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Deutschland verschärft Ton und Massnahmen

Der Gesundheitsminister Jens Spahn empfiehlt, Anlässe mit mehr als 1000 Teilnehmern abzusagen. Zudem eilt der Staat betroffenen Unternehmen zu Hilfe.

Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn. Foto: Keystone
Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn. Foto: Keystone

Die Verbreitung des Coronavirus derart zu verlangsamen, dass das Gesundheitssystem weiter vollumfänglich funktionieren könne: Darin sieht der deutsche ­Gesundheitsminister Jens Spahn derzeit das oberste Ziel aller Schutzbemühungen.

«Dafür brauchen wir die gesamte Gesellschaft. Jede Bürgerin und jeden Bürger.» Jeder müsse sich fragen, was er beitragen könne, sagte Spahn in Berlin, um jene älteren und kranken Menschen zu schützen, für die das Virus eine Gefahr sei.

Die meisten könnten wohl auf ein Konzert, einen Besuch im Club oder ein Fussballspiel leichter verzichten als auf die Arbeit oder die Betreuung der Kinder. Entsprechend solle man sich verhalten. Auf die Frage, wie lange er mit Einschränkungen rechne, sagte Spahn: «Ich rechne eher mit mehreren Monaten als mit mehreren Wochen.»

Die ersten zwei Todesfälle

Auch in Deutschland werden die Töne dringender, wenn die Behörden über die sich entwickelnde Epidemie sprechen. Dabei scheint die Lage im Vergleich zu Italien derzeit noch nicht sehr dramatisch: Rund 1100 Infizierte zählte man am Montag, gegenüber 370 in der Schweiz und fast 8000 in Italien. In Italien sind bereits mehr als 460 Menschen am Virus gestorben – in Deutschland bisher zwei.

Lothar Wieler, Chef des ­Robert-Koch-Instituts, und Christian Drosten, Virologe der Berliner Charité, erklärten dies beim Auftritt mit Spahn damit, dass in Deutschland Infizierte früher erkannt worden seien als anderswo. Zudem sei die Altersstruktur der Betroffenen eine ganz andere: In Italien betrage das Durchschnittsalter der Patienten 80 Jahre. In Deutschland hingegen seien bisher mehr als 70 Prozent der Patienten zwischen 20 und 40 Jahre jung. Entsprechend geringer sei die Lebensgefahr.

Dennoch empfiehlt auch Gesundheitsminister Spahn mittlerweile ausdrücklich, alle Grossveranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern abzusagen. Im Unterschied zum Bundesrat oder den französischen oder italienischen Gesundheitsministern kann er die Massnahme aber nicht selbst erlassen: Dies bleibt laut Gesetz weiter den lokalen Gesundheitsämtern vorbehalten.

Einheitlichkeit gefragt

Er wolle mit seiner schärferen Stellungnahme den lokalen ­Behörden den Rücken stärken, erklärte Spahn. Zudem nehme er wahr, dass in einer «nationalen Gefährdungslage» das Bedürfnis nach national einheitlichen ­Regeln wachse.

Fussballspiele und Konzerte, die in Italien, der Schweiz oder in Frankreich längst abgesagt wurden, fanden in Deutschland zuletzt meist noch statt. Damit dürfte es nun aber bald vorbei sein. Das heutige Champions-League-Spiel von Leipzig gegen Tottenham darf zwar noch von Zuschauern besucht werden, aber in der Bundesliga richtet man sich auf «Geisterspiele» ein – wenn überhaupt.

Um die wirtschaftlichen Folgen der Epidemie zu mildern, beschloss die Regierung zudem ein umfangreiches Hilfspaket für betroffene Unternehmen. Bevorzugtes Instrument sind dabei die grosszügigere Gewährung und die Entschädigung von Kurzarbeit – eine Massnahme, mit der in der Finanzkrise 2008 Hunderttausende von Arbeitsplätzen gerettet wurden. Dabei zahlt der Staat bis zu zwei Drittel des Lohns betroffener Arbeitnehmer. Damit Unternehmen nicht pleitegehen, will der Staat zudem die Liquidität fördern in Form von Kredithilfen, Bürgschaften oder Steuerstundungen. Auf Subventionen für betroffene Branchen verzichtet die Regierung aber vorerst, ebenso auf Pakete zur Stärkung der Konjunktur.

Masken für Schweizer?

Wie Spahn andeutete, darf die Schweiz darauf hoffen, dass am Zoll blockierte Lieferungen von Schutzmasken für Schweizer Spitäler bald freigegeben werden. Er habe ja kein Exportverbot verfügt, so Spahn, sondern lediglich eine Genehmigungspflicht, um sicherzustellen, dass die Schutzmasken dort ankämen, wo sie am dringendsten gebraucht würden. Solche Genehmigungen würden wahrscheinlich bald erteilt werden, sagte Spahn: «Wir wollen und müssen mit unseren europäischen Partnern solidarisch sein.»

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