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Die Kampfpilotin in russischer Gewalt

Als erste Frau kämpfte sie sich an die Spitze des ukrainischen Militärs – nun sitzt Nadiya Savchenko in Russland hinter Gittern. Ihre Geschichte lässt hoffen.

Politisch hochbrisanter Prozess: Nadija Sawtschenko winkt aus ihrem Käfig im Gerichtssaal der russischen Grenzstadt Donezk. (22. März 2016)
Politisch hochbrisanter Prozess: Nadija Sawtschenko winkt aus ihrem Käfig im Gerichtssaal der russischen Grenzstadt Donezk. (22. März 2016)
Ivan Sekretarev, Keystone
Bleibt ihrer Linie treu: Nadija Sawtschenko in einem Gefängnis in Russland. (19. Juni 2014)
Bleibt ihrer Linie treu: Nadija Sawtschenko in einem Gefängnis in Russland. (19. Juni 2014)
Reuters
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Sie war eine der erste Frauen im ukrainischen Militär, reiste als einzige weibliche Soldatin mit den nationalen Friedenstruppen in den Irak und verteidigte ihr Land in der Krise als Air-Force-Pilotin. Nadiya Savchenko weiss, wie man kämpft. In ihrer jetzigen Situation kommt ihr das wohl zugute. Von prorussischen Separatisten gefasst, sitzt die 33-Jährige laut der «Kyiv Post» seit Mitte Juni in einem Gefängnis in Russland. Sie soll den Tod der russischen Journalisten Igor Kornelyuk und Anton Volshin mitverantwortet haben. Die beiden starben bei einem Angriff auf einen Checkpoint in der ukrainischen Stadt Luhansk.

Über den Zustand von Savchenko ist wenig bekannt. Letzte Hinweise gibt ein Video, das am Tag nach ihrer Entführung am 18. Juni veröffentlicht wurde. Auf den Bildern macht sie einen gesunden und gefassten Eindruck – obwohl sie mit Handschellen an eine Metallstange gekettet ist.

Selbstbewusst wiederholt sie darin ihren Schwur, die Ukraine «gegen eine äussere Invasion» zu schützen. Zudem weigert sie sich vehement, Informationen über die Truppengrösse und die Strategie der Ostukraine preiszugeben. Auf das Angebot der Entführer, sie im Gegenzug freizulassen, reagiert Savchenko mit einem müden Lächeln: «Sie werden mich nicht freilassen, sie werden mit töten», sagt sie in die Kamera – bekleidet mit einem Kampfanzug und kurzgeschorenen Haaren.

Protest aus Kiew

Die Ukraine reagiert scharf auf die Entführung der MI24-Pilotin. «Dies ist ein weiterer Beweis dafür, dass Terroristen auf ukrainischem Boden eng mit russischen Geheimdiensten zusammenarbeiten», schreibt das Aussenministerium in Kiew in einer Mitteilung.

Savchenko ist in ihrer Heimat keine Unbekannte. Sie war die erste Frau, die in der Armee Karriere machte. Dieser Weg zeichnete sich laut ihrer Schwester schon früh ab: «Bereits als Nadiya 16 Jahre alt war, war klar, dass sie Militärpilotin wird», sagt Vira Savchenko gegenüber «Radio FreeEurope» (RFE). Sie trat als Funkerin in die Armee ein und kurze Zeit später begann sie mit dem Training als Fallschirmjägerin. Ein eindrückliches Bild erinnert an diese Zeit: Es zeigt Savchenko Arm in Arm mit vier Kameraden – alles Männer (siehe Bildstrecke).

Berühmt durch Fernsehen und UNO

«Natürlich müssen Frauen in der Armee, die mehr als Schreibarbeiten leisten, dem gleichen psychischen und physischen Druck standhalten wie Männer», sagt Vira. Nadiya sei in der Lage gewesen, alle diese Dinge zu tun – und zwar auf sehr hohem Niveau. Aufgrund dieser Fähigkeit erlaubte ihr das Verteidigungsministerium schliesslich den Zugang zur renommierten Air Force Universität in Charkow. Hier studierten bisher nur Männer.

Mit dem Antritt bei der Elite-Universität wurden das ukrainische Fernsehen (zum TV-Bericht) und die Vereinten Nationen auf Savchenko aufmerksam. Letztere bedienten sich ihrer Geschichte, bei der Festlegeung von Grundsätzen der Gleichstellung der Geschlechter im ukrainischen Militär.

«Sie beschützte mich»

Wann Savchenko in die Ukraine zurückkehrt, ist ungewiss. Laut RFE entschied gestern das Gericht in Woronesch, wo die 33-Jährige festgehalten wird, dass sie bis mindestens am 30. August in Untersuchungshaft bleiben müsse. Eine Laune des russischen Rechtssystems, das Gefangene für Monate hinter Gittern halten kann, ohne sie jemals vor ein Gericht zu stellen.

Mit Hilfe eines russischen Anwalts versucht ihre Schwester Vira nun nach Woronesch zu reisen. «Ich möchte sie sehen, damit ich weiss, wie es ihr geht», sagt sie und fügt an: «Als wir klein waren, folgte ich ihr auf Schritt und Tritt. Sie beschützte mich. Das war unsere Kindheit. Nun bin ich an der Reihe.»

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