Die Schweiz hat vor Russland kapituliert

Alle schauten bei heiklen Russen-Geldern weg: Banken, Staatsanwälte und der Bund. Dies zeigte die Laundromat-Recherche. Profitiert hat wohl auch Putin selber.

Enge Bande: Wladimir Putin verleiht seinem Freund, dem Cellisten Sergei Roldugin, einen Orden. Foto: Mikhail Svetlov (Getty)

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Die Laundromat-Recherche, über die wir berichten, zeigt, wie Gelder aus Russland über offensichtlich gefälschte Verträge in die Schweiz gelangten. Es besteht das Risiko, dass damit Gelder aus Verbrechen in Russland auf Schweizer Banken strömten. Das ist beunruhigend. Wirklich verstörend sind hingegen die Reaktionen von Schweizer Ermittlungsprofis, wenn man mit ihnen in Hintergrundgesprächen darüber spricht. Sehr schnell wird einem klar: Die Schweizer Justiz hat bei den Russen-Geldern weitgehend kapituliert.

Schon vor drei Jahren zeigte das Recherchedesk von Tamedia mit den Panama Papers, dass Millionen an den Cellisten Sergei Roldugin flossen, einen engen Freund von Putin. Doch die Daten zeigten auch, dass nicht Roldugin das Geld steuerte, sondern Putins persönliche Banker. Die Schweizer Konten waren sogar noch aktiv, als Putin bereits die Krim annektierte und sich gerade daranmachte, sich in den US-Wahlkampf einzumischen.

Heute wissen wir, dass die Staatsanwälte damals hätten eingreifen müssen. Im neuen Laundromat-Leck sehen wir jetzt, dass die Millionen, die an Roldugin flossen, von einer dubiosen Briefkastenfirma kamen – und sie stand in Kontakt mit mutmasslichen Geldwäschern. Wer hinter dieser Firma steckt, ist völlig unklar. Die Besitzer verbargen sich hinter Scheinmanagern. Journalisten fanden im Zuge der Laundromat-Recherche einen der angeblich «Verantwortlichen» dieser Firma in Armenien: einen einfachen Bauarbeiter in Militärjacke, der keine Ahnung hatte, dass seine Identität gestohlen worden war und dass auch in seinem Namen Millionen zu Putins Freund nach Zürich gegangen waren.

Versagen der Schweiz

Doch führende Schweizer Ermittler winkten bei einem Hintergrundgespräch nur ab. Einer äffte noch einen Cellospieler nach – in Andeutung an Roldugin – und führte dann an, das sei ja wohl ein völlig hoffnungsloser Fall. In anderen Gesprächen vernimmt man, dass Staatsanwälte bei Geldern aus Russland keine Chance auf einen Erfolg sehen. Dafür denken sie vor allem daran, wie sie die Ermittlungen irgendwie verhindern respektive einstellen können. Auch dass die Russen offenbar falsche Verträge nutzten für ihre Geldtransfers in die Schweiz, scheint die Schweizer Ermittler nicht zu bewegen.

Die Erklärung liegt zum Teil darin, dass es schwierig ist, solche Gelder bis zu einem Verbrechen in Russland zurückzuverfolgen. Aber auch beim Bund fragte sich offensichtlich niemand, welche anderen Mittel man hat, diese Geldflüsse in die Schweiz zu stoppen. Dabei haben die USA vorgemacht, wie es geht: Im März 2014 sanktionierten die USA Juri Kowaltschuk, den Banker von Putin, wie das Finanzministerium ihn nannte. Auch die EU verhängte Kontosperrungen und Einreiseverbote. Doch die Schweiz zog nicht mit. Dabei waren es die Mitarbeiter von Kowaltschuk, welche jahrelang die Konten von Roldugin in Zürich steuerten. Tage nach der US-Sanktionierung konnten sie ungehindert ein neues Konto für Roldugin in Zürich eröffnen.

Der künftige Leiter der Schweizer Meldestelle für Geldwäscherei, Daniel Thelesklaf, kommt zu einem ernüchternden Schluss: Viele Gelder aus der Ex-Sowjetunion sind bereits im Westen. Die Schuld daran mögen sich Banken, Staatsanwälte und der Bund gegenseitig zuschieben. Am Schluss ist das auch ein Versagen der Schweiz.

Erstellt: 06.03.2019, 11:15 Uhr

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