Die 9 heftigsten Angriffe der TV-Schlacht

Die «hasserfüllte Lügnerin» gegen den «zynischen Banker»: Wie Marine Le Pen und Emmanuel Macron aufeinander losgingen.

Beleidigend und emotional: Die letzte TV-Debatte von Macron und Le Pen. (Video: Tamedia-Webvideo)

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Die TV-Debatte zwischen Marine Le Pen und Emmanuel Macron mutierte von der ersten Sekunde an zur Schlammschlacht – und drehte sich mehr um persönliche Beleidigungen als um politische Inhalte. Macron nannte Le Pen eine «schlecht informierte», «korrupte», «gefährlich nationalistische und hasserfüllte Lügnerin». Le Pen betitelte Macron als «arroganten», «verwöhnten», «kaltherzigen» und «zynischen Banker». Die aggressivsten Attacken in der Übersicht:

1. Le Pen imitiert Chirac

Die rechtspopulistische Kandidatin Marine Le Pen stellt von Anfang an klar, dass ihr Rivale zwei Jahre lang der linken Regierung von François Hollande angehört hat. Sie spricht ihn mit «Herr Wirtschaftsminister, Lieblingskind des Systems und der Eliten» an. Das erinnert an eine Strategie des konservativen Politikers Jacques Chirac, schreibt «Le Parisien». Er stempelte 1988 im Duell mit François Mitterrand diesen als Vertreter des Systems ab: «Heute Abend sind Sie nicht der Präsident, wir sind zwei Kandidaten auf Augenhöhe.» Sozialist Mitterrand konterte und verwies auf Chiracs damalige Rolle im Staat: «Sie haben völlig recht, Herr Premierminister.»

2. Die Sache mit dem Feingefühl

Das lässt Macron nicht auf sich sitzen. «Sie haben gezeigt, dass Sie auf keinen Fall eine Kandidatin mit Feingefühl sind, mit dem Willen, eine demokratische, ausgeglichene und offene Diskussion zu führen», gibt er zurück.

Nach der Debatte legt er auf Twitter nach: «Gestern hat Frau Le Pen eine Sache gezeigt: Sie mag die Freiheit nicht.»

3. It’s the economy ...

Wenn es um wirtschaftliche Fragen geht, ist der frühere Investmentbanker Macron im Vorteil. Also versucht Le Pen, sich als Kandidatin des Volkes zu verkaufen: «Ich bin die Kandidatin der Kaufkraft, Sie sind der Kandidat mit der Macht Frankreich zu kaufen – und zu zerlegen. Unternehmen auseinandernehmen ist das, was Sie am besten können», zementiert sie das Feindbild des «zynischen Bankers».

4. Die Populistin

Macron kritisiert im Gegenzug einen von Le Pens Wahlkampf-Coups: Sie hatte streikende Mitarbeiter der von der Schliessung bedrohten Whirlpool-Fabrik besucht und Selfies mit ihnen gemacht. «Nie habe ich etwas Ähnliches getan wie Sie und Profit geschlagen aus der Not der Menschen.»

Le Pen hatte die Fotos auf Twitter veröffentlicht und dazu geschrieben mit ihr würde die Fabrik nicht geschlossen.

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5. Die «Lehrer - Schüler»-Anspielung

Die persönlichste Attacke kommt von Le Pen als Antwort auf eine Frage Macrons: «Ich sehe, Sie versuchen Lehrer und Schüler mit mir zu spielen, das ist nicht mein Ding.» Damit spielt sie darauf an, wie Macron seine Ehefrau kennen gelernt hat.

6. Es herrscht «Krieg»

Ein Wort nutzten beide. Le Pen wirft Macron vor, er führe einen «Krieg aller gegen alle». Im Gegenzug beschuldigt Macron die Rechtspopulistin, «den Bürgerkrieg ins Land zu tragen», «eine Falle, die uns die Terroristen stellen».

7. Der Merkel-Vorwurf

Am Ende der Diskussion geht es um Aussenpolitik und die Partner Frankreichs in der EU, allen voran Deutschland. «So oder so wird Frankreich künftig von einer Frau regiert – von Frau Merkel oder mir», sagt EU-Gegnerin Marine Le Pen. Macron werde nichts tun ohne den Segen der deutschen Kanzlerin.

8. Die «grosse Priesterin der Angst»

Macron kritisiert Le Pens Idee eines halben Austritts aus der Währungsunion als «tödlich» und «haarsträubend». Sie war kürzlich vom Euroausstieg Frankreichs abgerückt und präsentierte die Idee von zwei Parallelwährungen. Sie gibt zurück, er schüre mit dem Euroaustritt Ängste. Macron kontert: «Wer spielt mit den Ängsten unserer Mitbürger? Das sind Sie. Die grosse Priesterin der Angst sitzt mir gegenüber.»

9. Le Pens «Wundermittelchen»

Bei den Themen Terrorismus und Islam ist die Chefin des Front National in ihrem Element. Le Pen wirft Macron vor, er hege «Sympathien für den islamischen Fundamentalismus» und skandiert «alle als gefährlich registrierten Ausländer raus». «Was Sie vorschlagen, ist wie üblich ein Wundermittelchen», gibt Macron zurück. Der Front National habe nichts dafür getan, um die Antiterrorgesetze voranzubringen.

Bonus: Beide treten nach

Nach der Debatte gifteln beide Kandidaten auf Twitter weiter. «Frankreich verdient etwas Besseres als Sie», schreibt Emmanuel Macron.

Marine Le Pen brüstet sich damit, sie habe «enthüllt, wer Macron ist, woher er kommt und was seine Interessen sind».

Ex-Premierminister Alain Juppé stellt sich auf Macrons Seite. Er taxiert Le Pen als unwählbar: «Wirr, aggressiv, sarkastisch. Wie soll man sich eine solche Person als Präsidentin vorstellen?»

(ij)

Erstellt: 04.05.2017, 12:24 Uhr

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