Die prominenteste PKK-Kämpferin ist tot

Die 55-jährige Sakine Cansiz galt als weibliche Symbolfigur des kurdischen Freiheitskampfs. Heute wurde sie in Paris erschossen. Dies könnte die Friedensgespräche der PKK mit der Türkei empfindlich stören.

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Sie war Mitbegründerin der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und galt als Vertraute des in der Türkei inhaftierten PKK-Chefs Abdullah Öcalan: Die 55-jährige Sakine Cansiz, die zusammen mit zwei weiteren kurdischen Aktivistinnen in Paris regelrecht hingerichtet wurde, zählte zu den prominenten Kämpferinnen für die Rechte der Kurden in der Türkei. Ihre Ermordung könnte die derzeit laufenden heiklen Friedensverhandlungen zwischen der Türkei und der PKK empfindlich stören.

Seit ihrer Jugend war die im türkischen Tunceli (Dersim für die Kurden) geborene Cansiz in linksextremen, pro-kurdischen Kreisen aktiv. Die Frau mit dem hennarot-gefärbten Haar gehörte 1978 zu der kleinen Gruppe der PKK-Gründungsmitglieder im mehrheitlich von Kurden bewohnten Südosten der Türkei. Sechs Jahre später startete die PKK ihren bewaffneten Kampf für die Autonomie der Kurden und gegen den türkischen Staat; seit 1984 kamen in dem Konflikt 45'000 Menschen ums Leben.

Decknamen Sara

Nach der Gründung der PKK wurde Cansiz in der kurdischen Grossstadt Diyarbakir festgenommen und inhaftiert. Dort wurden politische Gefangene zu dieser Zeit systematisch gefoltert. In ihrer zwölfjährigen Haftzeit musste die junge Frau nach kurdischen Angaben schwerste Folter erleiden, sie stieg demnach zu einer «Symbolfigur des kurdischen Frauenfreiheitskampfs» auf.

Erst 1991 kam Cansiz nach mehreren Prozessen wieder frei. Sie nahm den Decknamen «Sara» an und schloss sich dem bewaffneten Kampf der PKK an. In der libanesischen Bekaa-Ebene wurde sie auch in einem PKK-Lager ausgebildet.

Wichtiges Kader der PKK in Europa

1992 oder 1993 kam die kurdische Aktivistin dann nach Deutschland, wo sie im Auftrag des im syrischen Exil lebenden Öcalan die Aktivitäten der PKK organisieren sollte, die seit 1993 auch in Deutschland verboten ist. Nach kurdischen Angaben erhielt Cansiz 1998 politisches Asyl in Frankreich.

Mit den Jahren wurde sie zu einem wichtigen Kader der PKK in Europa, auch wegen ihrer Nähe zum PKK-Militärchef Murat Karayilan, der mit rund 2000 Rebellen von den Bergen des Nordirak aus die Türkei bekämpfte. Nach der Verhaftung Öcalans im Jahr 1999 wurde Karayilan zur PKK-Galionsfigur.

Aufgrund eines internationalen Haftbefehls, der von Ankara vorangetrieben wurde, wurde Cansiz am 19. März 2007 in Hamburg festgenommen. Doch ein Gericht lehnte das türkische Auslieferungsersuchen ab und die Frau, die laut Hamburger Verfassungsschutz von 2006 bis Anfang 2007 das Gebiet Hamburg für die auch in Deutschland verbotene PKK leitete, wurde nach rund einem Monat freigelassen. Die Kurdin lebte seit mehreren Jahren in Frankreich. Unklar blieb am Donnerstag, ob sie nach wie vor die türkische Staatsangehörigkeit hatte. (wid/AFP)

Erstellt: 10.01.2013, 21:34 Uhr

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