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«Die Linke hat keine Vision mehr»

Der bedeutende italienische Philosoph Gianni Vattimo politisiert im Europäischen Parlament in Strassburg. Der Katholik ist ein erbitterter Gegner von Ministerpräsident Silvio Berlusconi und bezeichnet sich selbst als Kommunist.

Wie kommen Sie als Philosoph ins Europäische Parlament?Ich habe Philosophie immer auch aus politischem Interesse betrieben. Das Studium der Philosophie hat mir erlaubt, mich mit dem zu befassen, was mich ohnehin beschäftigte: Theologie und Politik. Als Professor habe ich mich in Zeitungskommentaren regelmässig in die Tagespolitik eingemischt. Als Anfang der 90er-Jahre im Zuge des Parteispendenskandals Tangentopoli die italienischen Parteien zusammenbrachen, entstanden verschiedene politische Bewegungen. Ich schloss mich der «Alleanza per Torino» an und wäre beinahe Bürgermeisterkandidat für Turin geworden. Am Ende wurde mein Kollege Valentino Castellani, Professor am Polytechnikum, gewählt. Ich kandidierte 1999 für das Europäische Parlament in Strassburg.

Was hat den Ausschlag gegeben für den Eintritt in die Politik?Wollen Sie es konkret wissen? Ich sass an einem Sonntag beim Mittagessen mit einem Freund, als dieser mir plötzlich sein Telefon reichte und sagte: «Ich geb dir mal Prodi, er möchte mit dir reden.» Ich kannte natürlich Romano Prodi (er war zweimal italienischer Ministerpräsident und EU-Kommissionspräsident, Anm. d. Red). Auch er war Universitätsprofessor gewesen, aber schon früh in die Wirtschaft und Politik eingestiegen. Er wollte mich für seine politische Bewegung gewinnen, ich glaube, sie hiess «L’asinello» («das Eselchen»). Ich liess mich dann aber von den Ex-Kommunisten um Walter Veltroni und seinem «Partito della Quercia» («Partei der Eiche») abwerben, für die ich ins Europäische Parlament einzog. Ich war damals sehr überzeugt vom europäischen Projekt.

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