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Die Schande Italiens

Im Westen Neapels rottet das einst grösste Industrieareal Süditaliens vor sich hin. Jetzt will es Premier Matteo Renzi sanieren: Bagnoli ist der Testfall seines Regierungsstils.

Bagnoli ist ein Mahnmal für bürokratisches und politisches Versagen linker und rechter Regierungen, in Rom und in Neapel. Foto: Nick Hannes (Reporters, Keystone)
Bagnoli ist ein Mahnmal für bürokratisches und politisches Versagen linker und rechter Regierungen, in Rom und in Neapel. Foto: Nick Hannes (Reporters, Keystone)

Da liegt sie im schönen Dunst des Morgenlichts, die Schande Italiens. Umweht von einer sanften Meeresbrise. Von Posillipo, hoch über der Bucht von Pozzuoli, wirkt Bagnoli unten in der Ebene wie das Set aus einem apokalyptischen Film. Die alten Industriehallen von Italsider und Cementir, manche so imposant wie Grossstadtbahnhöfe, stehen da wie ausgeschlachtete Kadaver. Die Skelette rosten vor sich hin. Am Fuss der Kamine wächst Gras, zwischen den Gleisen der ausrangierten Fabrikzüge auch, und in allen Ritzen der Sozialbauten, die einen Kranz um das grosse Gelände bilden. In den Strassen von Bagnoli, diesem Stadtteil im Westen Neapels, liegen Reifen, Abfall, Autowracks. Die ganze Trostlosigkeit einer verpassten Chance unter freiem, blauem Himmel.

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