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Die letzte Reise des Attentäters führte in die Schweiz

Mohammed Merah war kurz vor seinen Attentaten in den Skiferien im Jura. In Genf wollte er zudem die Kamera kaufen, mit der er später seine Morde filmte. Gegen seinen Bruder wurde ein Verfahren eröffnet.

Idyllischen Ferien folgten grausame Taten: Mohammed Merah auf einem Screenshot eines Videos, das dem französischen TV-Sender France 2 zugespielt wurde.
Idyllischen Ferien folgten grausame Taten: Mohammed Merah auf einem Screenshot eines Videos, das dem französischen TV-Sender France 2 zugespielt wurde.
AFP

Einen Monat vor den Attentaten von Toulouse war Mohammed Merah wohl im schweizerisch-französischen Skigebiet Les Rousses in den Ferien, das schreibt «Le Point». Im Genfer Fnac wollte er damals eine Kamera kaufen, und zwar jene Kamera, welche er während all seiner Taten um seinen Körper geschnallt hatte, das behauptet ein Bekannter gegenüber der französischen Tageszeitung. Anscheinend war ihm das Genfer Modell zu teuer, er hat später eine billigere Version in Toulouse erstanden.

Die Polizei fand die Kamera, nachdem ihr Merah während der stundenlangen Belagerung seiner Wohnung mitgeteilt hatte, wo sie sich befindet. Laut dem für Terrorismus zuständigen Pariser Staatsanwalt François Molins soll er den Ermittlern auch gesagt haben, dass er den Film ins Internet gestellt habe, «aber wir wissen nicht, wo oder wie oder wann».

Auf dem ersten Video zum Attentat vom 11. März sei Mohammed Merah zu sehen, wie er zu seinem Opfer sagt: «Du tötest meine Brüder, jetzt töte ich dich», sagt Molins. Bei seinem zweiten Attentat auf zwei Fallschirmjäger sei Merah zu sehen, wie er die beiden Soldaten erschiesst, bevor er mit seinem Motorroller davonfährt und «Allah Akbar!» (Gott ist gross) rufe.

Auch die dritte Bluttat in einer jüdischen Schule, wo der 23-Jährige drei Kinder und einen Religionslehrer erschoss, nahm Merah dem Staatsanwalt zufolge auf.

Merah heiratete

Auch wurde bekannt, dass Mohammed Merah wenige Monate vor seiner Gewaltserie nach muslimischem Ritus geheiratet hatte und sich kurz darauf aber wieder scheiden liess. «Wir haben am 15. Dezember geheiratet, und die Scheidung wurde am 20. März offiziell, zwei Tage vor seinem Tod», sagte die geschiedene Frau gestern Abend der Nachrichtenagentur AFP.

Nähere Angaben zu ihrem 23-jährigen Ex-Mann, den sie nicht standesamtlich geheiratet hatte, wollte die Frau nicht machen. Auch die Gründe für die Scheidung nannte sie nicht. Ein Imam bestätigte die Angaben. «Le Point» hingegen berichtet, dass die junge Frau sich nicht um den Haushalt habe kümmern wollen, was zur Trennung führte. Der Zeuge, auf den sich die französische Zeitung stützt, glaubt, dass dies dazu habe beitragen können, dass bei Merah «die Sicherungen durchbrannten».

«Keine Terrorzelle»

Die Ermittlungen der Geheimdienste zu Mohammed Merah hätten keinen Hinweis auf die später verübten Gewalttaten gegeben, sagte Sarkozy im Radio France Info. «Er hat kein Ausbildungslager absolviert, hat an keiner religiösen Hochschule studiert und sich nicht an terroristischen Handlungen beteiligt.»

Der 23-Jährige sei durch das Internet zum radikalen Islamisten geworden, der «ohne Vorwarnung oder Übergang brutalste Terrortaten beging», sagte Sarkozy. «Nach unseren Erkenntnissen gab es keine Terrorzelle.»

Merah soll nach dem Willen seiner Familie in Algerien bestattet werden, wo seine Eltern herkommen. Er habe die Überführung der Leiche beantragt, sagte Merahs Onkel Djamel Aziri der Nachrichtenagentur AFP.

Bruder in Haft

Die Justiz will herausfinden, ob Merahs Bruder Abdelkader über dessen Anschlagspläne auf dem Laufenden war ihm half. Gegen Abdelkader Merah wurde am Sonntagabend ein Ermittlungsverfahren wegen Komplizenschaft und Bildung einer kriminellen Vereinigung zur Vorbereitung von Terrorakten eingeleitet. Er sitzt in Fresnes bei Paris in Haft.

Die Arbeit der Geheimdienste und der Polizei solle überprüft werden, kündigte Sarkozy an. Regierungsmitglieder und Oppositionspolitiker hatten die Ermittler kritisiert, die Merah schon seit Monaten im Visier hatten, ihn aber erst nach seiner dritten Gewalttat am Montag vergangener Woche aufspürten.

Islamischer Prediger darf nicht einreisen

Als Konsequenz aus den Attentaten in Toulouse lehnte Sarkozy heute die Einreise des einflussreichen islamischen Predigers Jussef al-Karadawi zu einem Treffen islamischer Organisationen Anfang April in der Nähe von Paris ab. Der Prediger sei «nicht willkommen», sagte der Präsident.

Bereits am Sonntag hatte Sarkozys Berater Henri Guaino erklärt, dass Frankreich «keine extremistischen Prediger» im Land wolle. «Vielen Leuten» werde nach den Ereignissen von Toulouse die Einreise verboten, kündigte Guaino an.

sda/dapd

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