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«Die Griechen sind dabei, sich selbst zu geisseln»

Die Ausschreitungen machen den griechischen Tourismusverantwortlichen Sorgen. Die Branche macht fast zwanzig Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes aus.

Dunkle Wolken über Griechenland: Touristen auf der Akropolis in Athen.
Dunkle Wolken über Griechenland: Touristen auf der Akropolis in Athen.
Keystone

Ausschreitungen mit Toten, brennende Banken und wütende Proteste von Gewerkschaftern auf der Akropolis: Die Demonstrationen gegen das Sparpaket der griechischen Regierung in Athen eskalieren. Touristen dürften die Hauptstadt derzeit meiden - wenn sie Griechenland angesichts des mittlerweile dritten Generalstreiks überhaupt erreichen.

Diese Situation macht den Tourismusverantwortlichen in dem hoch verschuldeten südosteuropäischen Land Sorgen - denn sie hatten nach dem Wirtschaftskrisen-Jahr 2009 für diesen Sommer auf eine Erholung gehofft. «Erst der Streik im Hafen von Piräus, jetzt die kommunistische Demonstration in der Akropolis. Die Griechen sind dabei, sich selbst zu geisseln», sagt der Vorsitzende des Verbandes der griechischen Tourismusunternehmen, Giorgos Drakopoulos, noch vor den ersten Nachrichten über Tote bei den Protesten am Mittwoch in Athen.

Buchungszahlen rückläufig

Er habe nicht einmal Zeit, sich über die Buchungszahlen Gedanken zu machen: «Ich bin zu sehr beschäftigt, mich darum zu kümmern, dass das Bild des Landes nicht in den Dreck gezogen wird.» Die Buchungszahlen aus wichtigen Herkunftsländern der Griechenland-Touristen bis Ende der Sommersaison im Oktober liegen zur Zeit vier bis acht Prozent unter dem Vorjahr, wie der Vorsitzende des griechischen Reiseverbandes, Jannis Evangelou, sagt.

Und dabei liefen die Geschäfte 2009 aufgrund der Wirtschaftskrise bereits vergleichsweise schlecht, die Zahl der Griechenland-Touristen sank deutlich um 6,4 Prozent. Weitere gewaltsame Ausschreitungen könnten die Zahlen jedoch nun noch weiter sinken lassen.

Türkei profitiert

Immerhin kämen dieses Jahr mehr Besucher aus Russland und den USA nach Griechenland, sagt Evangelou. Doch auch der Reiseverbandschef gibt zu bedenken, «das Land in die Pleite gehen zu sehen, und die wiederholten Proteste in der Hauptstadt - das ermutigt die Urlauber nicht gerade».

Zum Beweis verweist er auf die Buchungszahlen deutscher Touristen in der Türkei, traditionell politischer wie touristischer Rivale seines Landes: Dort stiegen die Buchungen aus Deutschland deutlich um zwölf Prozent an.

17 Prozent der Wirtschaftsleistung

Sollte der Tourismus in Griechenland unter der Krise des Landes leiden, dann leidet gleich der gesamte südosteuropäische Staat: Der Sektor steht für über 17 Prozent der Wirtschaftsleistung, fast ein Viertel der Arbeitsplätze hängt direkt oder indirekt von der Branche ab, wie aus Zahlen der Stiftung für Wirtschafts- und Industrieforschung (IOBE) hervorgeht.

Die Sparmassnahmen der Regierung lassen zudem befürchten, dass die Griechen selbst ihr Urlaubsbudget zusammenstreichen - dabei stehen sie für fast ein Viertel der gebuchten Hotelübernachtungen im eigenen Land.

«Das ist demütigend»

Die Regierung allerdings zeigt sich bislang offiziell gelassen: «Griechenland ist immer noch genauso schön und gastlich», gibt das Tourismusministerium in Athen als Parole aus. Zudem werde Griechenland angesichts der Sparmassnahmen und der damit voraussichtlich sogar sinkenden Lebenshaltungskosten als Urlaubsziel sogar günstiger.

Gerade das aber stösst den Betroffenen auf: «Das ist demütigend», sagt Reiseverbandschef Evangelou. «Gerade in dem Moment, wo wir damit begannen, Reisende eher mit der Qualität unserer Leistungen als mit dem günstigen Preis anzuziehen, müssen wir wieder alles tun, um unsere Zimmer zu füllen.»

AFP/jak

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