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«Die Linke müsste meine rassistischen Eltern ansprechen»

«Meine Eltern haben das Gefühl, dass der Front National die einzige Partei ist, die sie wahrnimmt»: Édouard Louis. Foto: Philippe Matsas (Opale, Leemage)

Stimmen Ihre Eltern inhaltlich mit dem Front National (FN) überein, oder sind ihre Stimmen für Marine Le Pen nur ein Stein ins Schaufenster des Pariser Politbetriebs?

Hat Ihre Mutter denn recht? Hat die Politik sie völlig aus dem Blick verloren?

Dabei heisst es oft, nur Macron könne Marine Le Pen noch besiegen.

In Hallencourt, Ihrem Geburtsort, haben bei der Europawahl 55 Prozent Front National gewählt. Warum?

Die einst stolze Bergbaustadt kämpft mit einer hohen Arbeitslosigkeit: Hénin-Beaumont, Hochburg des Front National in Nordfrankreich.
Omnipräsente Präsidentschaftskandidatin: Marine Le Pen hat angekündigt, den Abend des ersten Wahlgangs in Hénin-Beaumont zu verbringen.
HENIN-BEAUMONT, FRANCE – FEBRUARY 16:  A general view of Hénin-Beaumont town center  on February 16, 2017 in Hénin-Beaumont, France. The former mining town in northern France, Hénin-Beaumont, was the first to elect a Front National mayor in a single round of voting. Marine Le PenÕs party hopes to turn their recent success into an upset in this yearÕs presidential elections.  (Photo by Jeff J Mitchell/Getty Images)
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Wie erklären Sie sich das?

Sie haben in «Das Ende von Eddy» über diese Gewalt geschrieben.

Ihre Mutter war über Ihr Buch empört.

Kann man die Welt ändern, wenn die Leidenden sich schämen, laut zu sagen: «Ja, ich leide»? Das ist knifflig.

Ist deshalb die Scham ein Leitmotiv in Ihren Büchern?

«Als ich das Eddy-Manuskript an einen berühmten Pariser Verleger schickte, antwortete der mir, er könne das nicht veröffentlichen, weil es die Welt, über die ich da schrieb, nicht mehr gebe.»

Nach Ihrem hochkulturellen Training?

Sie haben sich neu erfunden, Ihren picardischen Akzent abtrainiert, einen neuen Familiennamen zugelegt, eine intellektuelle Existenz entworfen. Die Linke wirft Ihnen das vor. Warum?

Steckt in dem Vorwurf auch Sozialromantik?

Die Solidarität der unteren Schichten, gefeiert von Pasolini und Loach, ist eine Sehnsuchtsprojektion?

Auf Ihrer Homepage steht ein schöner Text, in dem ein Pariser Taxifahrer sagt, dass Bücher ohnehin nicht für Menschen wie ihn geschrieben werden. Sie stimmen ihm spontan zu. Warum?

Aber es gibt doch beispielsweise Ihr Buch.

Mit Geoffroy de Lagasnerie haben Sie vor zwei Jahren ein «Manifest» veröffentlicht, in dem Sie fordern, man müsse die Stille ins Zentrum des politischen Widerstands stellen. Wie meinen Sie das?

Muss man nicht mit ihnen diskutieren?

Man warf Ihnen Zensur vor.

Und das bedeutet?

Ist nicht, umgekehrt, vor lauter Rücksicht auf Randgruppen die soziale Frage aus dem Blick geraten?

Wie das?

Werden Sie am Sonntag wählen gehen?