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«Die Flüchtlingskrise hat Europa so verändert wie 9/11 die USA»

Im Sommer 2015 führte der Weg der Flüchtlinge von der Türkei mit dem Boot zur griechischen Insel Lesbos. (AP Photo/Petros Giannakouris)

Herr Krastev, wie geht es Europa und der EU am Ende dieses turbulenten Jahres?

Wo ist Europa denn zuletzt vorangekommen?

Sie bezeichnen in «Europadämmerung» die Flüchtlingskrise als Europas 9/11, also als Ereignis, das alles verändert. Erstmals sei offen gelegt worden, wie gross die Bruchlinien zwischen West- und Osteuropäern seien. Wird die Debatte auch 2018 weitergehen?

Eines fällt aber auf: Die Rhetorik ist weiterhin konfrontativ.

Ich habe viel Zeit in Litauen nach dem EU-Beitritt 2004 verbracht - damals sah man es als positiv an, dass viele junge Balten nach Grossbritannien auswanderten.

Welche Veränderungen nehmen Sie wahr?

Sie schreiben, dass die EU in Osteuropa lange populärer war als die nationalen Regierungen, weil die Bürger Brüssel als Schutz vor Korruption in der Heimat ansahen. Die Flüchtlingskrise habe das Vertrauen der Osteuropäer in die EU zerstört. «Elite» ist in vielen Kreisen ebenso ein Schimpfwort geworden wie Flüchtling.

Wieso soll Loyalität plötzlich wichtig sein?

Heute ist das anders.

Welche Ereignisse werden die Europapolitik 2018 beeinflussen?

Neben Präsident Macron dominierte auch Ungarns Premierminister Viktor Orbán die Schlagzeilen. Er steht seit der Flüchtlingskrise 2015 im Zentrum der Aufmerksamkeit. Hat Sie Orbáns Aufstieg zum Idol vieler konservativer Europäer überrascht?

Sein Ziel scheint vielmehr zu sein, die europäische Politik zu verändern.

Was fehlt ihnen?

Wer könnte seinen Platz einnehmen?

Es spricht viel dafür, dass Orbán und seine Fidesz-Partei die Wahl im Frühjahr gewinnen.

Ähnlich ist es in Polen.

Sie appellieren an die europäischen Politiker, kompromissbereiter zu sein, um das Projekt Europa zu retten. Was erwarten Sie von der neuen deutschen Regierung?

Gibt es Grenzen für Kompromisse? Was ist nicht verhandelbar?

Das klingt ziemlich düster.

Als Ihr Buch im Sommer erschien, war Emmanuel Macron gerade zu Frankreichs Präsident gewählt worden. Sie schrieben also: Obwohl kein einziges Problem gelöst wurde, hat er die Stimmung verändert und gibt Europa Selbstvertrauen. Denken Sie immer noch so?

Das merken gerade viele Briten, die für einen Austritt aus der EU gestimmt haben.