Die Realität nicht ausblenden

Ferien in der Türkei werden jetzt noch günstiger. Aber man sollte trotzdem nicht hinreisen.

Gerade zieht der Tourismus in der Türkei wieder an: Touristen besuchen die Ruinen von Ephesos, in der Nähe von Izmir.

Gerade zieht der Tourismus in der Türkei wieder an: Touristen besuchen die Ruinen von Ephesos, in der Nähe von Izmir. Bild: Sertac Kayar/Reuters

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Es ist schade um dieses Land, das ja nicht nur ein schönes Urlaubsland ist. Die Türkei hat traumhafte Strände wie die Dünenlandschaft von Patara oder den hellen Kies von Ölüdeniz, der das Wasser so karibisch türkis wirken lässt. Die Sinterterrassen in Pamukkale sind wieder strahlend weiss, das Wetter ist stabil freundlich, die Gastgeber sind es auch. Und doch liegt ein dunkler Schleier über der Türkei.

Ihr Präsident Recep Tayyip Erdogan und seine Gefolgsleute von der AKP, einst Hoffnungsträger für das Land, haben es zu einem düsteren Ort für alle Andersdenkenden werden lassen. Allein, dass man offen über die akute Wirtschaftskrise in der Türkei spricht, reicht jetzt schon, um als Gegner des Regimes ins Visier der Behörden zu geraten.

Gerade zieht der Tourismus in der Türkei wieder an. Nicht nur die russischen, auch Schweizer Gäste buchen wieder. Und viele, die schon dort sind oder die kommenden Wochen erst fahren, werden den drastischen Verfall der Lira aufmerksam verfolgen: Ihre Ferien werden jetzt noch deutlich günstiger. In den letzten drei Monaten ist die türkische Lira so stark gesunken, dass man jetzt für seinen Franken 50 Prozent mehr Lira erhält.

Die einzige Möglichkeit, die ein Urlauber hat, Einfluss auf die Politik eines Landes zu nehmen, ist Geldentzug.

Dass Urlauber in die Türkei kommen, ist erfreulich für die Menschen, die von ihnen leben. Und natürlich lässt es sich nach wie vor schön und unbeschwert an den Küsten von Antalya bis Bodrum liegen – nur blendet man damit die Realität aus.

Man kann nicht einfach zur Normalität zurückkehren, schulterzuckend den Verlust von Rechtsstaatlichkeit hin- und gleichzeitig das Geschenk eines vom türkischen Staat subventionierten Fluges annehmen. Und sich daran erfreuen, was für ein tolles Schnäppchen man gemacht hat.

Man tut den inhaftierten Kritikern des Regimes, der Meinungsfreiheit, den Resten der Demokratie damit keinen Gefallen. Die einzige Möglichkeit, die ein Urlauber hat, Einfluss auf die Politik eines Landes zu nehmen, ist Geldentzug. Was ja nicht gleichbedeutend sein muss mit Liebesentzug.

Erstellt: 15.08.2018, 08:21 Uhr

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