den nächsten zehn Jahren über 6,5 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter und brauche die Zuwanderung. Vor allem Hotels und Restaurants, aber auch Logistikunternehmen haben viele freie Stellen. Im Juli 2015 waren 42,8 Millionen Menschen in Deutschland erwerbstätig. Die Arbeitslosenzahlen sind im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Mit einem Bruttoinlandprodukt von fast 3000 Milliarden Euro ist Deutschland die grösste Volkswirtschaft innerhalb der EU.

In den Arbeitsagenturen stellt man nun neue Vermittler ein. Anfang Jahr hat die Regierung bereits das Arbeitsverbot für Asylbewerber und Geduldete auf drei Monate und die Vorrangprüfung von 24 auf 15 Monate verkürzt.

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