Die Rache des Milliardärs

Lord Ashcroft schrieb David Camerons Skandalbiografie. Er beglich damit eine offene Rechnung.

Nachtragender Adliger: Michael Ashcroft. Foto: Matt Cardy/Getty Images

Nachtragender Adliger: Michael Ashcroft. Foto: Matt Cardy/Getty Images

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Die Tage nach dem Wahlsieg der Konservativen 2010 verbrachte Lord Michael Ashcroft «wie so viele andere» wartend vor dem Telefon. Der Milliardär war als Millionenspender, Schatzmeister und Stratege der Hauptverantwortliche für den Sieg des neuen Premierministers David Cameron. Und dieser hatte ihm für den Fall eines Erfolgs ein bedeutendes Ministerium versprochen.

Doch das Telefon blieb still. Erst nach Tagen meldete sich Cameron und bot ihm erst nichts an. Und dann einen Vizeposten im Aussenministerium. Also noch weniger als nichts. Eine Demütigung.

Ashcroft merkte, dass die Leute recht hatten, die ihn gewarnt hatten, «dass Camerons Wort so viel wert ist wie das Papier, auf dem es geschrieben steht». Und er schwor Rache.

Nun, fünf Jahre später, ist die Rache getan. Der Milliardär Ashcroft hat – mit einer Profijournalistin – Camerons Biografie geschrieben: Hasch, Kokain, Fehlurteile und dass selbst enge Mitarbeiter ihren Premier für komplett identitätslos halten. Und natürlich die Anekdote, die nun um die Welt geht: dass David Cameron ein «intimes Teil seines Körpers» bei einem Aufnahmeritual eines Studentenclubs in den abgetrennten Kopf eines Schweins steckte.

Vom Donut-Verkäufer zum Politstrategen

Es ist nicht zuletzt die Rache eines Selfmademannes an «einem der verdammten Privatschüler, die mit dem Goldlöffel im Mund geboren werden». Ashcroft, Sohn eines Kolonialbeamten, verdiente sein erstes Geld mit dem Verkauf von Donuts, übernahm mit 26 eine bankrotte Reinigungsfirma und baute nach und nach über Campingbedarf, Sicherheitstechnik, Software und eine Menge anderer Dinge ein Milliardenvermögen auf.

Und er gab es grosszügig aus. Für Wohlfahrt, für die weltgrösste Sammlung britischer Tapferkeitsorden und die Konservative Partei, die er an ihrem Tiefpunkt zu finanzieren begann. Der Lohn waren ein Adelstitel und Ärger: als die politische Konkurrenz herausfand, dass der Chefstratege der Tory-Partei sein Geld nicht in England versteuerte, sondern auf Belize – wo er auch keine Steuern zahlte. Im Parlament wurde extra für Lord Ashcroft ein Gesetz verabschiedet, das ihn zwang, Steuern zu zahlen.

Das meiste nahm Lord Ashcroft mit Humor. Dass ihn die Presse als Blofeld-artigen Charakter bezeichnete, konterte er durch das Mitführen einer ausgestopften weissen Katze.

Und selbst Camerons Beleidigung nahm er sportlich. Er quittierte alle Ämter in der Partei und erfand sich neu: als Besitzer des grössten Umfrageinstituts, als Datenspezialist und als politischer Intellektueller.

Nach dem Vorabdruck des Buches twitterte er gut gelaunt einen Artikel «Wer zur Hölle ist Lord Ashcroft?». In diesem sagte Camerons Vorgänger als Parteichef: «Er ist einer der übelsten Typen, die du zum Feind haben kannst . . . und der beste Mensch, wenn du ihn zum Freund hast.»

Erstellt: 23.09.2015, 07:08 Uhr

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