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Die britische Angst vor der Euro-Krise

David Cameron und Angela Merkel kommen im Kampf gegen die Euro-Krise nicht voran. Die britischen Finanzinstitute drosseln derweil massiv den Geldfluss in die Euro-Zone.

Unterschiedliche Ansichten: Der britische Premier David Cameron und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel nach dem Treffen in Berlin.
Unterschiedliche Ansichten: Der britische Premier David Cameron und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel nach dem Treffen in Berlin.
Keystone

«Ein starker, erfolgreicher und nachhaltiger Euro ist auch im Interesse Grossbritanniens», betonte der britische Premierminister David Cameron beim heutigen Treffen mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin. Er forderte alle EU-Institutionen auf, die Sicherung und Stabilisierung des Euro zu unterstützen. Hintergrund ist offenbar das britische Drängen, die Europäische Zentralbank stärker zur Stützung angeschlagener Euro-Staaten zu nutzen.

So ist die Sorge der britischen Finanzinstitute über die Krise auf dem Kontinent inzwischen akut. Denn gemäss der «Financial Times Deutschland» treten diese den finanziellen Rückzug aus der Euro-Zone an. Die Interbanken-Kredite an Länder wie Griechenland und Spanien seien im dritten Quartal um rund ein Viertel auf 10,5 Milliarden Pfund zurückgeschraubt worden.

Eingriffe der Bank of England

Laut dem selben Zeitungsbericht hätten sich zudem die vier britischen Grossbanken – HSBC, Lloyds, Royal Bank of Scotland und Barclays – in grossem Stil aus dem Kreditgeschäft mit Italien zurückgezogen. HSBC soll das Kreditgeschäft mit Griechenland gar komplett eingestellt und mit Spanien und Italien zurückgefahren haben.

Und auch die britische Notenbank tut alles um ein Überschwappen der Euro-Krise auf die Insel zu verhindern. Mit massiven Käufen von britischen Staatsanleihen drückt sie deren Zins. Von 75 auf 275 Milliarden Pfund hat sie das Limit solcher Käufe hochgeschraubt. Die Unterstützung der heimischen Wirtschaft und Politik ist ihr dabei gewiss, ganz im Gegensatz zur EZB, deren Käufe von Staatsanleihen kriselnder Euro-Länder gerade in Berlin zunehmend auf Skepsis stösst.

Merkel setzt auf die Euro-Gipfel-Beschlüsse

In diesem Zusammenhang forderte die deutsche Bundeskanzlerin beim Gipfel-Treffen in Berlin erneut eine EU-Vertragsänderungen und eine rasche Umsetzung der Beschlüsse des Euro-Zonen-Gipfels von Ende Oktober. Merkel wiederholte ihre Position, dass vor allem nationale Reformen und ein europäische Eingriffsrecht Vertrauen in die Euro-Zone zurückbrächten.

«Glaubwürdigkeit gewinnt man dadurch zurück, dass man die Kraft einsetzt, die man hat. Aber man darf keine Kraft vortäuschen, die man nicht hat», sagte sie in Anspielung auf die Forderungen, die EZB stärker zum Schuldenaufkauf einzusetzen. Dies hatte sie bereits am Vortag klar abgelehnt. Stattdessen müssten endlich die Beschlüsse der Euro-Zone umgesetzt werden. «Da zählt jeder Tag.»

Streitpunkt Finanztransaktionssteuer

Auch in anderen Bereichen waren sich Cameron und Merkel nicht einig, wie beispielsweise bei der Finanztransaktionssteuer. Sowohl Cameron als auch Merkel betonten zwar, dass sie für eine globale Einführung seien. Er lehne ein EU-Vorpreschen jedoch ab, weil dann Geschäft vom Finanzplatz London in andere Teile der Welt abwandern würde, betonte Cameron.

Ausserdem gebe es in London bereits eine «faire» Beteiligung des Finanzsektors etwa über eine Bankenabgabe. Deutschland und einige andere Euro-Staaten drängen dagegen zur raschen Einführung, notfalls nur in der Euro-Zone.

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