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Die AfD macht die CDU nervös

Die letzte Konfrontation zeigte noch einmal lehrbuchhaft, wie man als Protestpartei Erfolg hat. Als am Donnerstagabend in der Schlussrunde des TV-Senders ARD die Parteien ein letztes Mal debattierten, stritten sie nicht etwa untereinander, sondern gingen alle gemeinsam auf einen Spitzenkandidaten los: Alexander Gauland von der Alternative für Deutschland (AfD).

Der 76-Jährige musste für die geballte Aufmerksamkeit nicht einmal viel tun, seine Anwesenheit schien allen anderen Provokation genug. Dabei kontrastierte die Zufriedenheit Gaulands auffällig mit der Gereiztheit seiner Kontrahenten. Der Grund liegt in den Umfragezahlen: Keine Partei hat in den vergangenen sechs Wochen stärker zugelegt als die rechtspopulistische AfD.

Seit sie Ende August mit gezielten Provokationen und erinnerungsgeschichtlichen Tabubrüchen die Empörungsspirale in Gang gebracht hat, ist ihr Zuspruch von rund 8 auf 12 Prozent gewachsen. Die meisten Demoskopen führen die AfD derzeit als drittstärkste Partei. Je mehr die anderen Parteien von ihr reden und auf sie einprügeln, desto häufiger wird sie von ihren Anhängern gewählt, um diese zu bestrafen. Als Folge dieser Strategie hat sich die AfD im Wahlkampf noch einmal radikalisiert. Spitzenpolitiker der Partei geben Angela Merkel mittlerweile die Schuld an jeder islamistischen oder von Aus­ländern verübten Schandtat, wollen deutsch-türkische Politiker nach Anatolien «entsorgen» und bekennen ihren Stolz auf die «Leistungen» deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen. Eine Mehrheit der AfD-Abgeordneten im neuen Bundestag wird dem rechten Flügel der Partei angehören.

Mit besonderem Unbehagen verfolgt man den Endspurt der AfD bei CDU und CSU. Je höher die Partei rechts der Union steigt, umso heftiger wird der Streit um den Umgang mit ihr wieder aufflammen. CSU-Chef Horst Seehofer hatte Merkels Handeln in der Flüchtlingskrise auch deswegen so harsch kritisiert, weil er den rechten Protest nicht ganz der AfD überlassen wollte.

Im Wahlkampf hielt er sich mit solcher Kritik während Monaten zurück. Doch damit wird es wohl bereits am Wahlabend ein Ende haben. Der Erfolg der AfD zeige doch, dass er zu Recht eine Obergrenze für Flüchtlinge fordere, wird Seehofer sagen und diese erneut zur Bedingung für Koalitionsgespräche erklären. Merkel lehnt dies strikt ab. Dominique Eigenmann

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