Die Leiden der jungen Italiener

Die Generation der 25- bis 34-Jährigen hat es überall schwer. Aber anders als andere Länder lässt Italien sie allein.

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Wer in den Achtzigerjahren geboren wurde, gehört zu den Millennials, einer Generation, die aus Familien mit dem höchsten Durchschnittseinkommen der Nachkriegszeit kommt, mit hohen Leistungserwartungen und auf Augenhöhe mit den Gleichaltrigen anderer Länder. In Italien jedoch sind, während diese Generation heranwuchs, die Staatsschulden ungewöhnlich stark gestiegen – wie die Überalterung der Bevölkerung und die Instabilität auf dem Arbeitsmarkt.

Es ist eine Generation, die im Gegensatz zu den Babyboomern nur Ziele realisieren konnte, die weit unter ihren eigenen Wünschen und Möglichkeiten lagen. Die Statistiken sind in dieser Hinsicht eindeutig.

Jeder dritte Arbeitnehmer ist weg

Diese Verelendung ist ein Prozess, der schon vor der jüngsten Rezession begann, sich in den Jahren der Krise jedoch noch verstärkt hat. Während dieser schwierigen Phase besteht die grösste Sorge weitsichtigerer Staaten darin, ihre Ausbildungsmöglichkeiten zu optimieren und so auf Angebot und Nachfrage im Arbeitsmarkt zu reagieren. Italien ist das weniger gut gelungen als anderen Ländern. Die Konsequenz: Hier explodiert das Neet-Phänomen («Not in Education, Employment und Training»).

Die Arbeitslosigkeit unter den italienischen Millennials hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt (von 8,5 auf 17,3 Prozent). Wir sind bei dieser so wichtigen Altersgruppe nach wie vor weit davon entfernt, das Niveau vor der Krise wieder zu erreichen. Ein Vergleich mit der Verteilung der Arbeitskraft in Europa zeigt, wie dieses spezifische Problem in Italien immer ausgeprägter wird, und zwar nicht aufgrund einer wachsenden Anzahl von über 55-Jährigen, sondern vor allem wegen eines Mangels an Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Die absolute Anzahl der Arbeitenden im Alter von 25 bis 34 Jahren hat sich im Vergleich zu anderen Ländern viel stärker verringert, und ihre relative Präsenz in der Arbeitswelt ist die niedrigste in Europa.

1997 hatten noch über 6 Millionen junge Erwachsene eine Anstellung, 2007 waren es nur noch 5,6 Millionen, und heute sind wir bei knapp 4 Millionen. Wir haben also einen von drei Arbeitnehmern in dieser Altersgruppe verloren. Damit wird auch die Zahl von Beziehungen von Paaren und Geburten heutzutage immer geringer, nicht nur, weil es einfach weniger potenzielle neue Partner und neue Eltern gibt, sondern auch, weil Lebensentscheidungen dieser Art aufgeschoben werden – es fehlen einfach die Mittel, die dafür nötig sind. Die einzige Statistik, in der die Zahl der unter 35-Jährigen in Italien ansteigt, ist die der jungen Erwachsenen, die ins Ausland abwandern.

Negative Spirale

All das trägt zu einer negativen Spirale bei, die die Zukunft der neuen Generationen nach unten zieht. Auch das demografische, wirtschaftliche und soziale Gleichgewicht Italiens wird beeinträchtigt, unser Wachstum wird noch unsicherer und schwächer. Deshalb muss der Verbesserung der Chancen und Auswahlmöglichkeiten in dieser wichtigen Lebensphase unbedingt Priorität eingeräumt werden.

Anstatt uns jetzt auf die Dreissigjährigen von heute zu konzentrieren, was auf Kosten der Zwanzigjährigen ginge, müssen wir über eine aktive und fähige Politik für die neuen Generationen nachdenken, die sich nicht mehr auf das statistische Alter konzentriert, sondern auf eine zielgerichtete Begleitung auf allen Wegen ins Leben.

Übersetzung aus dem Italienischen von Bettina Schneider.

Erstellt: 24.09.2017, 19:09 Uhr

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Alessandro Rosina

Der Autor der «Repubblica» ist auch Professor für Demografie und Sozialstatistiken an der Katholischen Universität von Mailand.

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