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Die Franzosen machens besser

Die italienischen Medien amüsieren sich über die amourösen Eskapaden des französischen Präsidenten. François Hollande kommt aber im Vergleich zu Silvio Berlusconi auffallend gut weg.

Bei François Hollande geht es eher um die Liebe, bei Silvio Berlusconi ging es stets um das Vergnügen.
Bei François Hollande geht es eher um die Liebe, bei Silvio Berlusconi ging es stets um das Vergnügen.
Keystone
Der französische Präsident mit seiner offiziellen Lebenspartnerin Valérie Trierweiler.
Der französische Präsident mit seiner offiziellen Lebenspartnerin Valérie Trierweiler.
Keystone
Auch Karima al-Mahroug, besser bekannt als Ruby, leistete bezahlte Liebesdienste für Berlusconi.
Auch Karima al-Mahroug, besser bekannt als Ruby, leistete bezahlte Liebesdienste für Berlusconi.
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Er, sie, die andere und im Hintergrund noch die Erste – «un classico», sagen die Italiener, wirklich eine uralte Geschichte. Valérie hätte es wissen müssen, wenn ein Mann seine Lebensgefährtin für die Geliebte verlässt, dann wird ein Platz als Geliebte frei. Ségolène geniesst ihre Rache kalt. Und Julie, die Neue, wird an Hollandes Seite nicht alt werden – so viel steht fest. Seit Tagen erregt der Skandal um den französischen Präsidenten die italienischen Medien, der Tonfall ist amüsiert, aber ohne Schadenfreude. Und erst recht ohne erhobenen Zeigefinger.

Macht und Monogamie, das gehört in protestantisch geprägten Ländern zusammen, um nicht zu sagen: bei jenen Barbaren, die ihre Beichtväter mitsamt der Generalabsolution zum Teufel gejagt haben. In Italien und bei den französischen Nachbarn hingegen leistet man sich ein wenig mehr Lebensfreude und Liebeskultur, und die Herrschenden gehen traditionell mit gutem Beispiel voran.

Sexfreudige Päpste in der Renaissance

Nehmen wir den römischen Kaiser Augustus, der von allen Cäsaren bis heute als einziger ein fantastisches Image hat. Nun, Augustus liess zwar die Strafen für den Ehebruch verschärfen, spannte aber höchstselbst einem Untergebenen dessen hochschwangere Ehefrau aus und zwang den Unglücklichen zur Scheidung. Schlimmer trieb es Messalina, die Gattin von Kaiser Claudius. Sie hielt sich jugendliche Liebhaber, angeblich schlich sie sich sogar nachts aus ihrem Palast, um sich in einer römischen Spelunke als Hure zu verdingen.

Die Päpste der Renaissance sorgten später mit beachtlichem persönlichem Einsatz dafür, dass aus Italien kein Land der Puritaner wurde. Manche hielten sich nur Mätressen, andere leisteten sich ganze Familien. Der Zölibat war eine noch junge Erfindung und ausserdem sowieso nicht ernst gemeint.

Später, sehr viel später, regte sich die halbe Welt darüber auf, dass Silvio Berlusconi trotz seiner Sexskandale im Amt blieb. Seine Bunga-Bunga-Partys im Stil altrömischer Orgien schadeten Italiens Ansehen im Ausland, doch sie besiegelten keineswegs das Ende von Berlusconis politischer Karriere. Das kam erst jetzt, nach einer Verurteilung wegen Steuerbetrugs. Die Italiener aber hatten Berlusconi immer wieder gewählt. Dabei erstarrte, während der Alte Bunga Bunga tanzte, das Land in Rezession.

Berlusconi: Kein Liebhaber, sondern «Endverbraucher»

Hollande und Berlusconi trennen Welten, nicht nur, weil der Franzose Sozialist ist, während der Italiener sich als rechtspopulistischer Sonnenkönig geriert. Denn bei Hollande geht es um «l’amour», bei Berlusconi ging es stets nur um «l’amusement», oft mit kaum verhohlenem Zynismus. Was kann man auch von einem Mann erwarten, der ein Gelegenheitsaktmodell zur Gleichberechtigungsministerin beruft? Und der seinem Freund Ghadhafi bei dessen letztem Staatsbesuch 200 junge Italienerinnen als «Hostessen» zur Verfügung stellte?

Berlusconi verachtet die Frauen – nie wäre ihm in den Sinn gekommen, auf einem Moped zu heimlichen Rendezvous zu knattern, stattdessen liess er die Mädchen dutzendweise in seine Residenzen einfliegen. Er zahlte gut. Berlusconi war kein Liebhaber, sondern ein «Endverbraucher», wie es sein eigener Anwalt einmal ausdrückte. Im Glauben, seinen Mandanten zu verteidigen.

Die Italienerin Carla Bruni lobt die Franzosen

Das ist der eigentliche Grund dafür, warum Italiens Medien den französischen Präsidenten jetzt auffallend gut behandeln. Denn der Skandal im Elysée zeigt, was die frühere Première Dame Carla Bruni als gebürtige Italienerin bereits verkündet hatte: Franzosen tun es besser. Der linkische Hollande liess seiner Julie frühmorgens die Croissants ins Liebesnest bringen. Berlusconi zwang seine Gespielinnen, wenn man der Prostituierten Patrizia D’Addario Glauben schenken mag, noch nachts zu kalten Duschen. Frühstück gabs übrigens auch nicht.

In Frankreich haben die Mätressen der Mächtigen Macht über die Macht. Über Hollandes politisches Schicksal wird jetzt die eine oder die andere entscheiden, vielleicht auch noch die Erste. Berlusconi hat sich noch nie von einer Frau etwas sagen lassen, noch nicht einmal von Richterinnen und Staatsanwältinnen. Das Klatschmagazin «Closer», das den Skandal um Hollande ruchbar machte, erscheint übrigens im Verlag Mondadori. Dessen Besitzer heisst: Silvio Berlusconi.

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