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Die Gattin stand auf dem Gehaltszettel

Frankreichs Ex-Premier François Fillon steht wegen möglicher Scheinbeschäftigung vor Gericht.

«Penelope-Gate» führte sie vor Gericht statt in den Präsidentenpalast: ­Ehepaar Fillon. Foto: Thibault Camus (AP, Keystone)
«Penelope-Gate» führte sie vor Gericht statt in den Präsidentenpalast: ­Ehepaar Fillon. Foto: Thibault Camus (AP, Keystone)

Das Ehepaar Fillon sitzt schweigend im Gerichtssaal, während die Anklageschrift verlesen wird: Veruntreuung öffentlicher ­Gelder durch François Fillon in Höhe von 408'000 Euro zugunsten von Penelope Fillon, zudem 117'400 Euro, die an die Kinder der Fillons geflossen sein sollen – um nur die wichtigsten Vorwürfe zu nennen.

Die vielen Schaulustigen und Reporter, die den ganzen Mittwochvormittag über im Pariser Justizpalast auf die Ankunft der Fillons gewartet haben, zeugen davon, wie tief der Fall des Paares ist. Hier wird nicht nur zwei Vertretern des besseren Bürgertums der Prozess gemacht, die nach aussen immer die Werte von Anstand und Strenge verkörperten. Hier warten zwei auf ein Urteil, die sich schon an der Spitze des Staates gesehen hatten.

Was konnte der Republikaner schon falsch machen?

Vor drei Jahren galt François ­Fillon noch als sicherer An­wärter aufs Präsidentenamt. Ermüdet vom energielosen Sozialisten François Hollande, wollte die Mehrheit der Franzosen 2017 einen Konservativen in den Elysée-Palast schicken. Was konnte Fillon, der Kandidat der Republikaner, schon falsch machen? Am 25. Januar begannen die Enthüllungen, die ihn vom Siegertreppchen stürzen sollten.

Die Zeitung «Canard Enchaîné» berichtete, wie Fillon seine Gattin acht Jahre lang als parlamentarische Assistentin beschäftigte, ohne dass diese ihre Tätigkeit ausgeführt habe. In den folgenden Wochen multiplizierten sich die Vorwürfe. Fillon habe seinem Nachfolger in der Nationalversammlung, Marc Joulaud, einfach seine Ehefrau Penelope Fillon als Mitarbeiterin vererbt.

François Fillon wurde unter Nicolas Sarkozy ­Minister, Penelope Fillon blieb auf dem Gehaltszettel der Nationalversammlung. Für viel Auf­regung sorgte zudem die Information, Fillon habe sich Hemden im Wert von 4500 Euro schenken lassen.

Das Ehepaar beharrt auf seiner Unschuld. Fillon sieht sich nicht als Täter, sondern als Opfer der Medien, die für ihn Teil einer linken Verschwörung gegen ihn sind. Die erste Runde der Präsidentschaftswahl im April 2017 besiegelte Fillons Niederlage. Er kam auf 20 Prozent der Stimmen, zu wenig für die Stichwahl.

Zehn Jahre Haft möglich

Die Folgen von «Penelope-Gate», wie die Affäre auf Französisch heisst, waren zum einen die tiefe Sinnkrise der konservativen Republikaner. Ablesbar auch an der Europawahl 2019, bei der die Partei um zwölf Punkte abstürzte und auf nur 8,4 Prozent der Stimmen kam. Und zum anderen die Verabschiedung eines neuen Gesetzes gegen Scheinbeschäftigung im Parlament.

Für Fillon könnten die persön­lichen Folgen der Enthüllungen gravierend sein. Ihm drohen bis zu zehn Jahre Haft. Seine Verteidigung beharrt auf der Unschuld des Paares. Die Tatsache, dass es keine Belege dafür gebe, dass ­Penelope Fillon tatsächlich als Assistentin arbeitete, lasse sich dadurch erklären, dass sie ihren Ehemann stets mündlich beriet. Selbiges gelte auch für Fillons Nachfolger Joulaud, diesem habe Penelope Fillon helfen müssen, seine Schüchternheit zu überwinden.

Kompliziert wird es für die Fillons durch einen anderen Fall. Ein mit François Fillon befreundeter Verleger und Milliardär hatte Penelope Fillon monatlich knapp 4000 Euro für eine Tätigkeit als «Beraterin» seiner Literaturrevue bezahlt. Der Verleger wurde wegen Scheinbeschäftigung angeklagt und gestand, dass Penelope Fillon «als Gegenleistung für ihr Gehalt keine Arbeit verrichtet» habe.

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